Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 2. Kampftag in der Zwischenrunde um die Deutsche Ringer-Mannschafts-Meisterschaft

von Wieland Mößner
21. Dezember 2006


Der SV Germania 04 Weingarten empfing zum 2. Kampf in der Zwischenrunde den vermeintlichen Hauptkonkurrenten um den anvisierten Einzug in das Halbfinale um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft, die RWG Mömbris-Königshofen, in der Untergrombacher Mehrzweckhalle. Die Mannschaft vom Spessart verbaute der "Walzbach-Staffel" in der vergangenen Saison dieses Ziel in den beiden damaligen Viertelfinal-Auseinandersetzungen bekanntlich nur um Haaresbreite. In dieser Runde blieb die Mannschaft von Trainer Frank Heinzelbecker mit Ausnahme des Langzeitausfalls Florin Gavrila im Gegensatz zum Vorjahr von Verletzungen weitgehend verschont, so dass man diesmal als eindeutiger Favorit in die Begegnung mit den Mainfranken ging.

Zum Auftakt hatte sich Marcel Ewald mit dem griechisch-römisch-Spezialisten Tahir Zaidov aus Aserbaidschan auseinander zu setzen, der mit einem Armzug zwar die ersten 3 Punkte erringen konnte, in der Folgezeit aber chancenlos war. Dennoch gereichte Zaidov diese Wertung, um den knappen Vorsprung zu verteidigen, womit er den Gewinn der 1. Runde verbuchen konnte. Am Ende des Vergleichs obsiegte der Freistilspezialist Ewald mit insgesamt 14:3 Wertungspunkten verdientermaßen mit 3:1 Runden und sorgte somit für einen verheißungsvollen Beginn aus Sicht des Gastgebers. Schwergewichtler David Vala durfte wieder in der gewohnten klassischen Stilart antreten und beherrschte den ca. 20 kg leichteren Klaus Schmitt nach Belieben. Nach furiosen ersten Kampfminuten mit einigen sehenswerten Aktionen versäumte er es in der 3. Runde allerdings ganz knapp, seinen überforderten Gegner überhöht zu besiegen. Trotz 17:0 Wertungspunkten musste er sich mit einem 3:0 Sieg begnügen, wobei dieses Ergebnis seinem Widersacher noch schmeichelte.

Der diesjährige WM-Fünfte im Fliegengewicht, Tibor Olah aus Ungarn, trat im Bantamgewicht gegen den jungen Benjamin Hoffmann an und hatte in diesem Kampf wesentlich mehr Mühe als erwartet, zumal ihn weiterhin eine hartnäckige Schulterverletzung plagt und an der Durchführung bestimmter Aktionen hindert. Dennoch konnte er einen letztlich ungefährdeten 3:1 Punktsieg erzielen, wenngleich er sich im 2. Abschnitt kurzzeitig überraschen ließ und dadurch diese Kampfrunde seinem Gegenüber überlassen musste. Der eine Gewichtsklasse ins Halbschwergewicht aufgerückte Dennis Blum mühte sich redlich und wusste durchaus zu überzeugen, dennoch konnte er eine 0:3 Niederlage gegen den 12 kg schwereren bekannten bulgarischen Spitzenringer Plamen Paskalev nicht verhindern. Im anschließenden Duell im Freistil-Leichtgewicht stand Olaf Bock dem Mömbriser Siegringer Thorsten Dominik gegenüber, dem in der Vorsaison das Kunststück gelang, das Weingartener Aushängeschild Ghenadie Tulbea zu besiegen. In diesem spannenden, ausgeglichenen und von der Taktik geprägten Kampf, musste sich Bock nach gewonnener 1. Runde Dominik letztlich doch mit 1:3 Runden geschlagen geben. Durch die beiden Siege in den zwei Kämpfen vor der Pause konnte der Gast zur Halbzeit auf 8:10 Punkte verkürzen.

Mittelgewichtler René Zimmermann eröffnete die 2. Halbzeit mit dem Vergleich gegen das Mömbriser Eigengewächs Michael Carl und zeigte sowohl im Standkampf als auch im Bodenkampf, dass er jederzeit Herr der Lage war. Mit einigen "Durchdrehern" feierte er einen in dieser Höhe nicht unbedingt erwarteten 5:0, 3:0, 1:1 Erfolg, der seiner Mannschaft 3:0 Punkte bescherte. In einer zähen und von beiden Kämpfern bisweilen unsauber geführten Begegnung standen sich der Ukrainer Oleg Boikov auf Seiten des SVG Weingarten und Bengt Trageser, Sohn des Mömbriser Physiotherapeuten, Fritz Trageser, auf Seiten der Mainfranken gegenüber. Der körperlich und mental ausgelaugt wirkende Boikov fand kein geeignetes taktisches Mittel, um seine überragende Technik auszuspielen und musste seinem Gegner die Kampfrunden 1 und 4 überlassen. In der 5. Runde riskierte der ohne Konzept ringende Ukrainer bei einer Offensivaktion dann zuviel und wurde von Trageser überrascht, der zum vom Mömbriser Anhang viel umjubelten Schultersieg abschließen konnte. Beim Gast keimte nach dem Überraschungscoup des Leichtgewichtlers wieder Hoffnung auf, nachdem er seine Mannschaft wieder auf 12:13 heran brachte.

Der ungarische Freistil-Mittelgewichtler Arpad Ritter, Vize-Weltmeister von 2005 und 2facher Europameister im Weltergewicht, wetzte diese Scharte aber postwendend aus. Mit zahlreichen technisch sehenswerten Aktionen punktete der Konterringer kontinuierlich gegen Felix Wissel und erzielte vor den Augen seiner Lebensgefährtin Diletta Giampiccolo, Vize-Weltmeisterin von 2001 und Trainerin der italienischen Ringer-Nationalmannschaft der Frauen, in der 3. Runde nach deutlichem Vorsprung einen wichtigen Schultersieg, der gerade zur richtigen Zeit kam. Topscorer Szabolcz Laszlo landete anschließend einen ebenso bedeutsamen wie überraschenden 3:0 Punktsieg gegen den enttäuschenden Mömbriser Nationalmannschaftsringer Peter Weisenberger und stellte somit die Weichen endgültig auf Sieg. Im Abschlußkampf des Abends beherrschte der in dieser Saison zum zweiten Male eingesetzte Grieche Sergios Solontkis seinen Kontrahenten Philipp Wissel nach Belieben und ließ einen 6:0, 2:0, 3:0 Sieg folgen, womit das Endergebnis von 23:12 Punkten für den SV Germania Weingarten hergestellt war.

Mit dem deutlichen Erfolg gegen die Mannschaft vom Spessart verschaffte sich der SV Germania 04 Weingarten eine hervorragende Ausgangsposition für die weiteren Zwischenrundenkämpfe sowie für die Realisierung des Ziels, erstmals in der Vereinsgeschichte das Halbfinale um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft zu erreichen. Sollte die Mannschaft von größerem Verletzungspech verschont bleiben, ist ihr im weiteren Saisonverlauf sicherlich noch einiges zuzutrauen, wenngleich das Team in der Rückrunde insgesamt etwas schwächer aufgestellt ist. Die Verantwortlichen beim SVG Weingarten blicken den weiteren Kämpfen gegen den FC Erzgebirge Aue am 06.01. sowie am 13.01.2007, bei der RWG Mömbris-Königshofen am 20.01.2007 und gegen KSK Neuss am 27.01.2007 aber dennoch mit großer Zuversicht entgegen.

In einem weiteren Kampf der Zwischenrundengruppe C gewann der FC Erzgebirge Aue überraschend mit 20:17 gegen den KSK Neuss, der allerdings ohne seine beiden Siegringer Max Schwindt (laboriert an den Folgen seiner Bandscheibenprobleme) und Salvatore Rinella antrat. In der Gruppe A kam es zu den erwarteten Favoritensiegen durch den KSV Witten, der sich mit 29:8 bei der KG Frankfurt (O)/Eisenhüttenstadt behauptete und durch den SV Siegfried Hallbergmoos, der sich mit 27:12 beim TSV Dewangen durchsetzen konnte. In den beiden Vergleichen am 06.01. und am 13.01.2007 zwischen dem KSV Witten und dem SVS Hallbergmoos geht es um den Gruppensieg und den damit verbundenen Einzug ins Halbfinale.

In der Gruppe B behielt der KSV Köllerbach mit 30:6 Punkten beim KFC Leipzig die Oberhand und bewahrte weiterhin seine blütenweiße Weste wie der SC Anger, der den Vergleich beim KSV Ketsch ebenfalls erwartungsgemäß mit 21:14 gewann. Auch in dieser Gruppe kommt es am 06.01. sowie am 13.01.2006 zu den beiden vorentscheidenden Vergleichen um den Gruppensieg.

In der Gruppe D sorgte der VfK Schifferstadt für ein unerfreuliches Novum in der Geschichte der Ringer-Bundesliga, da er zum fälligen Zwischenrundenkampf beim amtierenden deutschen Meister 1. Luckenwalder SC nicht antrat und somit für einen Eklat sorgte. Den zehnmaligen deutschen Mannschafts-Meister erwartet nun eine empfindliche Geldstrafe seitens des Deutschen Ringer Bundes sowie die vom Gastgeber geltend gemachte Erstattung der Auslagen, u. a. für die für diesen Kampf verpflichteten Ringer sowie für die angefallenen sonstigen Kosten. Der nicht ausgetragene Zwischenrundenkampf wird mit 40:0 Punkten für den 1. Luckenwalder SC gewertet.

In einem weiteren Kampf der Zwischenrundengruppe D besiegte der KSV Aalen den ersatzgeschwächt ohne drei Stammringer angetretenen SV Wacker Burghausen mit 28:6 Punkten. Die bayerischen Gäste konnten durch den Bulgaren Mihail Petrov Ganev im Freistil-Weltergewicht und den Ungarn Peter Bacsi im Mittelgewicht des griechisch-römischen Stils lediglich 2 Einzelsiege erringen. Auch in dieser Gruppe fällt die Entscheidung um den Gruppensieg am 06.01. sowie am 13.01.2007 zwischen dem klaren Außenseiter KSV Aalen und dem 1. Luckenwalder SC.


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