Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 3. Kampftag - Aalen in der Krise

von Wieland Mößner
21. September 2004


Die Finanzkrise des achtfachen deutschen Mannschaftsmeisters KSV Germania Aalen war das alles bestimmende Thema im Vorfeld des 3. Kampftages in der Ringer-Bundesliga. Unter der Woche hatte der Traditionsverein einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, dem das zuständige Amtsgericht auch zustimmte. Vor dem schweren Auswärtskampf beim letztjährigen Finalisten war man sich im Lager des SV Germania Weingarten unsicher darüber, in welcher Aufstellung der Gegner würde antreten können. Entgegen anders lauternder Prognosen von Fachleuten trat die Staffel von der Ostalb dann aber doch mit einer sehr schlagkräftigen Mannschaft an, die mit Ausnahme der beiden polnischen Ausnahmeringer Krystian Brzozowski (Olympia-Vierter in Athen in der Kategorie bis 74 kg Freistil) und Marek Sitnik (ehemaliger Militärweltmeister, Olympiateilnehmer in Athen bis 96 kg Greco) identisch war mit jener Mannschaft aus den ersten beiden Kampftagen dieser Saison. So kamen am Samstag immerhin 7 ausländische Gastringer zum Einsatz.

Schöpfte man nach dem offiziellen Wiegen Hoffnung, den KSV Aalen in dessen heimischer Greuthalle erstmals seit Bundesligazugehörigkeit bezwingen zu können, verlief der Auftakt der Auseinandersetzung dann aber alles andere als verheißungsvoll für den SV Germania Weingarten. Der amtierende Vizeweltmeister in der Gewichtsklasse bis 55 kg Freistil und größte Sieggarant der Walzbachstaffel in den vergangenen Jahren, der Moldawier Ghenadie Tulbea, dominierte seinen bulgarischen Widersacher Radoslav Velikov in der ersten Kampfhälfte zwar mit 4:0 Punkten, erlitt im zweiten Kampfabschnitt dann jedoch einen Kreislaufkollaps und verlor entscheidend auf Schultern. Bezeichnend für die intakte Moral und den tollen Kampfgeist in der Weingartener Mannschaft war, dass man weiterhin an seine Siegchance geglaubt und jeder einzelne Ringer aufopferungsvoll für den anderen gekämpft hat. Lag man zur Pause noch mit 6:8 Punkten in Rückstand, erzielten Sven Lay (5:4 gegen den Griechen Manolis Sotiriadis), Feti Karakas (9:0 gegen Romanos Martidis) sowie Stefan Kraft (4:0 gegen den stilartfremd ringenden Mijo Prigorec) wichtige Siege, die letztendlich den Ausschlag für den überzeugenden und sicherlich überraschenden Gesamterfolg ergaben. Der technische Überlegenheitssieg des ungarischen Neuzugangs Bela Kalo über Markus Weinschenk aus der 2. Mannschaft der Gastgeber und der 3:0 Punktsieg des Siegringers Michael Böh über den Ex-Wiesentaler und Berghausener Vlatseslav Giali sowie die knappen Niederlagen von Christian Graupeter, Andras Horvath, Dennis Blum und Martin Siddiqui trugen ebenfalls maßgeblich zu diesem äußerst wertvollen und für den weiteren Saisonverlauf möglicherweise noch wichtigen 13:12 Auswärtssieg bei.

Wie es beim KSV Aalen weitergeht, steht auch nach diesem für die Germanen so denkwürdigen Kampf in den Sternen. Nach Aussage des Ulmer Insolvenzverwalters Michael Pluta wird eine einvernehmliche Lösung mit den Finanzbehörden angestrebt, um das sportliche Überleben des schwäbischen Traditionsvereins zu sichern. In einem Fernsehinterview erklärte der Jurist, dass die Altschulden momentan im laufenden Insolvenzverfahren eingefroren seien und dass der Verein mit den vorhandenen Finanzmitteln die Runde bestreiten könne. Der bulgarische Weltklasseringer Arcadie Tzopas brachte in „Sport im Dritten“ zum Ausdruck, dass die Mannschaft auf jeden Fall geschlossen Bereitschaft signalisiert hat, vorläufig weiter zu machen.

In den Begegnungen KSV Ketsch gegen KSV Köllerbach und SV Siegfried Hallbergmoos gegen VfK Schifferstadt setzten sich jeweils die klar favorisierten Gastmannschaften durch. Einen knappen Ausgang nahm der Kampf zwischen TuS Adelhausen und SC Anger, wo der Gastgeber letztlich knapp, aber nicht unverdient, mit 15,5:15 Punkten die Oberhand behielt.


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