Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 4. Kampftag in der 1. Ringer-Bundesliga Südwest

von Wieland Mößner
02. November 2006


Der SV Germania Weingarten musste zu seinem dritten Saison-Auswärtskampf bei der RKG Freiburg 2000 antreten und wollte seine Tabellenführung, die seit dem 1. Kampftag Bestand hat, auch weiterhin behaupten. Der aus den beiden Traditionsvereinen SV Freiburg/Haslach und AV Freiburg/St. Georgen hervor gegangene Fusionsverein hatte mit 2:4 Punkten keinen wunschgemäßen Start in die diesjährige Bundesligasaison hingelegt. Zum Auftakt unterlag die vom mehrmaligen deutschen Meister Karl Hug trainierte Mannschaft überraschend dem Aufsteiger KSV Ketsch bevor beim AB Aichhalden der erste Saisonsieg glückte. In der Vorwoche mussten sich die Südbadener dann dem KSV Aalen zu Hause mit 14:24 Punkten geschlagen geben.

Bei der "Walzbach-Staffel" beging man aber selbstredend nicht den Fehler, den derzeit angeschlagenen Gegner, der weiterhin ohne seine beiden verletzten Siegringer Eduard Kratz und Viktor Reh antrat, zu unterschätzen. Für den zusammen mit Trainer Frank Heinzelbecker bei den Militär-Weltmeisterschaften in Baku/Aserbaidschan weilenden Marcel Ewald wurde daher vorsorglich ein Nachholkampf gegen seinen für Freiburg ringenden Bruder Christoph beantragt, der vom Deutschen Ringer-Bund zwischenzeitlich auch genehmigt wurde.

Nachdem das brisante Bruderduell aus den genannten Gründen ins Wasser fallen musste, bestritt der in seinem ersten Kampf im SVG-Trikot enttäuschende Bulgare Kaloian Dinchev im Schwergewicht des griechisch-römischen Stils den Auftakt zu dieser Bundesliga-Begegnung gegen den von der KG Frankfurt/Oder/Eisenhüttenstadt verpflichteten DM-Dritten von 2005, Andreas Miekeley. Dinchev, der bei den vor einigen Wochen in China stattgefundenen Ringer-Weltmeisterschaften die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 96 kg erringen konnte, steigerte sich zwar gegenüber seinem Debüt, konnte aber noch nicht vollends überzeugen. Zwei Aktionen am Boden reichten trotz passiver Ringweise aus, um die Runden 3 und 4 zu gewinnen, womit am Ende ein wichtiger 3:1 Punktsieg zu Buche stand, der dem Athleten weiteren Auftrieb und Selbstvertrauen verleihen sollte.

Der technisch versierte ungarische WM-Fünfte von Guangzhou, Tibor Olah, bezwang mit einigen sehenswerten Aktionen seinen rumänischen Gegner Florin Matei, der in der letzten Woche immerhin den Aalener Artiom Kiouregkian besiegen konnte, klar in drei Runden. Der mit einer gehörigen Portion Selbstsicherheit und Routine ausgestattete ehemalige Vize-Weltmeister im Freistil-Weltergewicht, der ungarische Ausnahmeathlet Arpad Ritter, punktete im Halbschwergewichtsvergleich gegen den Georgier Zwiad Sisauri immer dann, wenn es die jeweilige Situation erforderte. So behielt er gegen seinen gewiß nicht schlechten Widersacher verdientermaßen mit 3:0 Runden die Oberhand. Der vom Abtrainieren leicht geschwächte Adrian Mazan, der unter der Woche 5 kg Gewicht reduzierte, gab gegen die Freiburger Neuverpflichtung Norman Lübke zwar die 2. Runde ab, konnte sich aber letztlich doch in 4 engen Runden durchsetzen und zur Halbzeit auf 12:2 Punkte für seine Mannschaft erhöhen.

Die 2. Halbzeit eröffneten René Zimmermann und der ehemals für den KSV Köllerbach und den SV Siegfried Hallbergmoos kämpfende Olympia-Zehnte von Sydney 2000, Jury Witt.

Nach dem Verlust der 1. Runde erwies sich der Brandenburger als der bessere und effektivere Standkämpfer, womit er sich in den nachfolgenden Runden jeweils den Vorteil in der angeordneten Bodenlage sichern konnte. Die Runden 2, 3 und 4 konnte er dadurch für sich entscheiden und einen 3:1 Sieg gegen den sich in der Unterlage gut wehrenden Jury Witt landen.

Anschließend hatte sich der Ukrainer Oleg Boikov mit Dominik Kaufmehl, dem Bruder des Adelhausener Freistil-Spezialisten Michael, auseinander zu setzen. Der für den noch immer verletzten Eduard Kratz in die Freiburger Mannschaft gekommene Kaufmehl erwehrte sich seiner Haut so teuer wie möglich und lies nur wenige Wertungen seines übermächtigen Gegners zu. Oleg Boikov ging in diesem Kampf allerdings keinerlei unnötige Risiken ein, behielt aber stets die Übersicht und gewann schließlich unspektakulär mit 2:0, 2:1 und 4:0 Punkten. Der gewohnt zuverlässig agierende Dennis Blum entledigte sich seiner Aufgabe gegen den Freiburger Co-Trainer Tim Hübner, der letztmals für den lange Zeit verletzten Stammringer Viktor Reh einsprang, in souveräner Manier. Der Haslocher lies keine Wertung gegen sich zu und schloss seinerseits zum verdienten 3:0 Punktsieg ab, womit der SVG Weingarten seine Führung auf uneinholbare 21:3 Punkte ausbaute.

Seine ganze Klasse und sein großes technisches Vermögen demonstrierte anschließend der Weingartener Topscorer Szabolcz Laszlo, der den Grippe geschwächten Axel Sutter mit 7:1, 6:0 und 7:1 gar überhöht besiegen konnte. Im Abschlusskampf des Abends zog sich der eine Gewichtsklasse aufgerückte Andrei Nohai bei einer Wurfaktion seines rumänischen Landsmanns Constantin Matei eine schmerzhafte Lippenverletzung zu, die genäht werden musste. Beim Zwischenstand von 25:3 Punkten aus Sicht des SV Germania Weingarten, entschlossen sich die Verantwortlichen in Anbetracht der noch einige Monate andauernden Saison und im Hinblick auf die Gesundheit des Ringers, die man nicht gefährden wollte, dazu, keine unnötigen Risiken einzugehen und rieten dem Athleten zur Kampfaufgabe. Am Ende der Auseinandersetzung überließ der SVG Weingarten dem Gegner zudem kampflos 4 Punkte und verzichtete angesichts des klaren Gesamtergebnisses von 25:11 Punkten auf die Austragung des Nachholkampfes zwischen den beiden Ewald-Brüdern. Mit diesem deutlichen Auswärtserfolg festigte der SV Germania Weingarten seine klare Tabellenführung mit inzwischen 10:0 Punkten und blieb damit in der Hinrunde unbesiegt. Mit dem Heimkampf gegen den Aufsteiger TSV Dewangen am kommenden Samstag, 04. November 2006, beginnt die Rückrunde, welche die einzelnen Mannschaften bedingt durch den zu vollziehenden Stilartwechsel wieder zu den einen oder anderen Umstellungen zwingt.

In einem weiteren Kampf der 1. Bundesliga Südwest unterlag der AB Aichhalden unserem nächsten Gegner, dem TSV Dewangen, klar mit 11:25 Punkten. Die Mannschaft von der Ostalb konnte ihren ersten Saisonsieg erringen und sich am Mittwoch, den 1.11. durch ein Unentschieden im Heimkampf gegen die RKG Freiburg zum Abschluss der Hinrunde gar auf den begehrenswerten 4. Platz vorschieben.

In der 1. Bundesliga West gelang dem KSV Köllerbach ein fast schon vernichtender 28:7 Auswärtserfolg beim zwölffachen deutschen Mannschaftsrekordmeister VfK Schifferstadt. Die Saarländer konnten dabei 9 von 10 Begegnungen für sich entscheiden und lediglich der Georgier David Otiashvili rettete mit seinem 3:0 Punktsieg gegen den Bulgaren Dimitar Kumchev die Ehre des Pfälzer Traditionsvereins, bei dem allmählich die Lichter auszugehen scheinen. In einem weiteren Vergleich in dieser Gruppe setzte sich der KSV Witten mit 29:11 Punkten bei der weiterhin sieglosen KSK Neuss durch und bleibt somit auf Tuchfühlung zum KSV Köllerbach, der nach dem 24:15 Erfolg gegen den KSV Witten aus der Vorwoche allerdings weiterhin als Favorit auf den Gruppensieg gilt. In der 1. Bundesliga Südost bewahrte der SV Siegfried Hallbergmoos ebenso weiterhin seine blütenweiße Weste wie in der 1. Bundesliga Nordost der amtierende deutsche Meister 1. Luckenwalder SC. Beim 28:6 Erfolg des SVS Hallbergmoos beim SCS Kleinostheim bzw. beim 28:10 Sieg des 1. Luckenwalder SC gegen den KFC Leipzig entledigten sich beide Mannschaften ihrer jeweiligen Aufgaben im Schongang.


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