Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 9. Kampftag in der 1. Ringer-Bundesliga Südwest

von Wieland Mößner
29. November 2006


In seinem 5. Saison-Heimkampf hatte sich der SV Germania 04 Weingarten als ungeschlagener Tabellenführer der 1. Bundesliga-Südwest mit der RKG Freiburg 2000 auseinander zu setzen. Den südbadischen Traditionsverein ereilte in dieser Saison großes Verletzungspech, weshalb man um den Einzug in die Endrundengruppenphase wider Erwarten bangen muss. Trainer Karl Hug musste nacheinander die Ausfälle von Arthur Kratz, Viktor Reh sowie zu Saisonbeginn auch von Leistungsträger Eduard Kratz verkraften, was infolge der dünnen Personaldecke nicht kompensiert werden konnte. Mit Jury Witt gesellte sich vor wenigen Wochen ein weiterer Freiburger Leistungsträger in den Krankenstand. Zu allem Überfluss verletzte sich der erst kürzlich genesene Viktor Reh bei seinem Kampf in der vergangenen Woche gegen den Aalener David Bichinashvili wiederum schwer an den Außenbändern, was das Saisonende des Ringers zur Folge haben dürfte. Trotz dieser schlechten Vorzeichen gelang es den Freiburgern, eine komplette Mannschaft auf die Weingartener Matte zu schicken.

Den Auftaktkampf bestritt wiederum der erst 14jährige Eric Ritter, der somit zu seinem dritten Bundesligaeinsatz kam. Dem ehemaligen deutschen Juniorenmeister Manuel Krämer konnte er selbstredend noch nicht Paroli bieten und so musste sich der Youngster seinem Gegenüber, der über einige Bundesligaerfahrung verfügt, vorzeitig mit 0:7, 0:6, 0:7 Punkten geschlagen geben. Der ins Schwergewicht aufgerückte Mittelgewichtler Arpad Ritter setzte sich anschließend dank seiner Routine und Cleverness trotz des Verlustes der 3. Kampfrunde abermals gegen den 12 kg schwereren Georgier Zwiad Sisauri mit 3:1 Punkten durch.

Im interessanten und ewig reizvollen Bruderduell behielt der WM- und EM-Starter Marcel Ewald erwartungsgemäß in 4 Runden die Oberhand gegen den vor der Saison vom KSV Berghausen zur RKG Freiburg 2000 gewechselten Christoph Ewald.

Der vor Rundenbeginn von der KG Frankfurt (O.) Eisenhüttenstadt verpflichtete DM-Dritte von 2005, Andreas Mickeley, stand lange im Stau und kam erst eine Stunde nach dem offiziellen Wiegen in der Weingartener Walzbachhalle an. Der Ringer warb in Anbetracht der sehr kurzen Vorbereitungszeit beim Referee und beim Gastgeber um Verständnis und bat um Verlegung seines Kampfes an das Ende der Bundesligabegegnung. Der Kampfleiter und die Verantwortlichen des SVG Weingarten entsprachen dem Wunsch von Mickeley, so dass der Ukrainer Oleg Boikov und Nationalmannschaftsringer Eduard Kratz den Schlusspunkt vor der Pause setzten. In einem verbissen und mit offenem Visier ausgetragenen Vergleich setzte sich Kratz nicht zuletzt dank der wesentlich höheren Einzelwertungen mit insgesamt 15:4 Punkten verdientermaßen mit 3:2 Runden gegen den ausgelaugt wirkenden Ukrainer durch, der damit seine erste Niederlage im Trikot des SV Germania Weingarten hinnehmen musste. Mit einem Rückstand von 8:9 Punkten ging es in die 20minütige Halbzeitpause.

Unmittelbar nach der Pause brachte der in dieser Saison noch unbesiegte Freistil-Mittelgewichtler Dennis Blum mit seinem ungefährdeten 3:0, 2:0, 1:0 Punktsieg gegen den Freiburger Co-Trainer Tim Hübner, der als Ersatzmann für den verletzten Viktor Reh einsprang, seine Mannschaft erstmalig mit 11:9 in Führung. Mit dem in dieser Höhe nicht erwarteten 3:0 Sieg des quirligen Norman Lübke über den diesjährigen Weingartener Neuzugang vom 1. Luckenwalder SC, Olaf Bock, eroberten die Gäste diese dann zum Zwischenstand von 12:11 nach 6 Kämpfen prompt wieder zurück.

In den nachfolgenden vier Mattenvergleichen waren aber fortan die Gastgeber am Zuge, die sich keinen weiteren Rundenverlust mehr erlaubten. Der verletzungsbedingten Aufgabe von Jury Witt gegen den ebenfalls in dieser Runde noch ungeschlagenen René Zimmermann folgte der Auftritt des Weingartener Publikumslieblings Andras Horvath, der den Rumänen Constantin Matei mit 3:0, 2:0 und 3:0 klar in seine Schranken wies. Der bislang beste Weingartener Punktesammler Szabolcz Laszlo ließ einen 3:0 Sieg gegen den überforderten Axel Sutter folgen, ehe das ungarische Aushängeschild in Diensten des SV Germania Weingarten, der WM-Dritte von Budapest 2005, Sandor Bardosi, im Halbschwergewicht seinen Kontrahenten Andreas Mickeley mit 2:1, 5:1 und 2:1 zum Endstand von 24:12 aus Sicht des Gastgebers bezwingen konnte.

Mit dem deutlichen Erfolg im Badenderby landete die "Walzbach-Staffel" im neunten Saisonkampf den neunten Sieg und behauptete damit erfolgreich seine Tabellenführung, die der Verein bereits seit dem 1. Kampftag innehat. Am kommenden Samstag geht es im Auswärtskampf beim Tabellenzweiten KSV Aalen 05, dessen Punktekonto 16:2 Zähler ausweist, um die Verteidigung des 1. Platzes, also folglich um den Gruppensieg in der 1. Bundesliga Südwest. Die Ausgangsposition des SV Germania Weingarten nach dem eindrucksvollen 27:11 Erfolg aus dem Hinkampf Mitte Oktober ist äußerst viel versprechend, da man ein Polster von 16 Punkten in den Rückkampf mitnimmt. Sollte der Gruppensieg am kommenden Samstag realisiert werden können, gingen die Germanen in der Endrunde den anderen Gruppenersten 1. Luckenwalder SC, SV Siegfried Hallbergmoos und dem KSV Köllerbach vorläufig aus dem Wege.

In zwei weiteren Begegnungen des 9. Kampftages in der 1. Bundesliga Südwest bezwang der TSV Dewangen den AB Aichhalden im württembergischen Vergleich deutlich mit 26:8 Punkten, während der KSV Aalen 05 einen wichtigen 24:12 Auswärtssieg beim bereits für die Endrunde qualifizierten nordbadischen Vertreter KSV Ketsch erzielen konnte. Dabei unterlag der gerade zum "Ringer des Jahres" gekürte Stefan Kehrer auch aufgrund eines beträchtlichen Gewichtsunterschiedes dem diesjährigen EM-Dritten Daniel Chintoan-Rares aus Rumänien mit 3:10, 1:1, 1:5 und 0:2 unerwartet hoch in 4 Runden. Das Endergebnis hatte jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Tabelle, da der 3. Tabellenplatz des KSV Ketsch bis zum Vorrundenende Bestand hat. Im entscheidenden Kampf um den 4. Endrundenplatz stehen sich am Samstag die RKG Freiburg 2000 und der punktgleiche TSV Dewangen gegenüber.

In der 1. Bundesliga Südwest landete der KSV Witten, bei dem der Grieche Amiran Karntanov seinen Einstand gab, einen hohen 27:8 Sieg gegen die ebenfalls für die Endrunde qualifizierte KSK Konkordia Neuss. Der KSV Köllerbach setzte sich erwartungsgemäß mit 26:11 Punkten gegen den pfälzischen Rekordmeister VfK Schifferstadt durch und überließ dem Gegner lediglich 3 Einzelsiege durch Kiril Terziev (3:2 Sieger gegen Ivan Deliverski), Emzarios Bedinidis (3:0 gegen Patrick Loes) und David Otiashvili (3:1 gegen den Bulgaren Dimitar Kumchev).

In der 1. Bundesliga Südost blieb der SVS Hallbergmoos weiterhin unbesiegt. Beim 20:12 Sieg gegen das Tabellenschlusslicht SC Siegfried Kleinostheim kamen zahlreiche Ringer aus der 2. Mannschaft zum Einsatz, was dennoch zum klaren Erfolg gereichte. Aufhorchen ließ der SV Wacker Burghausen mit seinem zumindest in dieser Höhe nicht erwarteten 22:13 Auswärtssieg beim letztjährigen Halbfinalisten, der RWG Mömbris-Königshofen. Dem Gast gelangen dabei 7 Einzelsiege, was für die bevorstehende Endrunde viel Gutes verheißt.

In der 1. Bundesliga Nordost erhöhte der mit 7 deutschen Ringern angetretene 1. Luckenwalder SC mit einem 26:8 Erfolg beim KFC Leipzig sein Punktekonto auf 18:0 Zähler. Am letzten Kampftag kämpfen die restlichen 5 Mannschaften noch um 3 zu vergebende Endrundentickets.


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