Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 6. Kampftag in der 1. Ringer-Bundesliga Südwest

von Wieland Mößner
08. November 2006


Zu seinem dritten Saison-Heimkampf empfing der gastgebende SV Germania 04 Weingarten den schwäbischen Bundesliga-Aufsteiger TSV Dewangen und wollte mit einem Sieg seine unangefochtene Tabellenführung weiter ausbauen. Die mit einigen hoffnungsvollen deutschen Talenten gespickte Mannschaft von der Ostalb belegte vor diesem Kampf mit 3:7 Punkten einen von den dortigen Verantwortlichen zwar erhofften, aber nicht unbedingt erwarteten vierten Tabellenplatz, der zum Einzug in die lukrative Endrunde berechtigt. Im Dewangener Kader stehen zudem sechs polnische Ringer, die zum Großteil über einige internationale Erfahrung verfügen, weshalb man sich beim SVG Weingarten im Vorfeld der Begegnung der Schwere der Aufgabe durchaus bewusst war. Bedingt durch den anstehenden Stilartwechsel in der Rückrunde herrscht bei den einzelnen Mannschaften in der Regel auch einiges an Unsicherheiten, da sich kaum vorhersehen lässt wie die jeweiligen Ringer mit der Umstellung der Gewichtsklassen zu Recht kommen.

Nach dem langfristigen Ausfall des diesjährigen Europameisterschafts-Dritten Florin Gavrila, der an einer schweren Kreuzbandverletzung laboriert, kam der 14jährige Eric Ritter unverhofft zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Der Youngster bestand seine Feuertaufe mit Bravour und sammelte wertvolle Erfahrungen, die sich in der Zukunft noch als nützlich erweisen können. Seinem Gegenüber Paul Penner musste er sich zwar klar in drei Runden geschlagen geben, dennoch ändert diese Tatsache nichts am positiven Gesamteindruck, den der Schüler bei seinem Debüt hinterlassen hat. Anschließend stand der stilartfremd ringende 116 kg-Koloss David Vala aus Tschechien im Freistil-Schwergewichtsvergleich dem mehr als 20 kg leichteren polnischen Internationalen Mateusz Gucman gegenüber.Bei den gerade zu Ende gegangenen Militär-Weltmeisterschaften in Baku/Aserbaidschan belegte Gucman einen hervorragenden 3. Platz, fing sich dort allerdings einen Magen-Darm-Virus ein, der ihn zur schnellen Aufgabe in der 1. Kampfrunde zwang. Marcel Ewald ging ebenfalls bei den besagten Titelkämpfen an den Start und konnte mit einem 5. Platz im Fliegengewicht, der den ehrgeizigen Athleten allerdings nicht vollends zufrieden stellte, überzeugen. Am Samstag erwies sich der wieselflinke Daxlandener gegen den ehemaligen Aalener Michele Rauhut als gewiefter Taktiker, der aufmerksam auf die sich ihm bietenden Chancen wartete, die er dann auch konsequent zum klaren 3:0 Sieg nach Runden verwertete.

Der starke polnische Neuzugang beim TSV Dewangen, Marek Szustek, hinter dem für den saarländischen KSV Köllerbach ringenden Marek Sitnik die Nr. 2 seines Landes im Halbschwergewicht, siegte im Duell mit dem WM-Dritten von Guangzhou/China, Kaloian Dinchev, ungefährdet in 3 Runden und konnte zwischenzeitlich zum 7:7 ausgleichen. Der wiederum enttäuschende Bulgare, der bei seinem dritten Auftritt im SVG-Trikot bereits seinen zweiten Kampf verlor, bekommt nach den bislang gezeigten Leistungen eine längere Pause verordnet, in der er bestrebt sein wird, die vorhandenen technischen und vor allen Dingen konditionellen Defizite abzustellen. Der weiterhin unbesiegte ukrainische Ausnahmekönner Oleg Boikov zeigte wiederum einige schöne Techniken und setzte sich deutlich in 3 Runden gegen den vom AC Auerbach/Chemnitz verpflichteten Thomasz Swierk aus Polen durch.

Unmittelbar nach der Pause behielt der Haslocher Dennis Blum gegen Halil Meral deutlich die Oberhand und erhöhte auf 13:7 Punkte für seine Mannschaft. Jederzeit Herr der Lage war Adrian Mazan im Kampf gegen seinen polnischen Landsmann Lukasz Goral, den er verdientermaßen mit 3:0, 1:0 und 3:1 Punkten in seine Schranken verwies. Mehr Mühe als erwartet hatte danach der ehemalige Luckenwalder René Zimmermann, der sich harter Gegenwehr seines Pendants Michael Taylor erwehren musste. Für seine tolle Moral und sein großes Kämpferherz spricht hingegen die Tatsache, dass er den Kampf nach einem 1:2 Rückstand noch in einen 3:2 Erfolg umwandeln konnte. Auffallend war zudem, dass der Mittelgewichtler in allen fünf Runden der aktivere Ringer war, der vom Kampfrichter demzufolge auch den Vorteil zugesprochen bekam, in der Bodenlage jeweils als Erster fassen zu dürfen.

Zu seinem dritten Einsatz in dieser Saison kam der stets zuverlässige Ungar Andras Horvath, der nach dem Gewinn der ersten beiden Kampfrunden, etwas geschwächt von der Tortur der Gewichtsreduktion, unerwartet die 3. Runde gegen das 18jährige Riesentalent Lars-René Schmidt abgeben musste. In der 4. Runde fand er dann wieder zu seiner gewohnten Stärke zurück und erzielte 4:0 Zähler, was ihm letztendlich einen souveränen 3:1 Punksieg einbrachte. Im Abschlusskampf imponierte der Weingartener Topscorer Szabolcz Laszlo mit zahlreichen gelungenen Aktionen und düpierte seinen Widersacher Ronny Sauter, dem er im Hinkampf noch den Gewinn einer Kampfrunde überlassen musste, eindrucksvoll mit 5:0, 3:0 und 4:0 Punkten.

Resümierend lässt sich feststellen, dass der SV Germania Weingarten mit dem hohen 25:10 Heimsieg die Hürde TSV Dewangen letztlich doch mühelos überspringen konnte. Der "Walzbach-Staffel" ist es gelungen, den Schwung aus der Hinrunde in die Rückrunde zu transportieren, wenngleich den Experten nicht verborgen geblieben sein dürfte, dass bedingt durch den Stilartwechsel und den verletzungsbedingten Ausfall von Florin Gavrila in den Rückkämpfen allerdings auch zwei Schwachstellen im Team zu Tage getreten sind, die es in den kommenden Wochen auszumerzen gilt.

Dem nordbadischen Vertreter KSV Ketsch ist bei 5:5 Einzelsiegen abermals ein Sieg gegen die schwächelnde RKG Freiburg 2000 gelungen. Mit ausschlaggebend für den 21:16 Sieg der Gastgeber dürfte der verletzungsbedingte Ausfall von Jury Witt gewesen sein, durch welchen sich der Freiburger Trainer Karl Hug zu einigen Umstellungen gezwungen sah, die sich im Endeffekt jedoch als nicht gewinnbringend herausgestellt haben. Der KSV Aalen 05 fertigte zum Rückrundenauftakt den Außenseiter AB Aichhalden mit 29:11 Punkten ab und nimmt damit weiter Kurs auf Tabellenplatz 2.

In der 1. Bundesliga West gelang dem VfK Schifferstadt ein 20:15 Auswärtssieg bei der KSK Konkordia Neuss, wodurch der 3. Tabellenplatz gefestigt werden konnte. Der KSV Köllerbach hielt sich mit dem 31:5 Punktsieg über den saarländischen Nachbarn ASV Hüttigweiler schadlos und behielt gegenüber der pausierenden Konkurrenz aus Witten weiterhin die Tabellenführung. In der Spitzenbegegnung der 1. Bundesliga Südost gewann der SV Siegfried Hallbergmoos mit 24:17 Punkten gegen den bayerischen Rivalen SC Anger und baute die Position 1 in der Tabelle weiter aus. Der SC Anger hielt das Derby lange Zeit ausgeglichen und konnte immerhin 4 Einzelsiege erringen. In der 1. Bundesliga Nordost zieht der amtierende deutsche Meister 1. Luckenwalder SC einsam seine Kreise und steuert einem ungefährdeten Gruppensieg entgegen. Am Samstag entledigte sich der brandenburgische Verein mühelos seiner Aufgabe mit einem klaren 25:12 Auswärtssieg beim Aufsteiger RV Thalheim.


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