
von Wieland Mößner
02. Mai 2006
In der russischen Hauptstadt Moskau fanden vom 25.04. bis zum 30.04.2006 die Ringer-Europameisterschaften der Frauen und Männer statt. Die deutschen Frauen waren sehr erfolgreich und errangen insgesamt 3 Medaillen. Alexandra Engelhardt vom AC Ückerath erkämpfte sich am ersten Tag der Titelkämpfe ebenfalls eine Silbermedaille wie die beim SV Germania Weingarten trainierende Daxlandenerin Stefanie Stüber im Limit bis 59 kg. Eine Bronzemedaille zum guten deutschen Gesamtergebnis steuerte außerdem die letztjährige Europameisterin und WM-Dritte von Budapest 2005, Anita Schätzle, vom VfK Schifferstadt, im Schwergewicht über 72 kg bei.
Weniger erfolgreich schnitten die deutschen Klassiker ab, die lediglich den 17. Platz in der Nationenwertung belegten. Vier von fünf angetretene Ringer schieden bereits in der 1. Runde des im K.O.-System ausgetragenen Turniers aus und lediglich der in der kommenden Bundesliga-Saison für den SC Anger startende Trostberger Bernhard Mayr wußte mit einem 5. Platz zu überzeugen. Zum Abschluß der Titelkämpfe verbesserte der Ketscher Stefan Kehrer mit einem 3. Platz im Halbschwergewicht bis 96 kg Freistil die Bilanz des Deutschen Ringer-Bundes auf insgesamt 2 silberne und 2 bronzene Plaketten.
Bei den kontinentalen Meisterschaften war die Rekordzahl von insgesamt 9 Ringern am Start, die in der kommenden Bundesliga-Saison 2006/2007 das Trikot des SV Germania Weingarten tragen werden. Die mit einigen Hoffnungen angetretenen Athleten konnten allerdings mit einer rühmlichen Ausnahme der eigenen hohen Erwartungshaltung nicht gerecht werden und schieden größtenteils nach lediglich einem Turnierkampf aus.
Sehr erfreulich war das Abschneiden des rumänischen Publikumslieblings Florin Gavrila. Der Junioren-Weltmeister von 1999 erkämpfte nach einigen sehenswerten und beherzten Auftritten einen ausgezeichneten 3. Platz im Fliegengewicht in der griechisch-römischen Stilart und wurde folgerichtig und verdientermaßen mit seiner 1. Medaille im Seniorenbereich belohnt. In seinem ersten Kampf besiegte er den Serbien-Montenegriner Kristijan Fris deutlich in 2 Runden. Nach seiner Niederlage gegen den späteren Europameister Armen Amoyan aus Armenien, überstand er die 1. Hoffnungsrunde gegen den Ungarn Tibor Olah knapp in 3 Abschnitten. Im anschließenden Kampf um Platz 3 besiegte er den 19jährigen Ukrainer Vugar Ragimov gar in 2 Runden und erntete den Lohn für seine großen Anstrengungen.
Im Weltergewicht vertrat der zweitbeste Punktesammler des SVG Weingarten in der abgelaufenen Bundesliga-Saison 2005/2006, Andras Horvath, die Farben seines Heimatlandes Ungarn. In seinem Auftaktkampf musste er sich dem in der Bundesliga für den SC Anger ringenden Finnen Juha Lappalainen denkbar knapp in 3 Runden geschlagen geben. Der Finne verlor dann seinen nachfolgenden Kampf, was das Ende der Medaillenträume für den sympathischen Ungarn bedeutete, der im Abschlussklassement lediglich den 12. Platz belegte.
Im Mittelgewicht gewann der Ungar Sandor Bardosi, letztjähriger WM-Dritter, seine beiden ersten Kämpfe gegen den Bosnier Danilo Bosnic und den Dänen Niels Esbensen jeweils in 2 Runden. Im Viertelfinale musste er sich dann jedoch knapp dem weithin unbekannten späteren Vize-Europameister Dennis Forov aus Armenien beugen. Im Kampf um den Einzug ins kleine Finale verlor er gegen den dunkelhäutigen Franzosen Melonin Noumonvi klar in 2 Kampfabschnitten und musste somit seine großen Medaillenambitionen begraben. Letztendlich stand für Bardosi ein 8. Platz zu Buche, der den Athleten sicherlich nicht zufrieden stellen wird.
Im Schwergewicht bestritt der 120 kg-Koloss Gyula Branda, der in der vergangenen Saison 8 seiner 9 Bundesliga-Kämpfe gewinnen konnte, seinen Auftaktkampf gegen den Israeli russischer Abstammung, Vladimir Guralski. Seinem Kontrahenten musste er nach 4 Minuten den Sieg überlassen, womit er aus dem Turnier ausschied, da sein Gegner den folgenden Kampf verlor und seinerseits nicht ins Finale einziehen konnte.
Enttäuschend verliefen die Europameisterschaften auch für den hoch gewetteten Titelverteidiger Ghenadie Tulbea. Das Weingartener Aushängeschild, seines Zeichens 2facher Europameister und Vizeweltmeister von 2003 im Freistil, musste sich zum Auftakt dem späteren Gewinner der Goldmedaille, Olexandr Zakharuk, nach drei hart umkämpften Runden geschlagen geben. Nach einem klaren Sieg in der Hoffnungsrunde gegen den Spanier Francisco Javier Sanchez Parra zog er ins kleine Finale um Platz 3 ein. Die Enttäuschung über den verpassten Finaleinzug konnte Tulbea allerdings nicht ganz verhehlen, so dass er gegen den 19jährigen Russen Dyamal Otarsultanov nicht die richtige Einstellung fand. Seinem Widersacher unterlag er schließlich deutlich in 2 Runden und belegte letztendlich einen zwar guten, aber den ehrgeizigen Athleten keineswegs glücklich stimmenden 5. Platz im Gesamtklassement des Fliegengewichts.
In derselben Gewichtsklasse ging Marcel Ewald für die deutsche Nationalmannschaft auf die Moskauer Matte. Seine Startberechtigung von Bundestrainer Jürgen Helmdach erhielt der 22jährige Athlet, nachdem sein Hallbergmooser Kontrahent Thomas Sedlmeier dem Termin zum Ausringen ferngeblieben war. Der Georgier Besarion Gochashvili erwies sich als der erwartet starke Gegner, der Ewald nach 4 Minuten dann auch in seine Schranken verwies. Gochashvili verlor anschließend seinen Kampf gegen den späteren Drittplatzierten der Titelkämpfe, den o. g. Otarsultanov aus Russland, womit das Ausscheiden von Marcel Ewald besiegelt war. Der Kämpfer erreichte einen 16. Platz im 19köpfigen Teilnehmerfeld.
Im Mittelgewicht ging der eine Gewichtsklasse aufgerückte Ausnahmeringer Arpad Ritter für seinen Nationalverband Ungarn an den Start. Der vom TuS Adelhausen verpflichtete Neuzugang, der im vergangenen Jahr in seiner Budapester Heimat den Vize-Weltmeistertitel im Weltergewicht erringen konnte, unterlag in seinem ersten Turnierkampf dem späteren Bronzemedaillengewinner Vadim Laliev aus Armenien denkbar knapp in 3 engen Runden. Da seinem Bezwinger der Eintritt ins Finale versagt blieb, schied Ritter trotz guter Leistung mit einem 12. Gesamtplatz aus.
Überdies vertraten in Moskau noch zwei weitere Athleten die Farben ihrer jeweiligen Landesverbände. Die Namen dieser Ringer wird der SV Germania Weingarten in den kommenden Wochen bekannt geben.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Europameisterschaften eine gute Standortbestimmung auf dem langen und steinigen Weg zu den Ende September in China stattfindenden Weltmeisterschaften darstellen und vielen Athleten als Durchgangsstation dorthin dienen. Auch die beim SV Germania Weingarten unter Vertrag stehenden Sportler haben bei diesem Turnier feststellen müssen, woran in den nächsten 5 Monaten noch intensiv gearbeitet und gefeilt werden muss, damit die individuellen Ziele der jeweiligen Ringer erreicht werden können.
Die Titelkämpfe im Freistil waren geprägt von einer beinahe schon beängstigenden Dominanz der russischen Kämpfer, die in den 7 Gewichtsklassen 6 Titel abräumten und zudem noch einen Bronzemedaillengewinner stellen konnten.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.