
von Wieland Mößner
25. Januar 2007
Zum vorentscheidenden Kampf um den Einzug in das Halbfinale um die deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft musste der bislang in dieser Saison ungeschlagene SV Germania Weingarten beim letztjährigen Halbfinalisten, der RWG Mömbris-Königshofen, antreten. Der zweimalige deutsche Vizemeister aus dem Spessart erreichte in den Jahren 1991 und 1994 das Finale, wo man jeweils dem achtfachen deutschen Meister AC Bavaria Goldbach gegenüber stand, der zwischen 1991 und 1996 sechsmal in Folge den deutschen Meistertitel erringen konnte.
Beim Kräftemessen in Schimborn standen den Gästen aufgrund von nationalen Meisterschaften und diversen Vorbereitungslehrgängen auf die wichtigen sportlichen Großereignisse nicht weniger als 8 Athleten nicht zur Verfügung. Außer den bereits zum wiederholten Male fehlenden Ungarn Arpad Ritter, Sandor Bardosi, Andras Horvath und Tibor Olah, die vom ungarischen Verband in diesem Jahr bislang noch keine Freigabe für Bundesligakämpfe erhalten haben, mussten die Nordbadener zudem auf die beiden Bulgaren Kaloian Dinchev und Nicolaj Chterev verzichten. Während der 19jährige Freistilspezialist Chterev, der sogar bereit gewesen wäre, stilartfremd zu ringen, nach der vorgenommenen taktischen Umstellung der Mannschaft nicht in der Anfangsformation stand, nahm Dinchev an den bulgarischen Meisterschaften teil, wo er mit einem 5:0 und 3:0 Finalsieg gegen den in der Bundesliga für den KSV Köllerbach kämpfenden Vladislav Metodiev den Meistertitel in der Gewichtsklasse bis 96 kg Greco erringen konnte. Des Weiteren konnte die "Walzbach-Staffel" bei diesem Vergleich u. a. auch auf Marcel Ewald und Oleg Boikov nicht zurückgreifen.
Die Verantwortlichen des SVG Weingarten waren sich aufgrund dieser ungünstigen Vorzeichen im Vorfeld der Begegnung der Schwere der Aufgabe bewusst und reaktivierten eigens für diesen Kampf den Griechen Romanos Martidis, der vor ca. 3 Jahren beim KSV Aalen letztmals unter Vertrag stand. Für Greco-Mittelgewichtler Sergios Solontkis, der einen dringenden privaten Termin in seiner Heimat wahrnehmen musste, wurde unter der Woche eine Verlegung seines Kampfes an den Beginn der Veranstaltung beantragt. Trotz vorheriger fernmündlicher Zustimmung von Seiten der RWG Mömbris-Königshofen erinnerten sich die dortigen Verantwortlichen unmittelbar nach Beendigung des Wiegens eine dreiviertel Stunde vor Kampfbeginn nicht mehr an diese Abmachung und lehnten das Weingartener Anliegen kurzerhand ab, was das Vorhaben des SV Germania, den Auswärtskampf auf keinen Fall mit mehr als 10 Punkten Differenz zu verlieren, weiter erschweren sollte. Für den Griechen Sergios Solontkis, der vereinbarungsgemäß an den Frankfurter Flughafen chauffiert wurde, war kurzfristig kein adäquater Ersatz mehr aufzutreiben, womit die Mittelgewichtsbegegnung mit 0:4 Punkten gewertet werden musste.
Im Auftaktkampf musste sich der erst 14jährige Eric Ritter in seinem inzwischen fünften Einsatz in der 1. Mannschaft dem erfahrenen und technisch versierten Aserbaidschaner Tahir Zaidov erwartungsgemäß überhöht geschlagen geben. Der stilartfremd ringende Tscheche David Vala begann gegen den mehrfachen bulgarischen Landesmeister Plamen Paskalev sehr couragiert und ging mit 3:0 in Führung, konnte diesen Vorsprung allerdings nicht über die Zeit retten und verlor die 1. Runde aufgrund der niedrigeren technischen Einzelwertung (2 Punkte gegenüber 3 Punkten von Paskalev) noch mit 4:4. Im 2. Kampfabschnitt erwischte der Bulgare den ca. 117 kg schweren tschechischen Modellathleten eiskalt und vollendete zum von den Gastgebern viel umjubelten Schultersieg. Den bereits oben ausführlich beschriebenen Mittelgewichtskampf eingerechnet, lag der SV Germania Weingarten zu diesem Zeitpunkt bereits aussichtslos mit 0:12 Punkten in Rückstand.
Der zweifache Europameister und Vize-Weltmeister von 2003, Ghenadie Tulbea, blies zur Aufholjagd und gab seinem Kontrahenten Giorgi Gelashvili, der am Freitag die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt, mit einem 1:0, 4:0 und 4:0 Sieg das Nachsehen. René Zimmermann behielt gegen den ca. 10 kg schwereren Klaus Schmitt in 3 Runden die Oberhand und verkürzte den Rückstand zwischenzeitlich auf 6:12 Punkte. Im letzten Kampf vor der 25minütigen Pause hatte sich der zuverlässige Andrei Nohai mit dem Mömbriser Eigengewächs Bengt Trageser auseinander zu setzen. Nach dem Gewinn der ersten Kampfrunde musste sich der Rumäne dem im Standkampf aktiveren Mömbriser dennoch knapp in 4 Runden beugen, nachdem die 3. und 4. Runde ohne technische Wertung der beiden Ringer blieb und jeweils 1:1 endete.
Die zweite Kampfhälfte eröffneten Dennis Blum und der offensivstarke Felix Wissel, die sich in der Gewichtsklasse bis 84 kg Freistil gegenüber standen und einen ansehnlichen Kampf ablieferten. Nach anfänglich ausgeglichener Begegnung und dem Gewinn der 2. Runde unterlag Blum, der bereits im dritten Jahr für den SV Germania Weingarten auf die Matte geht, letztlich in 4 Runden dem agilen und äußerst konditionsstarken Ringer des Gastgebers. In einer mit harten Bandagen geführten Auseinandersetzung setzte sich der polnische Meister von 2005, Adrian Mazan, der im Standkampf den offensiveren Eindruck hinterließ, knapp in vier Runden gegen Thorsten Dominik durch, dem im Vorkampf vor gut einem Monat ein Sieg gegen Olaf Bock gelang. Nach dem bereits ausführlich geschilderten Sachverhalt betreffend den kampflos verlorenen Vergleich im Mittelgewicht des Griechisch-römischen Stils stand es vor den beiden Abschlusskämpfen 11:19 aus Sicht des SV Germania Weingarten.
Der kurzfristig verpflichtete und seit mehr als zwei Jahren inaktive Grieche Romanos Martidis gab sein Debüt in der "Walzbach-Staffel" und erfüllte mit seiner erwarteten 0:3 Niederlage sein Soll. Das Aufeinandertreffen von Peter Weisenberger und Szabolcz Laszlo musste im letzten Kampf des Abends die Entscheidung herbeiführen, wer im direkten Vergleich der beiden Mannschaften letztendlich die Nase vorn behalten sollte. Der Rumäne in Weingartener Diensten konnte zwar den Vorkampf für sich entscheiden, wußte aber genau, dass der international bereits mehrmals eingesetzte deutsche Nationalmannschaftsringer gerade vor heimischem Publikum ein sehr schwerer und unbequemer Gegner sein würde. Entsprechend konzentriert ging Laszlo zu Werke und konnte den Gewinn der ersten beiden Kampfrunden auf der Habenseite verbuchen. Die 3. und 4. Runde musste er trotz jeweiliger Führung zweimal kurz vor Rundenende abgeben. In der 4. Runde fehlten der Schimborner Hallenuhr zufolge sogar lediglich 0,73 Sekunden zum Gewinn derselben. In der 5. Runde behielt Szabolcz Laszlo dann aber stets die Übersicht und spielte seine hervorragende Kondition zum 4:1 Rundengewinn aus. Der abschließende 3:2 Punktsieg ließ ihn trotz der mit 14:24 Punkten verlorenen Begegnung zum Matchwinner avancieren, da der SV Germania Weingarten nach seinem 23:12 Heimsieg im direkten Vergleich mit der RWG Mömbris-Königshofen einen hauchdünnen Vorsprung von einem Punkt behaupten und über die Ziellinie retten konnte.
In einem weiteren Kampf der Zwischenrundengruppe C konnte die gastgebende KSK Neuss mit dem 20:18 Erfolg gegen den FC Erzgebirge Aue seine beiden ersten Zähler erringen und in der Tabelle mit dem Gegner gleichziehen. Ausschlaggebend für den ersten Sieg waren 6 Siege in den 10 Einzelkämpfen. Der kommende Gegner des SV Germania Weingarten konnte seine derzeit gute Form aus der Vorwoche, als man bei der RWG Mömbris-Königshofen lediglich mit 17:20 Punkten verlor, abermals unter Beweis stellen.
In der Gruppe A entledigten sich die beiden ersatzgeschwächt angetretenen KSV Witten und SV Siegfried Hallbergmoos ihren Pflichtaufgaben und gewannen ihre Heimkämpfe. Während der KSV Witten der KG Frankfurt (O) Eisenhüttenstadt mit 24:8 Punkten deutlich das Nachsehen gab, mühte sich der SVS Hallbergmoos, der ebenfalls wie der SV Germania Weingarten derzeit auf einige seiner ausländischen Gastringer verzichten muss, zu einem knappen 20:18 Sieg gegen den TSV Dewangen. Die Entscheidung über den Halbfinaleinzug dürfte aber ohnehin zugunsten des KSV Witten gefallen sein, der sich nach einem 25:12 Heimsieg im Rückkampf vor einer Woche beim SVS Hallbergmoos lediglich mit 11:22 Punkten geschlagen geben musste. Witten konnte sich somit im direkten Vergleich mit den Bajuwaren mit insgesamt 2 Zählern Vorsprung durchsetzen.
In der Zwischenrundengruppe B war bereits ebenfalls bereits vor einer Woche die Entscheidung im direkten Vergleich mit dem SC Anger gefallen. Der KSV Köllerbach ließ bei seinem 32:8 Heimsieg gegen den KFC Leipzig nichts mehr anbrennen und beseitigte letzte Zweifel am Einzug in die Vorschlussrunde. Im zweiten Kampf dieser Gruppe behielt der ersatzgeschwächt angetretene SC Anger beim 20:19 gegen den KSV Ketsch nur denkbar knapp die Oberhand.
Der bereits für das Halbfinale qualifizierte amtierende deutsche Meister 1. Luckenwalder SC hatte am vergangenen Wochenende bedingt durch den Rückzug des VfK Schifferstadt aus der 1. Bundesliga kampffrei. Dem KSV Aalen gelang in einem sportlich bedeutungslosen Kampf ein 24:12 Auswärtssieg beim SV Wacker Burghausen. Mit diesem Erfolg in ihrem Saison-Abschlusskampf konnte die Mannschaft von der Ostalb ihr Punktekonto mit insgesamt 4:4 Zählern ausgleichen. In der Abschlusstabelle der Gruppe D belegt der KSV Aalen somit einen guten 2. Platz hinter dem 1. Luckenwalder SC, der am kommenden Wochenende die Gruppe D mit dem Kampf gegen den SV Wacker Burghausen abschließt.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.