
von Wieland Mößner
18. Januar 2007
Im vierten Kampf in der Zwischenrundengruppe C, der gleichzeitig den Rückrundenauftakt einläutete, empfing der SV Germania 04 Weingarten den FC Erzgebirge Aue, dem er bereits zum zweiten Male binnen einer Woche gegenüber stand. Der nordbadische Vorzeigeverein musste mit den vier ungarischen Spitzenringern Arpad Ritter, Sandor Bardosi, Andras Horvath und Tibor Olah, dem tschechischen Schwergewichtler David Vala, dem rumänischen Weltergewichtler Szabolcz Laszlo sowie dem bulgarischen WM-Dritten von 2006, Kaloian Dinchev, auf sage und schreibe sieben Stammkräfte verzichten. Die genannten Nationalmannschaftsringer nahmen entweder an Vorbereitungslehrgängen ihrer jeweiligen Landesverbände oder an nationalen Meisterschaften teil und erhielten für diesen eminent wichtigen Zwischenrundenkampf von den Verbandsoberen keine Freigabe.
Die Verantwortlichen des SVG Weingarten wussten in Anbetracht der dargelegten Aufstellungsprobleme um die Schwere der Aufgabe, waren aber dennoch zuversichtlich, eine schlagkräftige Mannschaft gegen das sympathische Team aus dem Erzgebirge auf die Beine stellen zu können, wenngleich nicht zu verhindern war, dass zwei Gewichtsklassen mit Ringern aus der 2. Mannschaft besetzt werden mussten. Zu seinem mittlerweile vierten Einsatz in der 1. Bundesliga kam der junge Eric Ritter, der im Auftaktkampf der großen Nachwuchshoffnung des Gegners, Pierre Vierling gegenüber stand. Die einkalkulierte überhöhte Punktniederlage war aber trotz aller Anstrengungen und seines enormen kämpferischen Einsatzes unabwendbar. Der Bulgare Nicolaj Chterev enttäuschte im Schwergewichtskampf gegen den 25 kg schwereren mehrfachen deutschen Meister Nico Schmidt keineswegs und stand im zweiten Abschnitt sogar kurz vor dem Gewinn der Runde, musste sich aber letztlich aufgrund der größeren Erfahrung seines Widersachers mit 0:3 Runden geschlagen geben.
Die Aufholjagd leitete der langjährige Weingartener Siegringer Ghenadie Tulbea ein, der gegen den Tschechen Jan Hocko, gegen den er sich vor Wochenfrist noch eine Niederlage im ungeliebten griechisch-römischen Stil einhandelte, großes technisches Können demonstrierte. Mit zahlreichen blitzsauberen Aktionen besiegte er seinen überforderten Kontrahenten überhöht mit 6:0, 6:0 und 7:0 Punkten. Der aus taktischen Gründen ins Halbschwergewicht aufgerückte René Zimmermann behielt gegen den ca. 12 kg schwereren Ronny Wenger klar in drei Runden die Oberhand und sorgte mit seinem Sieg für den 7:7 Ausgleich. Der Rumäne Andrei Nohai überzeugte gegen Björn Schöniger und konnte die Begegnung trotz eines anfänglichen 0:3 Punkterückstandes im 1. Kampfabschnitt mit 3:0 Runden gewinnen. Mit einem 10:7 Vorsprung aus Sicht des SV Germania Weingarten ging es in die 25minütige Kampfpause.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam es wiederum zum Kräftemessen zwischen Dennis Blum und Selami Akosman, dem der Weingartener Freistil-Mittelgewichtler im Hinkampf denkbar knapp in 5 Runden unterlegen war. Nach dem Gewinn der ersten beiden Kampfrunden hatte es den Anschein als könne der Haslocher erfolgreich Revanche für die Niederlage vor einer Woche nehmen. Die folgenden 3 Runden gingen aber wiederum an den erfahrenen Kämpfer aus Aue, dem somit bereits zum zweiten Male das Kunststück gelungen ist, einen klaren Rückstand aufzuholen und den selben Gegner wiederum knapp in fünf Runden zu bezwingen. Leichtgewichtler Olaf Bock ließ gegen Axel Frommhold nichts anbrennen und wiederholte mit einem deutlichen 7:0, 2:0, 2:0 seinen Erfolg vor Wochenfrist.
Seine Bundesligapremiere gab der in der 2. Mannschaft ringende Donat Teksözlü, der in den letzten Tagen ca. 6 kg Gewicht reduzierte und sich in den Dienst der Mannschaft stellte. Gegen den ehemaligen WM-Dritten aus der Slowakei, Attila Batky, hatte er allerdings eine undankbare Aufgabe zu bewältigen. Folgerichtig musste er gegen seinen technisch versierten und international erfahrenen Kontrahenten erwartungsgemäß eine deutliche 0:7, 0:6, 0:7 Niederlage hinnehmen, die ihm aber sicherlich Mut und Zuversicht für anstehende Aufgaben in seiner weiteren Zukunft geben sollten. Der letztjährige Topscorer Sergios Solontkis konnte sich im klassischen Weltergewicht abermals gegen Tony Selle durchsetzen und ließ einen ungefährdeten 3:0 Sieg folgen, der vor dem Abschlußkampf den 18:14 Zwischenstand aus Sicht der Germanen herstellte.
Adrian Mazan fand gegen den Slowaken Stefan Fernyak diesmal nicht die richtige Einstellung und konnte seinen Erfolg aus der Vorwoche nicht wiederholen. Der auf eine 15jährige internationale Laufbahn zurück blickende Fernyak konnte sich verdientermaßen mit 1:0, 1:0 und 2:1 behaupten und verkürzte somit zum Endstand von 18:17 für den gastgebenden SV Germania Weingarten, der mit diesem hauchdünnen Erfolg und nunmehr 8:0 Punkten seine Spitzenposition in der Zwischenrundengruppe C verteidigte und weiterhin in dieser Saison ungeschlagen bleibt.
In einem weiteren Kampf in der Gruppe C besiegte der nächste Gegner der "Walzbach-Staffel", die RWG Mömbris-Königshofen, den KSK Neuss mit 20:17 Punkten und erhielt sich mit einem Punktekonto von 6:2 Zählern seine Chancen auf den Halbfinaleinzug. Das am kommenden Wochenende anstehende Aufeinandertreffen in Schimborn zwischen der gastgebenden RWG Mömbris-Königshofen und dem SV Germania Weingarten wird letztendlich Aufschluss darüber geben, welche der beiden Mannschaften in die Vorschlussrunde um die Deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft einzieht.
In der Gruppe A stoppte die unnötige Disqualifikationsniederlage von Freistil-Mittelgewichtler Felix Polianidis die bis dahin erfolgreiche Aufholjagd gegen den mehrfachen deutschen Meister KSV Witten. Am Ende stand zwar ein 22:11 Erfolg für den SV Siegfried Hallbergmoos zu Buche, die 12:25 Niederlage aus dem Hinkampf erwies sich aber dennoch als zu große Hypothek. Dem KSV Witten dürfte die angestrebte Halbfinalteilnahme trotz der erlittenen hohen Niederlage kaum mehr zu nehmen sein.
In der Zwischenrundengruppe B musste sich der KSV Köllerbach zwar beim SC Anger mit 18:21 Punkten geschlagen geben, der deutliche 28:9 Erfolg aus der Vorwoche war jedoch von den Bayern nicht mehr zu egalisieren. Der nordbadische KSV Ketsch landete mit einem 27:10 Sieg gegen den KFC Leipzig seinen zweiten Erfolg in der Zwischenrunde und wird diese Gruppe voraussichtlich als Tabellendritter abschließen.
In der Gruppe D erzielte der amtierende deutsche Meister 1. Luckenwalder SC beim KSV Aalen einen standesgemäßen Sieg und machte somit den Einzug ins Halbfinale perfekt. Beim achtmaligen deutschen Meister von der Ostalb gelang dem Verein aus Brandenburg ein 20:15 Auswärtserfolg, wodurch man mit inzwischen 8:0 Punkten verlustpunktfrei blieb. Der SV Wacker Burghausen war am vergangenen Wochenende kampffrei, da der VfK Schifferstadt bekanntlich laut Beschluss des Deutschen Ringerbundes aus der Bundesliga und somit aus der Endrunde 2006/2007 ausschied.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.