Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 8. Kampftag in der 1. Ringer-Bundesliga Südwest sowie Nachholbegegnung des 7. Kampftages gegen den KSV Ketsch

von Wieland Mößner
22. November 2006


Am vergangenen Freitag empfing der gastgebende SV Germania 04 Weingarten den Aufsteiger KSV Ketsch zu seinem vierten Saison-Heimkampf in der Walzbachhalle. Der nordbadischen Überraschungsmannschaft war es im bisherigen Saisonverlauf gelungen, sowohl die RKG Freiburg 2000 als auch den TSV Dewangen zweimal zu besiegen. Die Verantwortlichen des SV Germania Weingarten wussten daher um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe und begingen in Anbetracht der vorliegenden Fakten nicht den Fehler, den Gegner zu unterschätzen. Die Ketscher hatten sich vor der Runde mit den international bekannten Ringern Dariusz Jablonski (Polen, Weltmeister 2003), Vitalie Railean sowie dem Ex-Germanen Kai Dittrich namhaft verstärkt und somit für einiges Aufsehen in der Ringerszene gesorgt.

Zu seinem zweiten Einsatz in der Bundesliga-Mannschaft des SV Germania Weingarten kam der Jugendliche Eric Ritter, der zum Auftakt dem erfahrenen polnischen Ringer Piotr Jablonski gegenüber stand. Der Nachwuchsmann machte seine Sache gut und ging engagiert und ohne Angst zu Werke, eine überhöhte Niederlage konnte er natürlich selbstredend nicht vermeiden. Dennoch verdient sein vorbildliches Engagement den allerhöchsten Respekt. Der stilartfremd ringende tschechische Schwergewichtler David Vala hatte sich mit dem mehr als 20 kg leichteren diesjährigen Europameisterschafts-Dritten Stefan Kehrer auseinander zu setzen, der seinen Kontrahenten stets mit überfallartigen Beinangriffen traktierte, gegen die der Tscheche kein geeignetes Gegenmittel fand. Der Ketscher gewann den Kampf daher folgerichtig mit 3:0 Punkten.

Der bis dato unbesiegte Marcel Ewald hatte sich bei den Militär-Weltmeisterschaften in Aserbaidschan einen hartnäckigen Magen-Darm-Virus eingefangen, wodurch er einiges an Gewicht und Substanz verlor. Demzufolge konnte er gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Vitalie Railean, den er im Hinkampf mit 3:2 besiegen konnte, nicht den erforderlichen Druck ausüben und nicht so dynamisch agieren wie gewohnt, weshalb er sich seinem Widersacher verdientermaßen mit 0:3 Runden geschlagen geben musste.

Der zwischenzeitliche 0:10 Punkterückstand war in dieser Höhe zwar so nicht einkalkuliert, aber dennoch nicht Besorgnis erregend, da die Germanen aufgrund der Klasse und der individuellen Fähigkeiten der nachfolgenden Ringer zuversichtlich waren, die übrigen Einzelbegegnungen für sich entscheiden zu können. Sandor Bardosi setzte sich in einem mit Haken und Ösen geführten Kampf mit 3:1 Punkten gegen Kai Dittrich durch und der ukrainische Siegringer Oleg Boikov beendete die Auseinandersetzung gegen den deutschen Nationalmannschaftsringer Heinz Marnette mit einem sehenswerten Ausheber, welcher ihm 5 Punkte bescherte, zum ungefährdeten 3:1 Sieg. Dadurch konnte er den Rückstand der "Walzbach-Staffel" zur Pause auf 6:12 verkürzen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste der Ex-Hofer Florian Dörfler seinen Kampf gegen Dennis Blum aufgrund einer Verletzung an der Wirbelsäule aufgeben. Wie der 1. Vorsitzende von Ketsch, Achim Reister, nach Beendigung der Bundesligabegegnung verriet, war dies eine reine Vorsichtsmaßnahme, um dessen Mitwirken im wichtigen Kampf tags darauf gegen den TSV Dewangen nicht zu gefährden. Der Ex-Luckenwalder Olaf Bock zeigte im Freistil-Leichtgewicht zahlreiche sehenswerte Aktionen und legte den leicht angeschlagenen Ketscher Patrick Dominik schließlich per Beineinsteiger auf beide Schultern. Bock stellte mit diesem Erfolg sein großes technisches Vermögen unter Beweis, bescherte dem SV Germania Weingarten die erstmalige Führung in diesem Kampf und sorgte somit für grenzenlosen Jubel bei den einheimischen Anhängern. Der SVG Weingarten baute in den nachfolgenden drei Kämpfen den 14:12 Vorsprung dann kontinuierlich bis zum 23:12 Endstand aus. Der Mittelgewichtler René Zimmermann behielt gegen Marco Brenner ebenfalls mit 3:0 Punkten die Oberhand wie Andras Horvath gegen den engagiert zu Werke gehenden Deniz Topcu. Für den Endstand sorgte Topscorer Szabolcz Laszlo, der sich deutlich mit 5:2, 5:0 und 4:0 gegen Michael Kohler durchsetzen konnte.

Bereits einen Tag später musste die Mannschaft zu ihrem vierten Auswärtskampf in dieser Saison beim württembergischen Aufsteiger AB Aichhalden antreten. Auf ein Mitwirken von Eric Ritter wurde diesmal verzichtet, da er beim wichtigen Auswärtskampf der 2. Mannschaft bei der Reserve des KSV Kirrlach viel dringender benötigt wurde. Dort steuerte er drei wichtige Zähler zum ungefährdeten 19:10 Auswärtssieg bei, wodurch die Chancen weiterhin intakt bleiben, den Aufstieg in die Verbandsliga realisieren zu können. Die Gewichtsklasse bis 55 kg Greco blieb infolge dessen unbesetzt, so dass man mit einem 0:4 Rückstand den Kampf aufnahm. Im Freistil-Schwergewicht musste sich David Vala trotz des Gewinns der zweiten Kampfrunde dem Rumänen Marcel Stroja, Dritter bei den kürzlich stattgefundenen Militär-Weltmeisterschaften, letztlich mit 1:3 Runden beugen. In der 4. Runde hatte er die große Chance auf den 2:2 Ausgleich, da er das Bein seines Kontrahenten fassen durfte, was er jedoch nicht zum Rundengewinn nutzen konnte.

Anschließend konnte Marcel Ewald einen überhöhten Punktsieg gegen Tobias Schröder landen, was der Mannschaft 4 Punkte einbrachte. Der Vize-Olympiasieger von Sydney 2000 und WM-Dritte von 2005, Sandor Bardosi, fand gegen den unbequemen Patrick Schwendemann nicht die geeigneten Mittel, um entscheidend zu punkten und musste sich überraschend mit 1:3 Punkten geschlagen geben. Dem Aichhaldener gelang nach seinem 3:1 Punktsieg im Hinkampf gegen den amtierenden WM-Dritten Kaloian Dinchev abermals das Kunststück, einen namhaften und international mit Medaillen dekorierten Athleten zu bezwingen. Für den 9:11 Pausenstand aus Sicht des SV Germania sorgte der zuverlässige Oleg Boikov, der den gebürtigen Russen Alichan Isaev sicher mit 3:1 Runden besiegte.

Nach der Halbzeit setzte sich Mittelgewichtler Dennis Blum wie im Hinkampf mit 3:0 gegen Frank Schwab durch und sorgte somit für die erstmalige Gästeführung, die in den folgenden Vergleichen weiter ausgebaut werden konnte. Olaf Bock gewann gegen Jörg Niemann deutlich mit 6:0, 1:0, 1:0, bevor die griechisch-römisch-Fraktion mit René Zimmermann (3:0 gegen den von der RKG Freiburg 2000 verpflichteten Alexander Heit) und Andrei Nohai (3:0 gegen Steffen Blocher) auf 21:11 erhöhen konnte. Im Abschlusskampf behielt der Rumäne Szabolcz Laszlo mit seinem 4:0, 6:1 und 7:1 Erfolg gegen den überforderten Daniel Eberhardt klar die Oberhand und stellte mit seinem 8. Sieg im 8. Kampf, womit er im Trikot des SV Germania Weingarten weiterhin unbesiegt bleibt, den 24:11 Endstand her.

Mit den beiden Siegen vom vergangenen Wochenende untermauerte der SV Germania Weingarten seine klare Tabellenführung mit inzwischen 16:0 Punkten und kommt somit dem ausgegebenen Zwischenziel immer näher, den anvisierten Gruppensieg in der 1. Bundesliga Südwest zu erringen.

Der KSV Ketsch erzielte am vergangenen Samstag einen wichtigen 20:18 Sieg gegen den TSV Dewangen und machte somit den Einzug in die Endrunde endgültig perfekt. Den vierten Endrundenteilnehmer in der 1. Bundesliga Südwest ermitteln die RKG Freiburg 2000 und der TSV Dewangen im direkten Duell am letzten Vorrundenkampftag. In einer weiteren Begegnung der 1. Bundesliga Südwest bezwang der KSV Aalen 05 die RKG Freiburg 2000 mit 23:14 Punkten.

In der 1. Bundesliga West konnte der KSV Köllerbach einen in dieser Höhe nicht erwarteten 28:11 Auswärtssieg beim arg gebeutelten KSV Witten erringen. Der Gastgeber musste in diesem Kampf auf zahlreiche Leistungsträger verzichten und konnte dadurch nur wenig Gegenwehr leisten. Mit diesem Erfolg hat sich der KSV Köllerbach bereits zwei Kampftage vor dem Ende der Vorrunde den angestrebten Gruppensieg gesichert.

Der SVS Hallbergmoos steht nach dem 27:10 Auswärtserfolg bei der RKG Mömbris-Königshofen ebenfalls vorzeitig als Gruppensieger der 1. Bundesliga Südost fest wie bereits seit längerem der 1. Luckenwalder SC in der 1. Bundesliga Nordost. Am letzten Kampftag behauptete sich der brandenburgische Verein gegen die KG Frankfurt (O.)/Eisenhüttenstadt und gestattete seinem Gegner beim 33:1 Sieg lediglich einen Mannschaftspunkt.


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