Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


2. Kampftag in der Ringer-Bundesliga am 11.09.2004

von Wieland Mößner
15. September 2004


Der 2. Kampftag in der Ringer-Bundesliga Süd war zum einen geprägt von der spannenden sportlichen Auseinandersetzung zwischen der gastgebenden RKG Freiburg 2000 und dem letztjährigen Endrundenteilnehmer SV Siegfried Hallbergmoos und zum anderen von den Geschehnissen um den Traditionsverein KSV Aalen. Am Wochenende wurde bekannt, dass das Finanzamt eine Sperrung sämtlicher Vereinskonten veranlasste und einen Pfändungs-beschluß ausstehender Sponsorengelder erließ. Im Klartext heißt das, dass die Sponsoren ihre Fördermittel direkt an das Finanzamt abliefern müssen.

Die Forderungen des Finanzamtes belaufen sich auf ca. 520.000,-- €. Der Verein soll in der Vergangenheit weder Steuern noch Sozialabgaben für seine ausländischen Sportler an den Fiskus abgeführt haben. Von den Vereinsverantwortlichen wurde stets die Auffassung vertreten, dass es sich bei den ausländischen Ringern um Profis mit dem Status von Selbständigen handelt, die sich folglich selbst um die Versteuerung ihrer Bezüge kümmern müssten. Der KSV Aalen hat sich selbstredend rechtsanwaltschaftlich vertreten lassen, um die komplexe Sachlage von Experten klären zu lassen. Wie am Dienstag bekannt wurde, stimmte das zuständige Amtsgericht der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu. Der eingesetzte Insolvenzverwalter beurteilt die Sanierungsfähigkeit und wird nach eingehender Prüfung u. a. auch über eine mögliche Öffnung der gesperrten Konten befinden.

Aus Sicht des KSV Aalen lässt sich sicherlich über den ungünstigen Zeitpunkt der getroffenen Maßnahmen der Steuerbehörden streiten, denn nach übereinstimmenden Aussagen von Vereinsfunktionären und Hauptsponsoren sei die laufende Bundesliga-Saison bereits finanziert und eine leistungsstarke Mannschaft zusammen gestellt worden, die nach Ansicht von Fachleuten sogar etwas stärker eingeschätzt wird als das Team der vergangenen Saison, welches letztlich das Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen den VfK Schifferstadt erreicht hatte.

Am kommenden Samstag ist genau jener KSV Aalen in dessen heimischer Greuthalle der Gegner unseres SV Germania Weingarten. Ungeachtet der jüngsten Ereignisse wird jedoch damit gerechnet, dass die Ostalbstaffel bei deren Heimkampf in derzeit wohl stärkster Aufstellung auflaufen wird. Ein Sieg des SV Germania beim Traditionsverein wäre also eine Riesenüberraschung, die nur mit dem nötigen Quentchen Glück erreicht werden kann.

Das Duell zwischen der RKG Freiburg 2000 und dem SVS Hallbergmoos war äußerst spannend und dramatisch, da die Entscheidung zugunsten der Münchner Vorstädter erst im allerletzten Kampf des Abends fiel, als der finnische „Ringergott“ Kim-Jussi Nurmela nach anfänglichem Rückstand den Griechen Konstantinos Papadopulous noch mit 3:1 Punkten bezwingen konnte und somit den 15:12,5 Endstand herstellte. In diesem Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, dass der Hallbergmooser Neuzugang in der Gewichtsklasse bis 55 kg Freistil, der Armenier Gevorg Vardanjan, gegen den für Freiburg ringenden Rumänen Serghej Lungu auf Schultern verlor. Die Hallbermooser Verantwortlichen denken bereits zum jetzigen frühen Saisonzeitpunkt über eine Umbesetzung der Ausländerposition nach, da der besagte Ringer doch sehr enttäuscht hatte.

Die anderen Begegnungen des Kampftages nahmen den erwarteten Verlauf und bescherten den Favoriten durchweg deutliche Erfolge. So besiegte u. a. unser kommender Gegner KSV Aalen den SC Anger bei dessen Auswärtsaufgabe mit 22:4,5 Punkten. In der 1. Bundesliga Nord setzte sich der Meisterschaftsmitfavorit 1. Luckenwalder SC mit 28,5:2 Punkten gegen den Altmeister und siebenmaligen deutschen Mannschaftsmeister KSV Witten durch.


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