
von Wieland Mößner
15. Januar 2010
Die Viertelfinals um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen sind seit letztem Wochenende Geschichte. Die Begegnungen nahmen größtenteils den von den Experten erwarteten Ausgang. So setzten sich 3 Vertreter aus der 1. Bundesliga West durch während aus der 1. Bundesliga Ost im Halbfinale lediglich der SV Wacker Burghausen übrig bleibt. Der SV Germania Weingarten wurde im Viertelfinale vom ASV Hof, dem Viertplatzierten aus der Staffel Ost nach Abschluß der Vorrunde, nicht sonderlich gefordert und setzte sich letztendlich auch mühelos durch. Die Voraussetzungen für den insgesamt 4. Halbfinal-Einzug hintereinander nach inzwischen 10 Jahren Zugehörigkeit in der Eliteklasse des deutschen Ringens wurden bereits durch imponierende Leistungen im Hinkampf geschaffen als es der Mannschaft gelang, 9 von 10 Einzelkämpfen für sich zu entscheiden. Dies veranlasste die sportliche Leistung des Gegners aus der ca. 50.000 Einwohner zählenden Stadt aus Oberfranken allerdings, lediglich mit einer besseren 2. Mannschaft den Weg nach Weingarten anzutreten. So gingen lediglich 3 Stammringer auf die Matte und darüber hinaus wurde in der Gewichtsklasse bis 74 kg Greco kein Gegner für Jonny Panait gestellt. Dieses Auftreten war eines Viertelfinalisten um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft nicht würdig, denn derart sollte man nicht die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte (Quelle: Homepage des ASV Hof) nicht beschließen. Die Sportler, die in den beiden Kämpfen für den SVG Weingarten aufliefen, zeigten zum Teil beeindruckende Leistungen, mussten dabei aber selten an ihre Leistungsgrenzen gehen. Lediglich der Teamkapitän René Zimmermann schwächelte nach gerade überstandenem Erkältungsinfekt in seinen beiden Vergleichen gegen den letztjährigen Junioren-Europameister Ramsin Azizsir ein wenig und musste sich dem Riesen-Talent doch zweimal recht deutlich geschlagen geben. Diese beiden Niederlagen stimulieren den ehrgeizigen Mannschaftsringer für die bevorstehenden Aufeinandertreffen mit dem Köllerbacher Jan Fischer aber um so mehr, so dass niemandem bange sein muss, dass es ‚Zimmi' evtl. nicht gelingen könnte, zum Zeitpunkt "X" das maximale Leistungsvermögen abzurufen.
Viel spannender und für die Zuschauer wesentlich interessanter liefen hingegen die Auseinandersetzungen aus der unteren Hälfte des Tableaus ab. Der sich im Verlauf der Saison stetig steigernde achtmalige deutsche Meister KSV Aalen setzte sich in zwei auf sportlich sehr hohem Niveau stehenden Kämpfen gegen den Finalisten der vergangenen 5 Jahre, den 1. Luckenwalder SC, durch. Die Mannschaft aus Brandenburg haderte dabei allerdings mit großem Verletzungspech, denn mit dem Schweden Jalmar Sjöberg (120 kg Greco), Nick Matuhin (120 kg Freistil) sowie Vize-Olympiasieger Mirko Englich (96/120 Greco) standen aus Verletzungsgründen nicht weniger als 3 Schwergewichtsringer nicht zur Verfügung. Der Ausfall dieser drei Siegringer erschwerte natürlich das Vorhaben, zum sechsten Male in Folge ins Finale einzuziehen. Den Hinkampf musste man gar mit einer Hypothek von 0:4 Mannschaftspunkten beginnen, da man nicht in der Lage war, das Greco-Schwergewicht zu besetzen. Dennoch lieferte man der Staffel aus der Ostalb über beide Begegnungen gesehen einen großen Kampf und gab sich ob der ungünstigen Voraussetzungen keineswegs von vornherein geschlagen. Es wurden viele, wenn auch vergebliche, Anstrengungen unternommen, um den Einzug in die Vorschlussrunde doch irgendwie zu bewerkstelligen. Jedenfalls waren die beiden Viertelfinal-Kämpfe Werbung für den Ringkampfsport in Deutschland.
Mit der RWG Mömbris-Königshofen und dem SV Wacker Burghausen trafen zwei sich auf Augenhöhe befindliche Mannschaften aufeinander, was in den Einzelergebnissen auch eindeutig widergespiegelt wird. Die Entscheidung über den Einzug in die Vorschlussrunde fiel nach der Addition aller Einzelbegegnungen somit folgerichtig auch erst im 20. und allerletzten Kampf als sich die beiden bulgarischen Landsmänner Ivan Deliverski (SV Wacker Burghausen) und Milan Blagoev (RWG Mömbris-Königshofen) beim Stande von 14:15 aus Burghausener Sicht gegenüber standen. Nach einem Burghausener 17:18 Auswärtssieg im Hinkampf war der frisch gebackene bulgarische Vize-Meister Deliverski, der sich gestern im Finale um die bulgarische Meisterschaft dem ehemals für den KSV Aalen ringenden Kyril Terziev geschlagen geben musste, gezwungen, den gestrigen Meisterschafts-Dritten Blagoev zu besiegen. Dies gelang mit einem technisch überhöhten Punktsieg in eindrucksvoller Manier, wodurch der erstmalige Einzug der Burghausener in das Halbfinale endgültig besiegelt war. Ausschlaggebend für das Mömbriser Ausscheiden waren in meinen Augen das Fehlen des schwedischen Nationalmannschaftsringers Jakob Cedergren (96 kg Greco) im Rückkampf, die 0:3 Niederlage von Peter Weisenberger gegen den Bulgaren Miroslav Geshev im Hinkampf, wofür er sich im Rückkampf mit einem überzeugenden 3:0 Erfolg revanchieren konnte sowie vor allem die beiden schwachen Auftritte des letztjährigen WM-Siebten Oldrik Wagner, der sich dem Ex-Germanen Nikolay Chterev zweimal deutlich mit 0:3 Punkten in die Schranken weisen ließ.
Nachdem seit dem vergangenen Wochenende die vier Halbfinalisten feststehen, fiebert man bei den im Kampf um die Deutsche Meisterschaft übrig gebliebenen Kontrahenten den beiden Halbfinal-Hinkämpfen zwischen dem SVG Weingarten und dem Meister der vergangenen drei Jahre, dem KSV Köllerbach, sowie zwischen dem SVW Burghausen und dem KSV Aalen, entgegen. Mit dem KSV Aalen und dem KSV Köllerbach sind die Favoriten dieser Auseinandersetzungen zwar schnell ausgemacht, dennoch darf sich vor allem der SVG Weingarten vor der zu erwartenden Rekordkulisse von ca. 2.000 Zuschauern durchaus berechtigte Hoffnungen machen, dem "Goliath" aus dem Saarland Paroli bieten zu können. Jedenfalls ist für das bevorstehende Großereignis im badischen Weingarten alles Notwendige angerichtet. Alle auf die Matte gehenden Sportler sind bis in die Fingerspitzen hochmotiviert und konzentriert, was auf Trainer, Vorstandschaft, medizinische Abteilung sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer gleichermaßen zutrifft. Alle dem Verein nahe stehenden Personen, Sponsoren und Gönner sowie die zahlreichen Fans des SV Germania Weingarten können es kaum mehr erwarten bis am Samstag um 20.00 Uhr endlich der Anpfiff zu dieser spannungsgeladenen Begegnung erfolgt.
Wieland Mößner
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.