
von Wieland Mößner
12. Januar 2007
In seinem dritten Kampf in der Zwischenrundengruppe C musste der SV Germania 04 Weingarten zum FC Erzgebirge Aue reisen, der in der abgelaufenen Punkterunde in der 1. Bundesliga Nordost den 4. Platz erreichte. Die Germanen konnten die Hinrunde mit einem weiteren Sieg beschließen und behielten mit insgesamt 6:0 Punkten auch weiterhin ihre blütenweiße Weste.
Der SVG Weingarten musste bei diesem Kräftemessen allerdings auf zahlreiche Stammkräfte verzichten, die an Vorbereitungslehrgängen ihrer jeweiligen Nationalmannschaften für die anstehenden internationalen Meisterschaften und Turniere teilnahmen und am vergangenen Wochenende daher nicht zur Verfügung standen. Der von der Gewichtsreduktion geschwächte Marcel Ewald konnte zum Auftakt der Begegnung gegen den jungen Pierre Vierling zwar nicht seine gewohnte Leistung abrufen, überzeugte aber wiederum mit großem kämpferischen Einsatz und behielt verdientermaßen in 4 Runden die Oberhand. Im Schwergewicht des griechisch-römischen Stils hatte sich der mehrfache tschechische Meister David Vala mit dem amtierenden deutschen Titelträger Nico Schmidt auseinander zu setzen, der vor der Saison vom KSV Witten nach Aue wechselte. In einem ausgeglichenen Kampf setzte sich der einheimische Ringer dank konditioneller Vorteile knapp in 5 Runden durch.
Das langjährige Weingartener Aushängeschild Ghenadie Tulbea sprang kurzfristig für den vom ungarischen Verband nicht freigestellten Tibor Olah ein und stand im ungewohnten griechisch-römischen Stil dem Tschechen Jan Hocko gegenüber. Der ehemalige Vize-Weltmeister im Freistil kämpfte zwar aufopferungsvoll, konnte in der ungeliebten Stilart eine 1:3 Niederlage, die von den Verantwortlichen durchaus einkalkuliert war, allerdings nicht verhindern. Im anschließenden Vergleich im Halbschwergewicht konnte der junge Bulgare Nicolai Chterev, Junioren-EM-Siebter 2006, in seinem vierten Einsatz im SVG-Trikot seinen ersten Erfolg erzielen. Mit 3:0, 3:0 und 3:0 gab er seinem chancenlosen Gegner Ronny Wegner deutlich das Nachsehen und wußte dabei durchaus zu gefallen. Im letzten Kampf vor der Pause wies der überlegt und konzentriert zu Werke gehende Olaf Bock seinen Kontrahenten Axel Frommhold souverän in 3 Runden in die Schranken und sorgte somit für einen beruhigenden 12:7 Vorsprung aus Sicht des SV Germania Weingarten.
Die 2. Halbzeit eröffnete wiederum Mittelgewichtler René Zimmermann und sein international erfahrener Gegner Attila Batky aus der Slowakei, seines Zeichens WM-Dritter von 2003 in Créteil/Paris. Trotz eines beherzten Auftrittes gelang es dem Weingartener nicht, eine Runde zu gewinnen, so dass er sich letztendlich jeweils knapp in 3 Runden geschlagen geben musste. Der Rumäne Andrei Nohai konnte danach wieder den alten 5 Punkte-Abstand herstellen, nachdem er sich mit einigen sehenswerten Aktionen überlegen mit 3:0 Runden gegen Björn Schöniger durchsetzen konnte.
Im interessantesten und spannendsten Kampf des Abends zwischen Selami Akosman und Dennis Blum wechselte die Führung ständig, so dass zahlreiche Aktionen zustande kamen, wodurch die Zuschauer voll auf ihre Kosten kamen. Trotz einer 2:1-Führung nach Runden unterlag der Gastringer am Ende unglücklich in 5 sehenswerten Runden. Der ins Weltergewicht aufgerückte Adrian Mazan erzielte einen ungefährdeten 3:1 Erfolg gegen den mehrfachen slowakischen Landesmeister Stefan Fernyak, wodurch der Auswärtssieg bereits im vorletzten Mattenvergleich unter Dach und Fach gebracht werden konnte.
Der kurz vor einem Schultersieg stehende Sergios Solontkis beendete die Veranstaltung mit seinem abschließenden 8:2, 4:0 und 4:1 über den sichtlich überforderten Tony Selle und stellte somit den 23:14 Endstand aus Sicht des nordbadischen Gastes her. Mit dem zweiten Auswärtssieg in der laufenden Zwischenrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und inzwischen 6:0 Punkten in der Gruppe C verteidigte der SV Germania Weingarten seine günstige Ausgangsposition für den erhofften Halbfinaleinzug.
In einem weiteren Kampf der Gruppe C unterlag der gastgebende KSK Neuss, der ohne seinen Siegringer Max Schwindt antreten musste, dem ärgsten Verfolger des SVG Weingarten, der RWG Mömbris-Königshofen, deutlich mit 13:24 Punkten. Die Neusser konnten in diesem Vergleich lediglich drei Einzelsiege erzielen.
In der Gruppe A musste sich der klare Favorit auf den Gruppensieg, der SV Siegfried Hallbergmoos, völlig überraschend dem Altmeister KSV Witten mit 12:25 Punkten geschlagen geben. Der ersatzgeschwächt angetretene letztjährige Finalist aus Bayern geriet bereits in der 1. Halbzeit aussichtslos ins Hintertreffen als man 3 Kämpfe in Folge jeweils mit 0:4 Punkten abgab. Nachdem zunächst der lettische Schwergewichtler Mindaugas Mizgaitis jeweils dreimal mit 1:1 gegen das Wittener Eigengewächs Mirko Englich verlor, wurde anschließend der Aserbaidschaner Lernik Vanjan im ungeliebten griechisch-römischen Stil nach einem Regelverstoß in der 4. Runde gegen Alexander Kostadinov disqualifiziert. Danach ging der polnische Meister Bartolomiej Bartnicki trotz hoher Führung gegen seinen Landsmann Tomasz Janiszewski auf die Schultern und schließlich hatte der ungarische Siegringer Gergö Wöller 100g Übergewicht in seinem Kampf gegen den Georgier Akaki Kuntchulia. Nach der Pause mussten die Hallbergmooser durch Ersatzringer Ergün Aydin, der sich dem Polen Sylvester Charzewski erwartungsgemäß überhöht beugen musste, ihre vierte 0:4-Niederlage in diesem Kampf hinnehmen.
Das klare Gesamtergebnis und die zumindest in der Höhe nicht einkalkulierte Niederlage war somit unabwendbar, wenngleich der SVS Hallbergmoos durch 3 Einzelsiege in der 2. Halbzeit wenigstens etwas Ergebniskosmetik und zumindest leichte Schadensbegrenzung betreiben konnte. Abzuwarten bleibt, ob es den Bayern im Rückkampf am kommenden Samstag noch gelingt, den 13 Punkte-Rückstand aufzuholen.
In der Zwischenrundengruppe B sorgte der KSV Köllerbach durch seinen deutlichen 28:9 Erfolg gegen den SC Anger für eine Vorentscheidung im Kampf um den Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Die Bayern konnten lediglich 2 Kämpfe gewinnen und waren in ihrem Auswärtskampf gegen die Saarländer nahezu chancenlos. In einer weiteren Begegnung dieser Gruppe gewann der nordbadische KSV Ketsch mit 20:16 Punkten beim KFC Leipzig, obwohl der Ketscher Siegringer Vitali Railean mit 2:3 Punkten Kai Wedekind unterlag.
In der Gruppe D setzte sich der mit vielen internationalen Stars und insgesamt 9 ausländischen Ringern angetretene 1. Luckenwalder SC mit 23:9 Punkten gegen den KSV Aalen durch und stellte mit diesem Ergebnis ebenfalls bereits vorzeitig die Weichen für den geplanten Einzug ins Halbfinale. Der VfK Schifferstadt gab unterdessen aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten und einem Defizit in Höhe von angeblich ca. 200.000,-- € unter der Woche seinen Rückzug aus dem Oberhaus bekannt. Der pfälzische Traditionsverein wurde daher satzungsgemäß aus der Gruppe D heraus genommen, so dass die bisherigen Kämpfe des VfK Schifferstadt nicht mehr in die Wertung einfließen.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.