Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 3. Kampftag in der 1. Ringer-Bundesliga Südwest

von Wieland Mößner
25. Oktober 2006


Zu seinem zweiten Heimkampf in der noch jungen Saison 2006/2007 empfing der SV Germania Weingarten den württembergischen Bundesliga-Aufsteiger AB Aichhalden in der Walzbachhalle. Der Gast belegte in der vergangenen Saison einen beachtlichen dritten Platz in der 2. Bundesliga Südwest, der schließlich zum Aufstieg in die neue, nach regionalen Gesichtspunkten zusammen gestellte, 1. Bundesliga Südwest berechtigte. Von der Mannschaft des Gegners verfügt lediglich der von der RKG Freiburg 2000 gewechselte griechisch-römisch-Spezialist Alexander Heit über Erstligaerfahrung, während der bereits seit einigen Jahren für Aichhalden kämpfende Freistil-Halbschwergewichtler Marcel Stroja einige Male für Rumänien international im Einsatz war. Der Aufsteiger fühlte sich in seiner Rolle als Außenseiter in dieser Begegnung pudelwohl und verfolgte vornehmlich das Ziel, sich so teuer wie möglich zu verkaufen, da der Gastgeber deren wahre Leistungsstärke sicherlich nicht so richtig einzuschätzen vermochte, zumal man noch niemals zuvor in einem offiziellen Vergleich gegeneinander antrat. Der SVG nahm demzufolge seine Aufgabe Ernst und den Neuling nicht auf die leichte Schulter, was sich in Anbetracht des 8:10 Rückstandes zur Pause auch als richtig herausstellen sollte.

Zu Beginn des Aufeinandertreffens stellte Marcel Ewald seine derzeit bestechende Form nachdrücklich unter Beweis, in dem er den hilflosen Johannes Erath mit 6:0, 7:0 und 5:0 förmlich demontierte. In der Endabrechnung fehlte lediglich ein Punkt zum überhöhten Sieg, welcher der Mannschaft 4 Punkte beschert hätte. Gespannt waren die Zuschauer auf das Debüt des bulgarischen Neuzuganges Kaloian Dinchev, der vor wenigen Wochen bei der Weltmeisterschaft in China einen hervorragenden 3. Platz belegte. Von dieser Verfassung war der Athlet zur Enttäuschung der einheimischen Fans indessen meilenweit entfernt. Nach gewonnener erster Runde wies der Bulgare große konditionelle Mängel auf und unterlag dem sicherlich nicht überragenden Patrick Schwendemann verdientermaßen mit 1:3 Runden. Im anschließenden Kampf im Bantamgewicht wehrte sich Ersatzmann Michael Weigt zwar aufopferungsvoll und nach besten Kräften gegen seinen übermächtigen Widersacher Gheorghe Zamfir, seine klare 0:3 Niederlage konnte er allerdings nicht verhindern.

Im Freistil-Halbschwergewicht standen sich der erst 19jährige Bulgare Nicolaj Chterev und der erfahrene Rumäne Marcel Stroja gegenüber. Die größere Routine und Cleverness waren ausschlaggebend für das überraschende Ende dieser Auseinandersetzung, in welcher der Rumäne eine Konteraktion zum bejubelten Schultersieg nutzte, wodurch er den Gast völlig überraschend mit 10:4 Punkten in Führung brachte. Der vor der Saison vom 1. Luckenwalder SC zur "Walzbach-Staffel" gewechselte Leichtgewichtler Olaf Bock dominierte seinen Kampf gegen den mit Übergewicht angetretenen Kiril Fadeev nach Belieben und bekam schließlich 4 Punkte zugesprochen, wodurch er den Rückstand des Gastgebers zur Halbzeit auf 8:10 Punkte verkürzen konnte.

Nach der Pause entledigte sich der stets zuverlässige René Zimmermann seiner Aufgabe gegen den unbequemen Alexander Heit mit gewohnter Übersicht und steuerte 3:1 Punkte zum Mannschaftsergebnis bei. Der von einer Grippe geschwächte Ukrainer Oleg Boikov nahm bei der Germania wiederum den Ausländerplatz ein und wollte seiner beeindruckenden Bilanz einen weiteren Erfolg hinzufügen. Gegen Alichan Isaev musste er sich jedoch mehr strecken als ihm lieb war, nachdem er die Runden 2 und 3 denkbar knapp abgeben musste. In der 4. und 5. Kampfrunde setzte er seinen Gegner dann am Boden allerdings derart unter Druck, dass dieser sich nur mit unerlaubten Mitteln den Griffen entziehen konnte. Kampfrichter Claudio Bibbo aus Furtwangen sprach Isaev folgerichtig die 3. Verwarnung aus, was die automatische Disqualifikation zur Folge hatte. Nach dem nicht unbedingt einkalkulierten Verlust der 1. Kampfrunde gewann Freistil-Mittelgewichtler Dennis Blum die nachfolgenden 3 Runden gegen Frank Schwab deutlich und konnte somit auf 18:12 Punkte erhöhen.

In den abschließenden Duellen im Weltergewicht besiegte zunächst der zum Siegringer avancierte Neuzugang Szabolcz Laszlo seinen Gegner Daniel Eberhardt souverän mit 6:0, 3:1 und 4:0 bevor sein rumänischer Landsmann Andrei Nohai mit seinem 3:0 Sieg gegen Steffen Blocher einen gelungenen Schlusspunkt setzte. Mit dem letztlich doch noch klaren 24:12 Erfolg unterstrich der SV Germania Weingarten seine derzeitige Vormachtstellung in der 1. Bundesliga Südwest und untermauerte mit inzwischen 8:0 Punkten die Tabellenführung. Um die Vorrunde möglichst verlustpunktfrei abzuschließen, benötigt der nordbadische Club am kommenden Wochenende einen Auswärtssieg beim langjährigen Erstligisten, RKG Freiburg 2000. Zur Verwirklichung dieses Ziels bedarf es bei dem einen oder anderen Ringer sicherlich noch einer kleinen Steigerung gegenüber der am vergangenen Samstag gezeigten Leistung.

Mit seinem 21:13 Heimsieg gegen den KSV Ketsch und einem 24:14 Auswärtssieg bei der RKG Freiburg 2000 konnte der KSV Aalen am vergangenen Wochenende 4 Punkte sammeln. Mit nunmehr 8:2 Punkten erweist sich der Traditionsverein von der Ostalb als hartnäckigster Verfolger des SV Germania Weingarten. Die 16 Punkte Rückstand aus dem Hinkampf bedeuten hingegen eine große Hypothek und sind nur schwer aufzuholen. Der letzte Vorrundenkampftag am Samstag, 02. Dezember 2006, wird dann letzten Aufschluss über den Ausgang des Kampfes um den von beiden Mannschaften angestrebten Gruppensieg geben.

Der KSV Ketsch konnte beim Mitaufsteiger TSV Dewangen einen enorm wertvollen 23:15 Sieg landen und damit den zur Teilnahme an der Endrunde berechtigenden 3. Tabellenplatz zementieren.

In der Spitzenbegegnung der 1. Bundesliga West gelang dem KSV Köllerbach ein vorentscheidender 24:15 Erfolg gegen den ebenfalls um den 1. Platz in dieser Gruppe buhlenden KSV Witten. Gegen ersatzgeschwächte Wittener, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf fünf ihrer Stammringer verzichten mussten, gelangen den Saarländern sieben Einzelsiege, obwohl Leistungsträger wie Jurij Kohl, Rafet Ilden und Dimitar Kumchev ihre Kämpfe verloren.

In der 1. Bundesliga Südost zieht der SV Siegfried Hallbergmoos einsam seine Kreise an der Tabellenspitze und lieferte mit dem 31:4 Heimsieg gegen den Halbfinalisten der letzten Saison, die RWG Mömbris-Königshofen, bei 10 Einzelsiegen sein wahres Meisterstück ab. In dieser Verfassung ist der bayerische Verein ein aussichtsreicher Kandidat für das Erreichen des Finales um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. In der 1. Bundesliga Nordost behauptete der amtierende deutsche Meister, der 1. Luckenwalder SC, seine einsame Tabellenführung mit einem 27:7 Auswärtssieg bei der KG Frankfurt/Oder-Eisenhüttenstadt.


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