Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 13. Kampftag in der Ringer-Bundesliga

von Wieland Mößner
16. Dezember 2005


Eine Woche nach der relativ knappen Heimniederlage gegen den Tabellenführer VfK Schifferstadt trat der SV Germania Weingarten zu seinem 6. Auswärtskampf in dieser Saison beim derzeitigen Tabellenschlusslicht RKG Freiburg 2000 an. Nachdem man bereits den Hinkampf mit 27:9 Punkten gewinnen konnte, gestalteten die Germanen auch den Rückkampf siegreich und landeten beim 3. Auswärtssieg in der laufenden Runde einen ungefährdeten 21:14 Erfolg.

Zu Beginn des Kampfabends hatte der rumänische Internationale Florin Gavrila doch einige Mühe, um den deutschen Juniorenmeister Manuel Krämer zu besiegen. Dank seiner Erfahrung setzte sich der gesundheitlich leicht angeschlagene Fliegengewichtler aber letztlich doch mit 3:1 Runden durch. Im anschließenden Schwergewichtsvergleich im freien Stil zwischen Sükrü Kazan und dem ehemaligen Juniorenweltmeister Zwiad Sisauri aus Georgien setzte der türkische Ölringer seinen Gewichtsvorteil geschickt ein und gewann alle drei Runden jeweils mit 1:0 Punkten.

Ghenadie Tulbea stand sich danach im Bantamgewicht seinem ehemaligen Landsmann aus Moldawien, Serghei Lungu, der bereits seit einiger Zeit die rumänische Staatsangehörigkeit besitzt, gegenüber. Nach überlegt geführtem Kampf konnte der Weingartener Ausnahmeringer die ersten beiden Runden mit jeweils 2:0 Punkten siegreich gestalten. In der dritten Runde nutzte Lungu eine kleine Unachtsamkeit seines Gegners, erzielte seinerseits 3 Punkte und konnte somit den Rundengewinn verbuchen. In der 4. Runde behielt Tulbea die Übersicht und erzielte den entscheidenden Punkt zu seinem 3:1 Erfolg.

Sein Debüt im Trikot des SVG Weingarten gab der amtierende WM-Dritte von Budapest und Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Sydney 2000, der Ungar Sandor Bardosi. Im Halbschwergewicht behielt der lange Zeit verletzte Athlet gegen den aus Linzgau-Taisersdorf stammenden Daniel Höfler deutlich in 3 Runden die Oberhand und erhöhte zum Zwischenstand von 12:2 Punkten. Das Freiburger Aushängeschild, der Nationalmannschaftsringer Eduard Kratz, gab im letzten Kampf vor der Pause dem aufgerückten Michael Böh in 4 Runden das Nachsehen und erzielte den ersten Sieg an diesem Abend für die Mannschaft aus dem Breisgau zum Halbzeitstand von 13:5 aus Sicht des SV Germania Weingarten.

Zum Auftakt der zweiten Kampfhälfte stand Mittelgewichtler Dennis Blum dem Freiburger Eigengewächs Viktor Reh gegenüber. Nach einer 2:1 Führung musste sich der ausgepowert wirkende Ex-Schifferstadter seinem Widersacher, den er im Hinkampf noch deutlich bezwingen konnte, doch einigermaßen überraschend mit 2:3 geschlagen geben. Der diesjährige Vizemeister Axel Sutter behielt im Gewichtslimit bis 66 kg in 3 Runden die Oberhand gegen den etatmäßigen Fliegengewichtler Marcel Ewald, der sich bei seiner Niederlage teuer verkaufte und in allen Kampfrunden jeweils nur knapp unterlegen war. Durch 3 Siege in Folge konnten die Freiburger zwischenzeitlich auf 11:14 Punkte verkürzen.

Der Weingartener Siegringer Sergios Solontkis errang einen deutlichen 3:0 Sieg gegen Jurij Witt und bewies damit eindrucksvoll, dass die in der Vorwoche gegen Manuel Fix erlittene Niederlage ein einmaliger Ausrutscher war. Gewohnt zuverlässig agierte der diesjährige ungarische WM-Teilnehmer Andras Horvath gegen den Rumänen Constantin Matei, den er wie im Vorkampf souverän in 3 Runden bezwingen konnte.

Im Abschlusskampf im Freistil-Weltergewicht hatte sich der Olympia-Dritte von Sydney 2000, Adem Bereket, mit Vitali Wagin auseinander zu setzen. Während er im Hinkampf seinen Kontrahenten noch auf beide Schultern drücken konnte, fand er diesmal keine Einstellung und verlor zur großen Enttäuschung der Weingartener Anhängerschaft deutlich in 3 Runden. Der Athlet, der seit zwei Wochen einen Trainerlehrgang in der Türkei belegt, konnte in dieser Zeit kaum trainieren und hatte daher offensichtlich Probleme bei der Gewichtsreduktion. Unter der Woche legte er seine Trainerausbildungsprüfung mit Erfolg ab und absolviert inzwischen wieder die erforderlichen Einheiten auf der Ringermatte, so dass bei seinem nächsten Kampfeinsatz im Trikot des SV Germania Weingarten wieder von wesentlich besseren Leistungen des Ringers ausgegangen werden kann.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass beim glanzlosen, aber dennoch souveränen 21:14 Auswärtserfolg der erwartete Pflichtsieg auf dem Weg zur angestrebten Endrundenteilnahme erzielt werden konnte. Der SVG Weingarten belegt mit 14:10 Punkten weiterhin den 4. Platz in der 1. Bundesliga Gruppe Süd.

Am 13. Kampftag stand die Auseinandersetzung zwischen dem achtmaligen deutschen Meister KSV Aalen und dem derzeitigen Tabellendritten SV Siegfried Hallbergmoos im Blickpunkt des Interesses der Ringerfans. Der Traditionsverein von der Ostalb versuchte nach der in der Vorwoche beim SC Anger erlittenen überraschenden Niederlage seine letzte Chance wahrzunehmen, um doch noch in die Play-Offs einzuziehen. Die in Bestbesetzung angetretene Staffel lieferte dem bayerischen Halbfinalisten der letzten beiden Jahre einen beherzten Kampf und führte zur Pause nach 4 Einzelsiegen bereits mit 12:8 Punkten. Hallbergmoos startete eine furiose Aufholjagd, entschied die nächsten 4 Kämpfe für sich und ging dadurch uneinholbar mit 20:15 Punkten in Führung. Der zweimalige armenische Weltmeister Araik Guevorkian konnte mit seinem klaren 3:0 Sieg über den deutschen Meister Dominik Zeh dann lediglich noch Ergebniskosmetik zum 18:20 Endstand aus Aalener Sicht betreiben.

Seine letzte Chance auf das Erreichen der Endrunde vergab der KSV Aalen dann voraussichtlich unter der Woche, als man im vorgezogenen Heimkampf des 15. Kampftages dem Meister der vergangenen 3 Jahre, dem VfK Schifferstadt, mit 17:23 Punkten unterlag. Zur Halbzeit stand es noch unentschieden 10:10, doch nach der Pause setzten sich die größere mannschaftliche Geschlossenheit und die größere Anzahl von Weltklasseathleten auf Seiten des Titelverteidigers durch. Bei 6:4 Einzelsiegen sorgte der diesjährige Europameisterschafts-Dritte Adam Juretzko mit seinem Aufgabesieg über Mijo Prigorec im vorletzten Kampf der Begegnung für die Entscheidung. Beim Stand von 22:14 besiegte Araik Guevorkian zum Abschluß dann den Griechen Emanzarios Bedinidis mit 3:1 Punkten.

Der KSV Aalen 05 weist nach den beiden Heimniederlagen gegen den SVS Hallbergmoos und gegen den VfK Schifferstadt ein Punktekonto von 10:16 Zählern aus und kann im Endklassement maximal noch 16:16 Punkte erreichen. Dies hat zur Konsequenz, dass der SV Germania Weingarten mit zwei Siegen gegen den SV Wacker Burghausen am kommenden Samstag, 17.12.2005, in der heimischen Germaniahalle und beim SC Anger am Freitag, 30.12.2005, das Endrundenticket endgültig buchen könnte.

Die weiteren Begegnungen des 13. Kampftages brachten keine Überraschungen. So setzte sich der KSV Köllerbach mit 24:13 Punkten gegen den SC Anger durch und verbleibt dadurch auch weiterhin zusammen mit dem VfK Schifferstadt, der dem gastgebenden SV Wacker Burghausen deutlich mit 27:8 Punkten das Nachsehen gab, mit jeweils 2 Verlustpunkten an der Tabellenspitze.


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