Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den Play-Off-Viertelfinal-Rückkampf gegen die RWG Mömbris-Königshofen

von Wieland Mößner
10. Februar 2006


Zum Viertelfinal-Rückkampf in der Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft empfing der gastgebende SV Germania Weingarten am vergangenen Sonntag, 05.02.2006, die RWG Mömbris-Königshofen in der Walzbachhalle. Nach der knappen 19:22 Niederlage aus dem Hinkampf musste man einen Rückstand von 3 Punkten aufholen sowie versuchen, die von Michael Böh im Hinkampf erlittene unglückliche Schulterniederlage wett zu machen. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung standen dem Gastgeber allerdings weder die beiden Langzeitverletzten Adrian Mazan und Feti Karakas noch die beiden Stammringer Sandor Bardosi und Adem Bereket zur Verfügung. Adem Bereket wurde bekanntlich zum Assistenztrainer der türkischen Freistil-Nationalmannschaft berufen, wo er u. a. auch als Dolmetscher des neuen russischen Cheftrainers fungiert. Das Unterfangen Halbfinale stand also bereits im Vorfeld unter keinen günstigen Vorzeichen. Dennoch waren alle, Verantwortliche sowie Sportler, Sponsoren und Fans zuversichtlich, dass man gegen die Mainfranken den Einzug ins Play-Off-Halbfinale durchaus noch realisieren könne.

Zu Beginn eines spannenden und unterhaltsamen Ringer-Nachmittags standen sich im Fliegengewicht des griechisch-römischen Stils Florin Gavrila und der Altmeister Rainer Oehme gegenüber. Der Rumäne in Diensten des SV Germania hatte keine Probleme mit seinem Gegner und siegte erwartungs- und standesgemäß mit 3:0 Punkten. Im Freistil-Schwergewicht standen sich Sükrü Kazan und der ca. 15 kg leichtere Bulgaren Dragomir Stoichev gegenüber. Der taktisch unklug ringende Kazan schien die Auseinandersetzung im Griff zu haben, verlor aber völlig unnötig und unerwartet die 1. und 3. Runde, da er beim Ausführen einer Aktion beide Male auf die Mattenumrandung trat, wodurch der Bulgare jeweils einen Punkt erhielt. In der 4. Runde riskierte der Türke bei eigenem 1:2 Rückstand trotz eines 2:1 Punktvorsprungs dann zu viel und versuchte einen zweiten „Kopfdurchdreher“, der aber misslang und von Stoichev abgefangen wurde. Der Mömbriser Anhang konnte somit einen viel umjubelten Schultersieg feiern.

Die Walzbachstaffel zeigte anschließend aber eine tolle Einstellung und viel Moral und versuchte durch eine Energieleistung, doch noch das Blatt zu wenden. So gewann der moldawische Ausnahmeringer Ghenadie Tulbea im Freistil-Bantamgewicht ebenfalls auf Schultern gegen seinen überforderten georgischen Widersacher Georgi Gelashvili und leitete somit eine tolle Aufholjagd ein. Trotz eines Gewichtsnachteils von ca. 11 kg behielt der aufgerückte René Zimmermann im Halbschwergewicht gegen den stilartfremd ringenden Klaus Schmitt mit 3:0 Punkten die Oberhand und sorgte für eine zwischenzeitliche 10:4 Führung. Im letzten Vergleich vor der Pause setzte sich Michael Böh in einem spannenden und abwechslungsreichen Kampf gegen Bengt Trageser, Sohn des Mömbriser Physiotherapeuten Fritz, trotz eines 1:2 Rückstandes noch mit 3:2 Punkten durch und bescherte dem SVG somit die dringend benötigte 13:6 Pausenführung.

Zu Beginn der 2. Hälfte musste sich Dennis Blum nach dem Gewinn der 1. Runde Felix Wissel, dem er auch im Hinkampf unterlegen war, noch verdient mit 1:3 Punkten geschlagen geben. Der aufopferungsvoll kämpfende Marcel Ewald, der 2 Gewichtsklassen ins Freistil-Leichtgewicht aufgerückt war, verlor mit 0:3 Runden gegen Thorsten Dominik, der im Hinkampf das Kunststück fertig brachte, Ghenadie Tulbea zu besiegen. Bei einem Zwischenstand von 14:12 Punkten mussten die beiden nachfolgenden Duelle im griechisch-römischen Stil unbedingt gewonnen werden, um die Chancen der Walzbachstaffel auf einen Halbfinaleinzug noch aufrecht zu erhalten.

Der Ungar Andras Horvath, der in dieser Saison erst einmal die Matte als Verlierer verlassen musste, setzte sich am Vortag bei der ungarischen EM-Ausscheidung in 3 harten Kämpfen durch und qualifizierte sich dadurch für sein Heimatland im Limit bis 74 kg für die im April stattfindenden Europameisterschaften. Dennoch stellte er sich in den Dienst der Mannschaft und reiste am Sonntagvormittag aus Budapest an, um seinen Verein im Mittelgewicht zu unterstützen. Dieses Vorhaben gelang dem stets zuverlässigen Horvath bei seinem 3:2 Erfolg gegen den 5 kg schwereren Michael Carl eindrucksvoll.

Der Grieche Sergios Solontkis, Topscorer der Germanen in dieser Saison vor Michael Böh, reduzierte unter der Woche fast 8 kg Gewicht und ging im Weltergewicht bis 74 kg an den Start. Nach einer beruhigenden 2:0 Rundenführung verließen ihn ein wenig die Kräfte, weshalb er die 3. Runde mit 0:4 gegen Phillip Wissel abgab. Die 4. Runde gewann der gebürtige Ukrainer dank seiner Erfahrung und Routine hingegen wieder mit 3:1 Punkten und erhöhte somit auf 20:15 Punkte aus Sicht der Gastgeber.

Die Aussichten der Mannschaft um Trainer Frank Heinzelbecker, die nächste Runde zu erreichen, sanken allerdings durch diese Rundenverluste auf ein Minimum. So musste der sich abermals in den Dienst stellende, stets zuverlässige, Stefan Kraft im Abschlusskampf zwei Runden gewinnen, um seiner Mannschaft noch das Weiterkommen zu ermöglichen. In Anbetracht der bevorstehenden Aufgabe gegen einen kaum bezwingbaren Kontrahenten war vom Eintreten dieser Konstellation jedoch kaum auszugehen. Trotz eines mutigen Beginns und einer 2:0 Führung in der 1. Runde setzte sich die aktuelle Nummer 1 in Deutschland im Freistil-Weltergewicht, Peter Weisenberger, glatt in 3 Runden durch und besiegelte somit den 20:18 Endstand, welcher der RWG Mömbris-Königshofen den überraschenden Einzug in die nächste Runde bescherte.

Der SV Germania Weingarten gewann zwar den begeisternden und spannenden Rückkampf trotz aufopferungsvollem Kampf mit 20:18 Punkten, musste sich der Mannschaft aus dem Spessart in der Endabrechnung allerdings denkbar knapp beugen. Sicherlich ist es müßig darüber zu spekulieren oder zu mutmaßen, wo man die für ein Weiterkommen fehlenden 2 Punkte verloren hat. In jedem Fall hat sich der SV Germania Weingarten auch in der Endrunde hervorragend präsentiert und dem Publikum sowohl im Hinkampf als auch im Rückkampf trotz aller Widrigkeiten und großem Verletzungspech tolle Kämpfe präsentiert.

Die Mannschaft verdient großes Lob und Anerkennung für die in dieser Saison gezeigten Leistungen und kann zu Recht stolz auf das Erreichte sein.

Die RWG Mömbris-Königshofen trifft im Halbfinale auf den diesjährigen Meisterschafts-favoriten 1. Luckenwalder SC, der sich im Viertelfinale gegen den 10maligen deutschen Meister VfK Schifferstadt durchsetzte. Im Rückkampf in der Fläminghalle gelangen dem Gastgeber 7 Einzelsiege, während der VfK mit Dariusz Jablonski, David Bichinashvili und dem Georgier David Otiashvili lediglich dreimal die Matte als Sieger verlassen konnte. Während der Verein aus Brandenburg mit 25:15 gegen den in einer Finanzmisere befindlichen Pfälzer Traditionsverein gewann, sorgte der KSV Köllerbach mit einem standesgemäßen 28:8 Sieg über den Altmeister KSV Witten für klare Verhältnisse. Die Saarländer konnten dabei gegen einen überforderten Gegner 9 von 10 Einzelbegegnungen für sich entscheiden. Lediglich der Grieche Theodosios Pavlidis bezwang seinen Widersacher Patric Loes.

Der ersatzgeschwächt antretende SVS Hallbergmoos, der bei der KSK Konkordia Neuss ohne 5 Stammringer auskommen musste, behielt in der Endabrechnung überraschend doch noch die Oberhand und konnte sich bereits zum dritten Male in Folge für das Halbfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft qualifizieren, wo der bayerische Verein dem Erstplatzierten der 1. Bundesliga Süd nach der regulären Punkterunde, dem saarländischen Verein KSV Köllerbach, gegenüber steht.


Zum Archiv

Termin-Vorschau

Momentan stehen keine Kämpfe bevor.