Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 18. Kampftag in der Ringer-Bundesliga

von Wieland Mößner
27. Januar 2006


Zum letzten Heimkampf in der regulären Punkterunde empfing der SV Germania Weingarten in der Walzbachhalle den achtfachen deutschen Mannschaftsmeister KSV Aalen 05. Der schwäbische Traditionsverein verzichtete in diesem Kräftemessen mit dem griechischen Olympia-Dritten von Athen 2004, Artjom Kiouregkian, dem vor der Saison vom 1. Luckenwalder SC gekommenen Bulgaren Krasimir Krastanov, dem Franzosen Djamel Ainaoui im Leichtgewicht, dem bulgarischen Greco-Spezialisten Velin Marinov (Vize-Europameister 2005) sowie dem klassischen Halbschwergewichtler Jimmy Lidberg aus Schweden auf fünf Leistungsträger.

Die Staffel von Frank Heinzelbecker musste weiterhin den verletzten polnischen Freistil-Spezialisten Adrian Mazan ersetzen und trat außerdem ohne die beiden Siegringer Adem Bereket und Sandor Bardosi an. Die Ausgangslage vor dem Vergleich war relativ eindeutig beschrieben. Während die Walzbachstaffel mit dem Sieg beim SC Anger zu Jahresfrist bereits seit längerem die Endrunde erreicht hatte, konnte sich die Staffel von der Ostalb nicht mehr vom 5. Platz verbessern.

Trotz der sportlich relativ bedeutungslosen Auseinandersetzung sahen die Zuschauer dennoch einige interessante Kämpfe. Zum Auftakt standen sich im Fliegengewicht der zuverlässige Rumäne Florin Gavrila sowie der Jugendliche Tobias Grimminger gegenüber. Der mit Übergewicht angetretene 15jährige Aalener Ringer stellte sich zur Freude der Zuschauer seinem erfahrenen Gegner, dem viele sehenswerte Aktionen bis zu seinem Schultersieg in der

3. Runde gelangen. Im Duell zweier Freunde, die sich in der Türkei oftmals auf der Matte gegenüber standen und sich daher genauestens kennen, hatte es Sükrü Kazan im Freistil-Schwergewicht mit seinem Landsmann Savas Yildirim zu tun. Nachdem sich die beiden Kontrahenten abtasteten, brachte nach Ablauf der 3 Kampfrunden jeweils die Münze die Entscheidung. Dabei hatte der Weingartener dreimal das Glück auf seiner Seite, indem er das Bein des Aaleners fassen durfte. Diesen Vorteil nutzte der 115 kg Koloss zu seinen drei Rundengewinnen und daraus resultierend zu einem 3:0 Sieg.

Der gewohnt engagiert zu Werke gehende Marcel Ewald setzte sich anschließend im Bantamgewicht in drei engen Runden jeweils mit 1:0 verdient gegen den griechischen Ersatzmann Alexandros Pilavidis durch. Die beiden etatmäßigen Mittelgewichtler René Zimmermann und Patric Nuding rückten eine Gewichtsklasse nach oben und traten wie im Hinkampf wiederum gegeneinander an. Der nahezu 8 kg schwerere Nuding gewann zwar die erste Runde im ‚Clinch’, danach stellte sich Zimmermann allerdings immer besser auf seinen Widersacher ein und gewann die Runden 2 bis 4 nach überlegt geführtem Kampf. Den attraktivsten Kampf des Abends boten der Weingartener Topscorer Michael Böh und der Pole Lucjan Kwit im Leichtgewicht des griechisch-römischen Stils. Nach vielen sehenswerten Aktionen behielt Böh in der ersten Runde mit 6:2 Punkten die Oberhand und führte somit eine kleine Vorentscheidung in diesem Kampf herbei. Die folgenden beiden Runden konnte der deutsche Meister von 2001 ebenfalls für sich zu einem 3:0 Erfolg entscheiden. Nach 5 Siegen in 5 Kämpfen stand es zur Halbzeit bereits 16:1 für den SV Germania Weingarten.

Nach der Pause hatte sich der Dauerbrenner Dennis Blum mit Marc Buschle auseinander zu setzen. Der Ex-Schifferstadter zeigte eine überzeugende Leistung und bot dem langjährigen Aalener in einem recht ausgeglichenen Kampf lange Zeit Paroli. Nach dem Gewinn der 2. und 4. Runde musste er sich erst in der 5. Runde Buschle mit 0:2 Punkten geschlagen geben. Der ins Leichtgewicht aufgerückte amtierende Europameister im Fliegengewicht, der Moldawier Ghenadie Tulbea, hatte zu Beginn seines Kampfes einige Mühe mit dem ca. 6 kg schwereren Griechen Valerios Kogouashvili und gab folgerichtig die ersten beiden Kampfrunden ab. Mit fortlaufender Kampfdauer stellte sich Tulbea dann aber immer besser auf seinen nachlassenden Kontrahenten ein und entschied die nächsten beiden Runden für sich. Im 5. Kampfabschnitt lieferte er eine Demonstration seines ringerisches Könnens ab und punktete ein ums andere Mal zum vorentscheidenden 6:0, der seinen knappen 3:2 Erfolg sicherstellte. Mit diesem Ergebnis erzielte er in seinem 5. Saisonkampf bereits seinen 5. Sieg.

Das Mittelgewicht im griechisch-römischen Stil ließen die Aalener unbesetzt, so dass Sergios Solontkis kampflos 4 Punkte für seine Mannschaft einstreichen konnte. Gewohnt zuverlässig agierte im Anschluss der eifrige Punktesammler Andras Horvath, der Mijo Prigorec im Weltergewicht mit 3:0 deutlich in die Schranken wies. Lediglich noch Ergebniskosmetik für den KSV Aalen konnte der zweimalige armenische Weltmeister von 1997 und 1998, Araik Guevorkian, mit seinem standesgemäßen 3:0 Sieg gegen Stefan Kraft betreiben. Am Ende des Kampfabends stand ein in dieser Höhe nicht erwarteter deutlicher 28:9 Erfolg des SV Germania Weingarten über den KSV Aalen 05 zu Buche. Die normale Punkterunde schloss die Mannschaft von Frank Heinzelbecker somit mit 20:12 Punkten und einem ausgezeichneten 4. Platz ab.

In den weiteren Begegnungen des 18. Kampftages kam es fast durchweg zu standesgemäßen Ergebnissen, die keinen Einfluss mehr auf die Platzierung der Mannschaften im Endklassement hatten. Zwar fertigte der TuS Adelhausen in seinem auf absehbare Zeit letzten Kampf in der Bel Etage des deutschen Ringkampfsports den bereits für die Endrunde qualifizierten SV Siegfried Hallbergmoos mit 28:14 Punkten ab, für den mit vielen Ersatzleuten angetretenen Münchner Vorortverein hatte diese Niederlage allerdings keinerlei Bewandtnis. Beim 18:15 Sieg des SV Wacker Burghausen gegen die RKG Freiburg 2000 musste sich der lange Zeit unbesiegte Nationalmannschaftsringer Eduard Kratz völlig überraschend dem Burghausener Eigengewächs Matthias Maasch mit 1:3 beugen und kassierte bereits seine zweite Saisonniederlage. Schließlich besiegte der VfK Schifferstadt mit seiner 1b-Mannschaft den SC Anger noch mit 23:14 Punkten.

Gespannt waren die Ringsportanhänger in Deutschland auf die in der Weingartener Walzbachhalle vorgenommene Auslosung zur Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Der als Glücksfee verpflichtete ehemalige Box-Weltmeister Sven Ottke, der vor knapp 2 Jahren seine ruhmreiche sportliche Karriere beendet hatte, bescherte dem SV Germania Weingarten ein Traumlos. Der hessische Traditionsverein RWG Mömbris-Königshofen, der nach Abschluss der Punkterunde in der 1. Bundesliga Nord einen ausgezeichneten 3. Platz belegte, wurde der Walzbachstaffel zugelost. Die Mannschaft vom Spessart, die sich mit zahlreichen aus der eigenen Jugend hervor gegangenen Ringern sowie Athleten aus der näheren Umgebung rekrutiert, gilt in Expertenkreisen gemeinhin als schlagbar. Dennoch muss der SV Germania Weingarten auch gegen diesen vermeintlich bezwingbaren Gegner auf der Hut sein, verfügt der hessische Verein um Trainer Peter Behl mit dem Bulgaren Plamen Paskalev, den Nationalmannschaftsringern Peter Weisenberger und Thorsten Dominik, dem Georgier Giorgi Gelashvili und den beiden Brüdern Felix und Phillip Wissel doch über einige exzellente Griffkünstler. Dennoch geht der SV Germania Weingarten voller Zuversicht und leicht favorisiert in diese beiden Auseinandersetzungen.


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