Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den Play-Off-Viertelfinal-Hinkampf bei der RWG Mömbris-Königshofen

von Wieland Mößner
03. Februar 2006


Am vergangenen Samstag kam es in der Schimborner Sporthalle zum Viertelfinal-Hinkampf in der Endrunde zur Ermittlung des Deutschen Mannschaftsmeisters 2005/2006. Während der SV Germania Weingarten bei diesem schweren Auswärtskampf mit dem weiterhin verletzten polnischen Leichtgewichtler Adrian Mazan und dem zum neuen Assistenztrainer der türkischen Freistil-Nationalmannschaft berufenen Adem Bereket auf zwei Leistungsträger verzichten musste, trat die gastgebende RWG Mömbris-Königshofen ohne den in den USA weilenden bulgarischen Ringer-Trainer Plamen Paskalev an. Dennoch wartete die Mannschaft von Cheftrainer Peter Behl mit zwei Überraschungen auf. So reduzierten die beiden Griechisch-Römisch-Spezialisten Bengt Trageser und Daniel Grünewald sehr viel Gewicht und liefen in den jeweils niedrigeren Gewichtsklassen im Bantamgewicht bzw. im Leichtgewicht auf. Mit dieser Aufstellungsvariante sorgten die Mömbriser bereits vor der ersten Auseinandersetzung auf der Matte für einiges Kopfzerbrechen bei den Badenern.

Zu Beginn der Veranstaltung düpierte der konditionsstarke Marcel Ewald seinen georgischen Widersacher Giorgi Gelashvili nach verlorener 1. Runde mit einem für die Experten doch einigermaßen überraschenden 3:1 Sieg. Der ungarische Schwergewichtler Gyula Branda konnte nachlegen und seinen Gewichtsvorteil von ca. 25 kg zu einem ungefährdeten 3:1 Punktsieg gegen Klaus Schmitt nutzen. Der Verlust der zweiten Runde erschien dem aufmerksamen Beobachter allerdings etwas unnötig zu sein. Im

Bantamgewichtsvergleich setzte sich der einheimische und körperlich stärkere Bengt Trageser in 4 Runden verdient gegen den keineswegs enttäuschenden Rumänen Florin Gavrila durch. Im Halbschwergewicht standen sich anschließend der Drittplatzierte der in der Woche zuvor stattgefundenen bulgarischen Freistil-Meisterschaften, Dragomir Stoichev, und Martin Siddiqui gegenüber. Stoichev bestritt seinen ersten Saisonkampf und erwies sich als der erwartet starke Gegner. Nach dem Verlust der ersten beiden Runden hatte Siddiqui, der in den vergangenen 14 Tagen nahezu 10 kg Gewicht reduzierte, doch überraschenderweise einiges zuzusetzen und konnte die Runden 3 und 4 zur Begeisterung der mitgereisten badischen Anhänger für sich entscheiden. In der 5. Runde setzte sich dann allerdings die größere Routine und körperliche Robustheit des Bulgaren zu dessen 3:2 Erfolg durch.

Im Limit bis 66 kg Freistil hatte es der aufgerückte Moldawier Ghenadie Tulbea, amtierender Europameister 2005 bis 55 kg, mit dem ehemaligen deutschen Meister Thorsten Dominik zu tun. Der ca. 6 kg schwerere Ringer vom Gastgeber wuchs dabei über sich hinaus und drehte einen 1:2 Rückstand noch zum von den einheimischen Zuschauern frenetisch gefeierten 3:2 Sieg. Bei der Analyse sollte man aber auf keinen Fall außer Acht lassen, dass Tulbea gegenüber seinem Kontrahenten doch einige Nachteile hatte, was Größe und Reichweite anbelangen. Dieser Umstand war sicherlich entscheidend für das zustande gekommene Ergebnis. Beim Stand von 11:11 ging es in die 25minütige Halbzeit.

Zu Beginn der zweiten Hälfte wies der Topscorer Sergios Solontkis seinen größeren Gegner Michael Carl in 4 Runden verdient in die Schranken und erhöhte zum Zwischenstand von 14:12 aus Sicht des SV Germania Weingarten.

Im anschließenden Leichtgewichtsduell stand der aufgerückte Michael Böh dem körperlich starken Daniel Grünewald gegenüber, der unter der Woche ca. 7 kg Körpergewicht abtrainiert hatte. Im Standkampf hatte der Weingartener Ausnahmeringer klare Vorteile und konnte folgerichtig nach dem Verlust der Auftaktrunde die beiden nachfolgenden Runden gewinnen. In der 4. Runde wähnte er sich nach einem zwischenzeitlichen 3:0 bereits auf der Siegerstraße, in der Bodenlage sorgte Grünewald mit zwei sehenswerten Aktionen dann allerdings für den 2:2 Ausgleich. In der entscheidenden

5. Runde lief Michael Böh einem knappen Rückstand hinterher und riskierte seinerseits in der angeordneten Bodenlage wohl zu viel. Bei Ausführung eines Wurfes wurde er sodann von seinem Gegner abgefangen und in die gefährliche Lage gebracht, aus der er sich trotz aller Anstrengungen nicht mehr befreien konnte. Grünewald konnte sich nach einem abwechslungsreichen Kampfverlauf somit über einen kaum mehr für möglich gehaltenen Schultersieg freuen und 4 Punkte für seine Mannschaft einstreichen.

Im Freistil-Mittelgewicht musste sich Dennis Blum nach einem spannenden und ausgeglichenen Kampf seinem Gegenüber Felix Wissel denkbar knapp in 5 Runden geschlagen geben. Der für Adem Bereket ins Team gerückte Stefan Kraft musste sich im Weltergewicht erwartungsgemäß dem letztjährigen deutschen Vize-Meister und Weltmeisterschaftsteilnehmer von Budapest, Peter Weisenberger, mit 0:3 Punkten geschlagen geben. Bei seinem Auftritt enttäuschte er die in ihn gesteckten Erwartungen keineswegs und erfüllte mit unbändigem Kampfgeist sein Soll. Zum Leidwesen von Fans und sportlicher Führung wurden seine großen Anstrengungen allerdings nicht mit einem Rundengewinn belohnt. Beim Zwischenstand von 22:16 für die RWG Mömbris-Königshofen musste der eifrige Punktesammler in Diensten der Walzbachstaffel, Andras Horvath, zum letzten Kampf des Abends gegen Philipp Wissel, den Bruder des Freistil-Mittelgewichtlers Felix, antreten. Mit sehr viel Routine und Übersicht gewann der technisch elegante ungarische Ringer alle drei Runden und sorgte damit für den 19:22 Endstand aus Sicht des SV Germania Weingarten.

Nach einhelliger Expertenmeinung erscheint dieser Rückstand aufholbar, wenngleich der Rückkampf selbstverständlich kein Selbstläufer wird. Durch den zu erwartenden Einsatz der beiden Siegringer Sandor Bardosi und Sükrü Kazan und daraus resultierender besserer Variationsmöglichkeiten sind die Verantwortlichen einigermaßen zuversichtlich, dass am kommenden Sonntag, 05.02.2006, in der heimischen Walzbachhalle, der Einzug in das lukrative Play-Off-Halbfinale noch gelingen kann.

In den anderen Viertelfinal-Begegnungen setzte sich u. a. der Meisterschaftsfavorit, der 1. Luckenwalder SC, mit mehr Mühe als erwartet beim aufopferungsvoll kämpfenden deutschen Rekordmeister VfK Schifferstadt denkbar knapp mit 23:19 Punkten durch. Viele Kämpfe standen in dieser Auseinandersetzung, die viele Experten bereits als vorweg genommenes Finale apostrophierten, auf Messers Schneide und wurden jeweils erst in der 5. und letzten Runde entschieden. In den meisten Kämpfen war dabei nicht gerade das Glück auf Seiten der Schifferstädter, so z. B. im Leichtgewichtskampf des griechisch-römischen Stils zwischen dem Rumänen Eusebio Diaconu und dem amtierenden bulgarischen Weltmeister Nikolai Gergov. Beim Stand von 2:2 Runden musste der kampfstarke Rumäne 15 Sekunden vor Kampfende bei eigener Aktion gegen seinen Kontrahenten noch eine Schulterniederlage einstecken. Dieser Kampfausgang war wohl entscheidend für den Verlauf der weiteren Mattenvergleiche dieser interessanten Begegnung.

Während sich der Südmeister KSV Köllerbach beim Altmeister KSV Witten deutlich mit 23:12 Punkten durchsetzen konnte, gelang dem Halbfinalisten der vergangenen beiden Jahre, dem SV Siegfried Hallbergmoos, trotz einer zwischenzeitlichen 15:2 Pausenführung lediglich ein 18:15 Sieg gegen die KSK Konkordia Neuss. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der bayerische Verein derzeit arg vom Verletzungspech gebeutelt wird. So müssen die Bajuwaren auf die vier Leistungsträger Kim-Jussi Nurmela und Jarkko-Ala Huikku (Finnland), auf den starken Franzosen Christophe Guenot und auf das Eigengewächs Thomas Sedlmeier verzichten. Der Einzug ins Halbfinale erscheint unter diesen Umständen nur sehr schwer zu bewerkstelligen zu sein. In diesem Sinne.


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