Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 15. Kampftag in der Ringer-Bundesliga

von Wieland Mößner
06. Januar 2006


Der ersatzgeschwächt angetretene SV Germania Weingarten setzte sich beim nahe an der österreichischen Grenze gelegenen bayerischen Verein aus dem Berchtesgadener Land, dem SC Anger knapp, aber völlig verdient mit 22:18 Punkten durch und machte damit den vor der Saison anvisierten Einzug in die lukrativen Play-Offs bereits vorzeitig perfekt. Die Staffel aus der nordbadischen Weingemeinde musste bei diesem Kampf zum Teil kurzfristig auf fünf Leistungsträger verzichten, so dass der eingeplante Auswärtssieg noch einmal in Gefahr geriet.

Auf die bewährten Stammkräfte Adrian Mazan (laboriert noch an den Folgen seiner Knieverletzung), Sergios Solontkis (Heimaturlaub zur Erholung von den Strapazen der Kräfte zehrenden Kämpfe), Michael Böh (Regenerationspause des Dauerbrenners zur Erhaltung der körperlichen Frische), Adem Bereket (Verweigerung der Ausreisegenehmigung durch die türkischen Behörden aufgrund strengster Auslegung der visarechtlichen Bestimmungen) sowie auf Sükrü Kazan (Wahrnehmung eines Gerichtstermins wegen eines nicht vom Athleten verschuldeten Verkehrsunfalls) konnte bei diesem Vergleich nicht zurück gegriffen werden. Nichts desto trotz machte die Walzbachstaffel aus der Not eine Tugend, denn jeder Ringer kämpfte aufopferungsvoll und trug seinen erheblichen Teil zur Erzielung des erfreulichen Gesamtergebnisses bei.

Den Auftaktkampf bestritt wie immer in der Rückrunde der Rumäne Florin Gavrila, der im klassischen Fliegengewicht seinem jungen Widersacher Markus Fürmann eine Lektion erteilte. Nach zwei deutlich gewonnen Runden schulterte er seinen Gegner schließlich im 3. Kampfabschnitt. Im Freistil-Schwergewicht stand anschließend Martin Siddiqui dem amtierenden Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften von Budapest, dem Ungarn Otto Aubeli, gegenüber. Nach ausgeglichener erster Runde, in der er sich knapp mit 0:1 Punkten geschlagen geben musste, setzte sich mit zunehmender Kampfdauer die größere internationale Erfahrung sowie die robustere Ringweise des Ungarn durch, so dass am Ende eine 0:3 Niederlage Martins unvermeidbar war.

In einem zuvor als Schlüsselkampf apostrophierten Bantamgewichtsduell musste sich Marcel Ewald trotz großem Kämpferherz dem Angerer Eigengewächs Alexander Kropf knapp mit 2:3 Punkten beugen. Anschließend setzte sich der international hoch dekorierte ungarische Ausnahmekönner Sandor Bardosi im Halbschwergewicht im griechisch-römischen Stil nach anfänglichen Schwierigkeiten noch sicher mit 3:1 Punkten gegen Thomas Klöppl durch. Im letzten Kampf vor der Pause strich der Ukrainer Oleg Boikov kampflos 4 Punkte ein, da sein Kontrahent Reinhard Hogger mit Übergewicht über die Waage ging. Somit stand es zur Halbzeit 13:7 für den SV Germania Weingarten.

Nach dem Wiederanpfiff standen sich Dennis Blum und Bernhard Koch, der den etatmäßigen polnischen Mittelgewichtler Radoslaw Horbik vertrat, gegenüber. In einem überlegt geführten Kampf setzte sich der Ex-Schifferstadter Blum deutlich in drei Runden durch. Trainer Frank Heinzelbecker stellte sich in den Dienst der Mannschaft und ging über die Waage, wodurch der Mannschaft eine 0:40 Niederlage erspart blieb. Zum Leichtgewichtsduell im Freistil gegen den international erfahrenen Rumänen Gergö Szabo trat er dann, auch wegen der bestehenden Verletzungsgefahr, verständlicherweise nicht an.

Bei einem Zwischenstand von 16:11 Punkten aus Sicht des SV Germania Weingarten kam es zu einem weiteren Schlüsselkampf. René Zimmermann zeigte einmal mehr, wie wertvoll er für den Verein ist. Er ersetzte nicht nur Sergios Solontkis eindrucksvoll, vielmehr hielt er auch den Finnen Juha Lappalainen in einer zähen und ausgeglichenen Auseinandersetzung mit 3:2 Punkten nieder. Nach einer 2:0 Führung und zwischenzeitlichem 2:2 Ausgleich konnte er sich dann letztendlich in der 5. Runde durchsetzen, was für seine tolle Moral und sein Durchsetzungsvermögen spricht.

Im reizvollen und ewig jungen ungarischen Vergleich zwischen Andras Horvath und dem Angerer Levente Füredy setzte sich der Weingartener Ausnahmeringer knapp in vier engen Runden durch. Bereits der Gewinn der 1. Runde besiegelte zur großen Freude der Verantwortlichen, der Ringer und der mitgereisten Anhängerschaft bei einem 20:12 Gesamtstand den vorzeitigen Endrundeneinzug der Germanen. Im Freistil-Weltergewicht konnte der SV Germania Weingarten aus den bereits angeführten Gründen leider keinen Gegner stellen, so daß der Junioren-Meister Stefan Koch kampflos vier Punkte zum 22:18 Endstand einfahren konnte. Nach dem kurzfristigen Ausfall von Adem Bereket konnte der Verein nicht mehr reagieren, zumal Stefan Kraft in der Kürze der vor dem Auswärtskampf noch zur Verfügung stehenden Zeit sein Gewicht nicht mehr rechtzeitig unter das geforderte Limit hätte reduzieren können.

Am Ende überwog selbstverständlich die Freude über den hart erarbeiteten Sieg, der aus den genannten Gründen lange am seidenen Faden hing. Resümierend lässt sich festhalten, dass dem Verein auch in den Ende Januar beginnenden Play-Offs ob der dargebotenen Leistungen und der großen Einsatzbereitschaft der Aktiven nicht bange sein muss. Bei ausbleibendem Verletzungspech und mit etwas Losglück kann die Mannschaft in der laufenden Saison durchaus noch einiges erreichen. Zuzutrauen und zu wünschen wäre es ihr in jedem Fall.

In den weiteren Begegnungen des 15. Kampftages festigte der KSV Köllerbach mit einem ungefährdeten 29:6 Heimsieg gegen das Tabellenschlusslicht TuS Adelhausen seinen ersten Platz, den er sich allerdings mit dem deutschen Rekordmeister VfK Schifferstadt teilen muss. Am Samstag, 07.01.06, kommt es in der Schifferstadter Wilfried-Dietrich-Halle nun zum entscheidenden Kampf um den Gruppensieg in der 1. Bundesliga Süd zwischen dem gastgebenden VfK Schifferstadt und dem KSV Köllerbach.

In der 2. Begegnung des Kampftages gewann die RKG Freiburg völlig überraschend mit 20:16 Punkten gegen den ersatzgeschwächt angetretenen SV Siegfried Hallbergmoos, der sich bereits zuvor für die Endrunde qualifiziert hatte. Der Verzicht auf die Siegringer Felix Polianidis und Hakan Nyblom sowie auf den Litauer Laimutis Adomaitis, die schweren Verletzungen der beiden Finnen Jarkko Ala-Huikku sowie Kim-Jussi Nurmela und die unerwarteten Niederlagen von Thomas Sedlmeier, Gergö Wöller und Dominik Zeh waren ausschlaggebend für das unerwartete Gesamtergebnis. Sedlmeier verlor mit 1:3 gegen den deutschen Juniorenmeister Manuel Krämer, Wöller musste beim 2:3 gegen den konditionsstarken Axel Sutter seine erste Saisonniederlage hinnehmen und Zeh unterlag beim Stand von 16:17 Punkten aus Sicht von Hallbergmoos im Abschlusskampf gar mit 0:3 Punkten dem unbequemen Vitali Wagin, der im Saisonverlauf bereits Adem Bereket und den Angerer Stefan Koch bezwingen konnte.


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