
von Wieland Mößner
01. Februar 2007
Zum letzten Kampf in der Zwischenrunde um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft empfing der Tabellenführer der Gruppe C, der SV Germania Weingarten, den KSK Neuss in der Büchenauer Mehrzweckhalle. Das Punktekonto der Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen wies vor dem Vergleich ebenso wie das des FC Erzgebirge Aue 2:8 Zähler aus und so war man bestrebt, die laufende Runde mit einem Auswärtserfolg abzuschließen, um nicht das Tabellenende zu zieren. Der KSK Neuss trat demzufolge mit Ausnahme der beiden in den USA weilenden Brüder Salvatore und Emanuele Rinella auch in Bestbesetzung an. Dem Gastgeber hingegen standen wiederum die Ungarn Arpad Ritter, Sandor Bardosi, Andras Horvath und Tibor Olah, die zum größten Teil erst am Samstag von einem fast dreiwöchigen Lehrgang der ungarischen Nationalmannschaft aus Rumänien zurückkehrten, nicht zur Verfügung. Außerdem mussten die Nordbadener auf Sergios Solontkis (Griechische Meisterschaften) und Adrian Mazan (Poland Open) verzichten.
Der Ausländerplatz wurde wieder an Ghenadie Tulbea anstelle des Ukrainers Oleg Boikov vergeben. In Anbetracht der zahlreichen Ausfälle waren die Verantwortlichen zu einigen taktischen Umstellungen innerhalb der Mannschaft gezwungen, um das Erreichen des großen Zieles "Halbfinale" nicht zu gefährden. So wurde der langjährige Leistungsträger Ghenadie Tulbea kurzerhand ins klassische Fliegengewicht beordert, wo er nach Möglichkeit für einen optimalen Start in die Begegnung sorgen sollte. Dies gelang dem Vize-Weltmeister von 2003 gegen den Neusser Hoffnungsträger Mimoun Touba auch in der ungeliebten griechisch-römischen Stilart eindrucksvoll, wenngleich er die 2. Kampfrunde mit 1:3 Wertungspunkten abgeben musste. In der dritten und vierten Runde drehte Tulbea dann aber mächtig auf und konnte diese dann vorzeitig mit jeweils 6:0 Punkten zu seinen Gunsten entscheiden.
Der Sohn des bulgarischen Freistil-Nationaltrainers, der erst 19jährige Nicolaj Chterev stand im Freistil-Schwergewicht dem mit ca. 95 kg Körpergewicht nahezu gleichschweren Iraner Mohsen Rasool-Zadeh gegenüber. Mit einem Sieg wollte er den Aufwärtstrend der letzten Wochen bestätigen und ging entsprechend forsch zu Werke. Bei seinem letztlich ungefährdeten 1:0, 2:0, 2:0 Punktsieg bekam der sympathische Bulgare allerdings nur wenig Gegenwehr von Seiten seines Gegners zu verspüren. Ein regelrechtes Feuerwerk an Griffen lieferte Marcel Ewald ab, der den jungen Anatolij Efremov mit 6:0, 7:0 und 7:0 förmlich deklassierte und für einen zu diesem Zeitpunkt beruhigenden 10:1 Vorsprung aus Sicht des SV Germania Weingarten sorgte.
Der frisch gebackene bulgarische Meister Kaloian Dinchev hatte sich anschließend mit dem in Kuba geborenen und bereits seit mehr als 7 Jahren in Düsseldorf lebenden Italiener Jackson Vaillant-Cantero auseinander zu setzen. Der körperlich starke Dinchev fand jedoch nie in den Kampf und zeigte auch keinerlei Aufbäumen gegen die sich bereits nach einer Runde abzeichnende Niederlage. So unterlag er nach enttäuschender Vorstellung seinem Widersacher folgerichtig und völlig verdient mit 0:3 Punkten. Der kurzfristig verpflichtete Grieche Romanos Martidis reduzierte eigens für diesen Kampf unter der Woche 6 kg Körpergewicht und war nicht zuletzt auch aufgrund seiner schweren Knieverletzung verständlicherweise bereits nach einer Kampfrunde mit seinem Latein am Ende. Das von den Verantwortlichen ausgegebene Ziel, gegen den starken türkischen Ringer Mahmut Cavusoglu eine überhöhte Niederlage zu vermeiden, hatte er aber somit erreicht. Beim Zwischenstand von 10:7 ging es dann wie üblich in eine 25minütige Pause.
Den ersten Schlüsselkampf nach der Halbzeit bestritt Dennis Blum gegen den erfahrenen, bereits 39jährigen langjährigen Neusser Bundesligaringer Erich Marjalke. Nach dem Verlust der ersten Kampfrunde fand der in seinem dritten Jahr für den SV Germania Weingarten ringende Ex-Schifferstadter die richtige Einstellung und gewann die nachfolgenden Runden in einer harten und zähen Auseinandersetzung knapp mit 3:1, 2:1 und 1:0 zum eminent wichtigen 3:1 Punktsieg.
Im Freistil-Leichtgewicht stand Olaf Bock dem Bulgaren Dimitar Hristov-Tsevetkov gegenüber, der vor Wochenfrist die bulgarische Vizemeisterschaft erringen konnte. Der Ex-Luckenwalder zeigte einen beherzten Auftritt und bewies viel Kampfgeist als er sich nach dem Verlust der ersten beiden Runden mit einigen sehenswerten Aktionen in die Begegnung zurück kämpfte und den dritten und vierten Abschnitt verdientermaßen für sich entscheiden konnte. Eine kleine Unachtsamkeit in der fünften Runde kostete allerdings den Sieg, der nach dem Kampfverlauf gegen den konditionell abbauenden Bulgaren keineswegs unverdient gewesen wäre.
Der bravourös kämpfende René Zimmermann erwies sich im Vergleich mit dem dreimaligen deutschen Meister Björn Holk als gewiefter Taktiker und behielt trotz des Verlustes der ersten Runde stets die Übersicht. Dank seiner guten Kondition, einem engagierten Standkampf und einem hervorragenden Abwehrverhalten setzte er sich mit 3:1 Runden gegen den technisch starken Neusser durch. Mit diesem nicht unbedingt erwarteten Erfolg sorgte René Zimmermann für eine gewisse Vorentscheidung in der Gesamtbegegnung, in der der SV Germania Weingarten vor den beiden Abschlusskämpfen scheinbar uneinholbar mit 18:12 Punkten in Führung blieb. Die beiden Rumänen Andrei Nohai mit einem in dieser Höhe nicht einkalkulierten 3:0 Sieg gegen Walentin Birk und Szabolcz Laszlo mit seinem überhöhten Erfolg gegen Michael Efremov stellten den Endstand von 25:12 Punkten für die "Walzbach-Staffel" her.
Mit dem erstmaligen Einzug in das Halbfinale um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft hat der SV Germania 04 Weingarten seinen bislang größten und bedeutendsten Erfolg in der mittlerweile 103jährigen Vereinsgeschichte erzielt. In 16 Saisonkämpfen wurden 14 Siege, 1 Unentschieden und 1 Niederlage erreicht, was eine Gesamtpunktzahl von 29:3 Zählern ergibt. Die Bundesliga-Vorrunde wurde als Gruppensieger mit insgesamt 19:1 Punkten abgeschlossen, während man in der Zwischenrundengruppe C mit insgesamt 10:2 Punkten die Tabellenführung bis zum Schluss gegen die punktgleiche Mannschaft von der RWG Mömbris-Königshofen behaupten konnte. Der Mannschaft vom Spessart gelang am letzten Zwischenrundenkampftag ein ungefährdeter 27:9 Erfolg beim FC Erzgebirge Aue, der aber letztendlich ohne Auswirkung auf das Endklassement blieb. Im Halbfinale gegen den favorisierten amtierenden deutschen Meister 1. Luckenwalder SC wird der SV Germania Weingarten bestrebt sein, sich so teuer wie möglich zu verkaufen und dem Verein aus Brandenburg einigermaßen Paroli zu bieten.
Die Entscheidung über den Einzug in die Vorschlussrunde war in den anderen Gruppen bereits vor dem letzten Zwischenrundenkampftag gefallen. So ließ der KSV Witten bei seinem 26:9 Sieg beim TSV Dewangen nichts mehr anbrennen und qualifizierte sich seinerseits für die beiden Halbfinal-Duelle gegen den Favoriten KSV Köllerbach, der die Zwischenrunde in der Gruppe B mit einem standesgemäßen 26:12 Sieg beim KSV Ketsch und insgesamt 10:2 Punkten abschloss. Im letztlich bedeutungslosen Kampf beim KFC Leipzig unterlag der ersatzgeschwächt angetretene SC Anger mit 18:21 Punkten. Diese Niederlage gefährdete den 2. Platz der Mannschaft aus Bayern im Abschlussklassement allerdings nicht mehr. Der 1. Luckenwalder SC blieb auch in seinem letzten Kampf in der Gruppe D als einzige Mannschaft aus der 1. Ringer-Bundesliga weiterhin verlustpunktfrei und fertigte den SV Wacker Burghausen, der ebenfalls wie der Gastgeber auf zahlreiche Stammringer verzichtete, mit 27:9 Punkten ab.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.