Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Die Bundesliga-Analyse Teil 2

von Wieland Mößner
20. November 2009


Nachdem die Hinrunde in der 1. Bundesliga West nach 7 Siegen, einem Unentschieden und einer vernichtenden 9:24 Auswärtsniederlage beim Meister der vergangenen 3 Jahre, dem KSV Köllerbach, mit 15:3 Punkten absolviert wurde, konnte man beim SVG Weingarten zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau einordnen, wo die Mannschaft leistungsmäßig steht bzw. was im weiteren Verlauf der Saison von Ihr noch zu erwarten ist. Geschwächt durch die Langzeitverletzung des Ausnahmeringers und Punktegaranten der letzten 3 Jahre, Szabolcs Laszlo aus Rumänien, sowie durch den mehrwöchigen Ausfall von Ivan Nemeth, dem 23jährigen ungarischen Junioren-Welt- und Europameister von 2006, konnte man in der Hinrunde personell nicht immer aus dem Vollen schöpfen, so dass stets andere Athleten in die Bresche springen mussten. Die Unsicherheiten gerade nach der hohen Niederlage bei den Saarländern und dem wenig überzeugenden 16:16 Unentschieden zu Hause gegen den achtmaligen deutschen Mannschaftsmeister KSV Aalen (1979, 1984 sowie von 1997 bis 2002) war bei den Verantwortlichen der Germania merklich und für außen stehende Betrachter auch spürbar, so dass den schweren ersten drei Rückrundenkämpfen große Bedeutung beigemessen wurde.

Hatte ich nach den Begegnungen in Köllerbach und gegen den KSV Aalen mit konstruktiver Kritik, insbesondere was im Mannschaftsringen so wesentliche Eigenschaften wie Teamgeist, Zusammenhalt und mannschaftliche Geschlossenheit angeht, nicht hinter den Berg gehalten, so erfreulich kann man nach den gelungenen Auftritten bei der RWG Mömbris-Königshofen, gegen den KSK Neuss und beim bisherigen Tabellenführer, dem ASV Mainz 88, festhalten, dass die Mannschaft den Charaktertest in eindrucksvoller Manier bestanden hat. Man hat bei diesen Auseinandersetzungen deutlich gesehen, dass das Team zusammen gewachsen ist und auf und neben der Matte eine geschlossene Einheit bildet, in der wieder jeder Athlet für den anderen einsteht, Mannschaftskollegen angefeuert sowie wertvolle und nützliche Tipps von außen an jeden Kämpfer weiter gegeben werden, der gerade auf der Matte steht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der sogenannte Funke auf alle Beteiligten im Umfeld des Vereins, egal ob Fans, Trainer, Betreuer oder Verantwortliche, jetzt endlich wieder übergesprungen ist. Nach meiner Überzeugung können auf Dauer auch nur jene Mannschaften erfolgreich sein bzw. sogar über sich hinaus wachsen, in denen die Moral intakt ist und der Kampfgeist stimmt. Besonders bei Vereinen wie dem KSV Köllerbach, der RWG Mömbris-Königshofen oder dem Aufsteiger ASV Nendingen ist bereits seit vielen Jahren zu beobachten, dass dort eine eingeschworene Gemeinschaft am Werk ist, wo aus den gegebenen Möglichkeiten stets das Optimum heraus geholt wird. Winzige Kleinigkeiten und Nuancen können manchmal ausschlaggebend sein und über Erfolg oder Misserfolg, über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheiden, denn bei ähnlicher oder vergleichbarer sportlicher Qualität der jeweiligen Kader sollte gerade auf die Details gesteigerten Wert gelegt werden.

Besonders hervorheben sollte man an dieser Stelle, dass es den Verantwortlichen beim SV Germania vor dieser Saison gelungen ist, erstklassige Neuzugänge an Land zu ziehen, die sich nach und nach menschlich und sportlich immer besser in das Team integrieren und die allesamt entweder bereits zu Leistungsträgern avanciert sind oder dies im Fall von Ivan Nemeth (2 Einsätze, davon 1 Sieg und 1 Niederlage) oder dem bislang erst einmal eingesetzten Ukrainer Vladimir Shatskikh, seines Zeichens Weltmeister von 2006 und Vize-Europameister 2009 in der Gewichtsklasse bis 74 kg Greco, in Zukunft noch zu werden versprechen. Stellvertretend für die durchweg guten Leistungen aller Neuverstärkungen möchte ich kurz 3 Sportler herausgreifen, auf die ich nachfolgend näher eingehe.

An vorderster Front ist der 20jährige Youngster Johannes Kessel zu nennen, der mit eindrucksvollen Siegen gegen arrivierte Ringer wie den Ex-Junioren-Weltmeister Imants Lagodskis aus Lettland, den für den KSV Aalen kämpfenden EM-Dritten von 2006, Stefan Kehrer, oder gegen Kontrahenten aus der Freistil-Nationalmannschaft wie den amtierenden WM-Siebten Oldrik Wagner von der RWG Mömbris-Königshofen bzw. den Mainzer Neuzugang Kevin Schwäbe, den er sogar zweimal deutlich bezwingen konnte, nicht nur vollständig überzeugt hat, sondern dabei für sein jugendliches Alter taktisch bisweilen ausgesprochen ausgebufft agiert.

Als äußerst spektakulär und technisch filigran sind die sehenswerten Auftritte von Vize-Olympiasieger Andrej Stadnik aus der Ukraine zu betiteln, der ein Großteil seiner Gegner mit wahren Grifffeuerwerken nahezu schwindlig ringt und teilweise förmlich überrollt. Mit dieser Ringweise ist der 27jährige Ausnahmekönner in Windeseile zu einem der Publikumslieblinge in Weingarten geworden. Kleine Randnotiz: Andrej ist mit der amtierenden Welt- und Europameisterin in der Gewichtsklasse bis 48 kg, Maria Stadnik (Aserbaidschan), verheiratet, die u. a. beim Heimkampf des SVG gegen den KSK Neuss unter den Zuschauern weilte.

Beeindruckt bin ich auch von der tollen Entwicklung, die der 19ährige Greco-Spezialist Lukas Höglmeier in den letzten Wochen genommen hat. Ausgestattet mit einem großen Kämpferherz versteht es der vor der Runde vom hessischen Zweitligisten TSV Gailbach nach Nordbaden gewechselte Athlet stets, über sich hinaus zu wachsen, was er zuletzt beim vor allem in der Art und Weise, aber auch in der Höhe, völlig überraschenden 3:0 Sieg gegen den gebürtigen Aserbaidschaner Tahir Zaidov, der zu den Leistungsträgern bei der RWG Mömbris-Königshofen zählt, überzeugend unter Beweis gestellt hat. Mit einer Bilanz von 4 Siegen und 2 Niederlagen aus 6 Kämpfen hat er gezeigt, über welch großes Potenzial er verfügt und dass er nicht zu Unrecht als eines der wenigen ganz großen Ringsporttalente in Deutschland gehandelt wird.

Über die weiteren Neuzugänge näher einzugehen, würde zwar den Rahmen sprengen, dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Albaner Sahit Prizreni oder der bislang noch ungeschlagene Gergö Wöller als absolute Glücksgriffe erwiesen haben. Der mit Wöller vom SVS Hallbergmoos an den „Walzbach“ gewechselte Konstantin Völk hat mit 7 Siegen aus 10 Kämpfen ebenfalls die in Ihn gesetzten Erwartungen bislang voll erfüllt wie der gleichfalls 7 Erfolge bei 10 Einsätzen aufweisende 37jährige Routinier Adam Juretzko, der vor der Runde vom KSV Witten verpflichtet wurde. In Adams Erfolgsstatistik steht u. a. der 3. Platz bei den Europameisterschaften 2005 sowie zahlreiche deutsche Meisterschaften, so zuletzt in diesem Jahr in Völklingen, wo er sich zum wiederholten Male gegen seinen langjährigen nationalen Konkurrenten Konstantin Schneider durchsetzen konnte. Beim Heimkampf gegen den KSV Köllerbach erlebt dieses ewig junge Duell eine Neuauflage.

Alle anderen Sportler, die in dieser Kolumne unberücksichtigt geblieben sind, brauchen sich jetzt nicht zurück gesetzt fühlen. Auf Sie wird zu gegebener Zeit sicherlich noch näher eingegangen. Jetzt gilt es erst einmal, alle Kräfte für den schweren Heimkampf am Samstag gegen den KSV Köllerbach zu bündeln. Sollte dem SVG Weingarten ein Sieg gelingen, wäre man dem ersten Etappenziel, dem Erreichen des 1. Platzes nach Abschluss der Vorrunde, ein bedeutendes Stück näher gekommen.

Wieland Mößner


Zum Archiv

Termin-Vorschau

Momentan stehen keine Kämpfe bevor.