
von Wieland Mößner
10. Oktober 2006
Exakt 8 Monate nach dem Ausscheiden im Play-Off-Viertelfinale gegen die RWG Mömbris-Königshofen in der vergangenen Saison 2005/2006 eröffneten der gastgebende Aufsteiger in die nach regionalen Gesichtspunkten eingeteilte 1. Bundesliga Südwest, der TSV Dewangen, sowie der SV Germania Weingarten die neue Saison 2006/2007. Aufgrund der erst vor einer Woche zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften in China hatten die Verantwortlichen des Deutschen Ringer Bundes den Saisonstart in diesem Jahr auf Anfang Oktober verlegt. Der Gast war gewarnt ob der in der Vergangenheit bereits häufig demonstrierten und gefürchteten Heimstärke der Mannschaft von der Ostalb, die von den beiden erfahrenen ehemaligen Weltklasseathleten Ahmet Cakici (Freistil) und Czeslaw Kowalik (Griechisch-römisch) trainiert wird. Nicht zuletzt in Anbetracht dieser Tatsache schickten die Verantwortlichen des SVG eine starke Formation mit insgesamt 5 Neuzugängen auf die Matte der Wellandhalle.
Im Auftaktkampf standen sich der einheimische Paul Penner und der Deutsche Meister des Jahres 2005, Marcel Ewald, gegenüber. Der überzeugend auftretende Germane demonstrierte gleich zu Beginn seine Überlegenheit und ließ nie Zweifel an seinem ungefährdeten 3:0, 3:1 und 4:0 Sieg aufkommen. Anschließend gab der WM-Achte von Guangzhou/China, der Tscheche David Vala, seinen Einstand im SVG-Trikot. Der Hüne entledigte sich im Schwergewicht des griechisch-römischen Stils seiner sicherlich nicht leichten Aufgabe gegen den zur Spitze in Polen zählenden Marek Szustek, spielte seine ganze Routine und internationale Erfahrung aus und behielt verdientermaßen in 4 Runden die Oberhand über seinen unbequemen Gegner. Mit der gezeigten Leistung deutete er bereits sein großes Potenzial an und zeigte auf, dass er in der Lage sein dürfte, den letztjährigen ungarischen Siegringer Gyula Branda adäquat zu ersetzen. Der kurzfristig als Ersatzmann für die beiden Verletzten Florin Gavrila und Tibor Olah eingesprungene Michael Weigt, der ansonsten zu den Leistungsträgern der 2. Mannschaft zählt, zeigte eine couragierte und engagierte Leistung gegen den langjährigen Dewangener Ringer Christoph Scherr und verhinderte mit seinem unbändigen Kampfeswillen eine überhöhte Punktniederlage, womit er der Mannschaft einen nicht einkalkulierten Zähler rettete.
Den sicherlich spannendsten und technisch hoch stehendsten Kampf des Abends bestritten der international mit Medaillen dekorierte ungarische Neuzugang Arpad Ritter und die derzeitige Nr. 2 von Polen im Halbschwergewicht, Mateusz Gucman, der unlängst bei einem gut besetzten internationalen Turnier in Polen im Kampf um Platz 3 dem diesjährigen EM-Dritten Stefan Kehrer vom KSV Ketsch eine Niederlage beifügte. In den entscheidenden Phasen am Ende der einzelnen Kampfrunden erwies sich Ritter als der agilere und cleverere Ringer und punktete stets entscheidend zu den jeweiligen Rundengewinnen. Lohn seiner Anstrengungen war ein verdienter 1:0, 3:1, 1:1 Sieg, der seiner Mannschaft 3:0 Punkte einbrachte. Im letzten Kampf vor der Pause traten der dritte polnische Gastringer auf Seiten des TSV Dewangen, Lukasz Goral, sowie der vom 1. Luckenwalder SC zum SV Germania Weingarten gewechselte Olaf Bock gegeneinander an. In einer harten und zähen Auseinandersetzung musste sich der Neu-Weingartener erst in der Verlängerung der 5. Runde knapp mit 2:3 Runden geschlagen geben. Dennoch stimmte sein beherzter Auftritt zuversichtlich für weitere Aufgaben im Trikot der Walzbachstaffel. Mit einem 11:7 Halbzeitstand für die Gastmannschaft ging es in die 25minütige Halbzeitpause.
Unmittelbar nach der Pause triumphierte der gewohnt zuverlässige René Zimmermann, der in seiner 2. Saison für die Walzbachstaffel an den Start geht, über den in den Vereinigten Staaten von Amerika geborenen und vor einem Jahr von Bad Cannstatt an die Ostalb gewechselten Mike Taylor souverän in 3 Runden. Mindestens genauso eindeutig bestimmte Oleg Boikov, der diesmal den Ausländerplatz einnahm, das Geschehen in seinem Kampf im Leichtgewicht gegen den Freistilspezialisten Michele Rauhut, der den polnischen WM-Teilnehmer Tomasz Swierk zu vertreten versuchte. Am Ende der Auseinandersetzung stand ein standesgemäßer und auch in dieser Höhe erwarteter 6:0, 7:0 und 3:1 Punktsieg zugunsten von Boikov zu Buche, der die Weingartener Mannschaft endgültig auf die Siegerstraße brachte. Im Freistil-Mittelgewicht leistete der Gegner von Dennis Blum, der letztjährige Dewangener Siegringer Halil Meral, zwar vor allem in der 2. und 3. Runde harte Gegenwehr, dennoch konnte er seine 1:3 Niederlage nach Kampfrunden nicht verhindern. Der letztlich ungefährdete Sieg von Blum brachte den SVG uneinholbar mit 20:8 in Führung und brachte somit den ersten Saisonsieg unter Dach und Fach.
In den abschließenden Begegnungen im Weltergewicht gaben die beiden Rumänen Szabolcs Laszlo und Andrei Nohai ihr Debüt im Dress des SV Germania Weingarten. Der vom letztjährigen hessischen Zweitligisten KSV Rimbach zur Mannschaft von Trainer Frank Heinzelbecker gewechselte Freistilspezialist Laszlo, Nr. 1 von Rumänien im Leichtgewicht, hatte sich mit Ronny Sauter, der einst für den wenige Kilometer entfernten KSV Aalen auf die Matte ging, auseinander zu setzen. Trotz einiger kleinerer Unachtsamkeiten, welche ihm den Verlust der 2. Runde einbrachte, gewann er schließlich mit 3:1 Runden. Sein Landsmann Nohai, der vom Leichtgewicht in die nächst höhere Gewichtsklasse aufgerückt war, musste sich im Weltergewicht des griechisch-römischen Stils knapp in 5 Runden dem beinahe einen Kopf größeren Lars-René Schmidt beugen, dem gemeinhin großes Talent bescheinigt wird und der zum Leistungsträger auf Seiten von Dewangen heranzureifen scheint. Durch den Sieg im letzten Kampf des Abends konnte der Gastgeber zwar noch einmal Ergebniskosmetik betreiben, die klare 12:25 Niederlage aber dennoch nicht verhindern.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Ringer des SV Germania Weingarten eine geschlossene und alles in allem überzeugende Mannschaftsleistung abgeliefert haben. Die vom Verein verpflichteten Neuzugänge haben sich nahtlos in das gut harmonierende Team eingefügt und fast ausnahmslos gelungene Premieren geboten. In den kommenden Kämpfen kann man von den Neu-Germanen sicherlich weitere Leistungssteigerungen erwarten, wenn der eine oder andere Kämpfer seine durchaus verständliche Anfangsnervosität im Trikot einer neuen Mannschaft wird ablegen können. Am kommenden Sonntag steht nun in der Walzbachhalle im ersten Heimkampf der Saison der erste richtungsweisende Vergleich um den Gruppensieg in der 1. Bundesliga Südwest gegen den achtfachen deutschen Mannschaftsmeister KSV Aalen an. Einen Tag zuvor tritt der SVG Weingarten zum prestigeträchtigen nordbadischen Derby beim Aufsteiger KSV Ketsch an.
In den weiteren Begegnungen des 1. Kampftages der 1. Bundesliga Südwest konnte der KSV Ketsch einen überraschenden 19:17 Auswärtssieg bei der RKG Freiburg 2000 feiern und ein erstes Ausrufezeichen setzen. Während Freiburg auf Eduard Kratz verzichten musste und den angeschlagenen Viktor Reh durch Co-Trainer Tim Hübner ersetzte, trat Ketsch ohne den diesjährigen Europameisterschafts-Dritten Stefan Kehrer an. Dennoch reichte es bei 5:5 Einzelsiegen für den ersten Coup des nordbadischen Aufsteigers, so dass die Konkurrenz in Anbetracht dieses Ergebnisses gewarnt sein dürfte. Der KSV Aalen, Hauptkonkurrent des SVG Weingarten um den anvisierten Staffelsieg, gewann seinen Auftaktkampf am heutigen Sonntag beim AB Aichhalden mit 24:16 Punkten und deckte ebenso wie die Walzbachstaffel noch nicht alle Karten im Hinblick auf das mit Spannung erwartete Duell zweier nahezu gleichwertiger Mannschaften auf.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.