Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Der Bundesliga-Kommentar zum Auswärtskampf des SVG Weingarten beim KSV Köllerbach

von Wieland Mößner
08. Oktober 2009


Alle kritischen Anhänger des SV Germania Weingarten, die am Samstag Zeuge der hohen Auswärtsniederlage beim Deutschen Mannschaftsmeister der vergangenen 3 Jahre, dem KSV Köllerbach, waren, haben sich bestimmt die Frage gestellt, ob die ernüchternden Ergebnisse bereits Rückschlüsse auf die erst in 3 Monaten stattfindende Endrunde zulassen.

Man kann diese Frage zum einen sicherlich mit "ja", andererseits aber auch mit einem klaren "Nein" beantworten, da die an diesem Nachmittag von den SVG-Akteuren dargebotenen Leistungen keineswegs das wahre Leistungsvermögen der einzelnen Sportler widerspiegeln. Deshalb sollte man das Negative, das am "Tag der Deutschen Einheit" eindeutig überwog und augenscheinlich war, zu diesem frühen Zeitpunkt in der erst Ende August begonnenen Saison auf keinen Fall überbewerten, da einerseits die direkt von der WM angereisten Ringer (Panait, Wöller - Shuyyka, Fischer) - zugegebenermaßen auf beiden Seiten - größtenteils in ein verständliches Leistungstief gefallen sind, andererseits ist bei manchem Ringer der Saisonaufbau darauf abgezielt, die besten Leistungen erst wieder zu Beginn des nächsten Jahres abzurufen, so dass bei manchem die Leistungskurve im Verlauf der Saison noch deutlich nach oben zeigen wird.

Warum die eingangs gestellte Frage aber in einem speziellen Punkt mit "Ja" beantwortet werden muss, will ich hier näher begründen. Am Samstag hatten die meisten Beobachter den Eindruck, dass bei vielen Akteuren der letzte Einsatz, vor allem aber unbändiger Kampfgeist und absoluter Siegeswillen gefehlt haben. Diese Eigenschaften und eine intakte Moral sind jedoch Voraussetzung für den größt möglichen Erfolg, den jeder Sportler immer anstreben sollte. Speziell an diesem Tag und gerade bei diesem richtungsweisenden Kampf, der von den Verantwortlichen im Vorfeld zur Standortbestimmung erklärt wurde, haben Teile der Mannschaft den Charaktertest nicht bestanden, denn zu keiner Zeit war ein Aufbäumen gegen die sich bereits früh abzeichnende Niederlage erkennbar. In der Vergangenheit - dies war besonders in den vergangenen 3 Jahren zu beobachten - hat jeder für den anderen gekämpft und seine Mannschaftskameraden bei deren Kämpfen zu jeder Zeit angefeuert und unterstützt, so dass der Funke auch auf das Publikum überspringen und von den Anhängern wieder zurück auf die Sportler übertragen werden konnte. Momentan präsentiert sich die Mannschaft jedoch noch nicht als geschlossene bzw. kompakte Einheit, wo der Einzelne für den anderen einsteht. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass sich die noch vermisste Harmonie in wenigen Wochen einstellen wird, denn schließlich gilt es, nicht weniger als 9 Neuzugänge sportlich und menschlich zu integrieren. Das intakte Umfeld sollte ermöglichen und beizutragen helfen, diesen aktuell andauernden Prozess zu beschleunigen.

Tritt das Team wieder als "echte" Mannschaft auf, können auch Sportler wie z. B. Christoph Ewald, die derzeit noch hinter den Erwartungen bleiben, wieder ihre bekannten Stärken und die ohne Zweifel vorhandene Klasse abrufen. Dies wurde in der Vergangenheit ja bereits zur Genüge unter Beweis gestellt, was die eindrucksvollen Siege aus der Vorsaison, z. B. gegen Vladimir Togousov, Romica Rasovan, Erhan Feiz-Halib oder Emanuel Krause zweifelsfrei beweisen.

Fazit: Für die Zukunft, sprich die Rückrunde und vor allem die Play-Offs im Januar 2010, bin ich jedenfalls optimistisch, da im Team nicht zuletzt auch dank großer Variationsmöglichkeiten sehr viel Potenzial steckt und sich einige Ringer wie Christoph Ewald, Ionut Panait oder Ivan Nemeth kontinuierlich steigern werden. Dazu werden im Laufe der Saison Leistungsträger wie der fünffache Vizeweltmeister Mihaly Deak-Bardos (Ungarn) oder der Olympia-Zweite Andrej Stadnik (Ukraine) dem ohnehin starken Kader weitere Klasse verleihen.


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