
von Wieland Mößner
09. Dezember 2005
Nach der hohen 7:29 Auswärtsniederlage beim Meisterschaftsmitfavoriten KSV Köllerbach hatte der SVG Weingarten den amtierenden deutschen Mannschaftsmeister VfK Schifferstadt zu Gast. Der in der gut besuchten Walzbachhalle ausgetragene Vergleich stand unter keinen günstigen Vorzeichen, da die Heimmannschaft aufgrund mehrerer verletzungsbedingter Ausfälle ersatzgeschwächt antreten musste. So mussten u. a. die beiden Langzeitverletzten Feti Karakas und Sandor Bardosi sowie der an einem Außenbandriss laborierende polnische Nationalmannschaftsringer Adrian Mazan ersetzt werden, wodurch die Variabilität bei der Aufstellung der Mannschaft doch deutlich eingeschränkt war. Dennoch bot man dem Meister der vergangenen drei Jahre in einem über weite Strecken ausgeglichenen Kampf lange Paroli und verlor letztendlich relativ knapp mit 16:21 Punkten.
Im Auftaktkampf musste sich der Rumäne Florin Gavrila mit dem Weltmeister von 2003, Dariusz Jablonski, auseinandersetzen. Der Pole dominierte den Kampf und gewann die erste Runde deutlich mit 5:0 gegen seinen mit zu viel Respekt ringenden Gegner. In den Runden 2 und 3 fand Gavrila dann besser in den Kampf, musste sich aber schließlich der größeren Erfahrung des zweimaligen Europameisters beugen und gab die nachfolgenden Runden dann jeweils mit 0:1 Punkten ab. Der diesmal mit einem beherzten Auftritt überzeugende Freistil-Schwergewichtler Martin Siddiqui verlor nach gewonnener Auftaktrunde gegen den Vize-Europameister von 2002 und WM-Vierten desselben Jahres, David Otiashvili, mit 1:3 Punkten. Der Georgier setzte sich am Ende hauptsächlich wegen seiner körperlichen Robustheit und seines größeren technischen Repertoires durch, wies jedoch konditionelle Defizite auf.
Anschließend brannte der zweimalige Europameister und Vize-Weltmeister von 2003, Ghenadie Tulbea, gegen den Olympia-Vierten von Athen, den Griechen Amiran Karntanov, ein wahres Grifffeuerwerk ab und gewann seinen Kampf unerwartet hoch mit 1:0, 5:0 und 6:0 in 3 tollen Runden, in denen den Zuschauern Ringen der Extraklasse dargeboten wurde. Der ins Halbschwergewicht aufgerückte René Zimmermann bot seinem ca. 13 kg schwereren Gegner Andreas Fix einen ausgeglichenen Kampf und musste sich seinem Widersacher erst nach 5 harten Runden geschlagen geben. Im letzten Kampf vor der Pause zeigte Michael Böh sein ganzes technisches Können und setzte sich ungefährdet in drei Runden gegen den Schifferstädter Nachwuchsringer Wladimir Behrenhardt durch. Mit einem unerwarteten 9:9 Zwischenstand gingen die beiden Mannschaften in die Pause.
Zu Begin der zweiten Kampfhälfte stand Dennis Blum dem amtierenden deutschen Meister im Freistil-Mittelgewicht, David Bichinashvili, gegenüber. Dennis setzte mit einem überlegten Beinangriff zwar den ersten Punkt, musste sich aber anschließend doch seinem Trainingspartner im Schifferstädter Olympiastützpunkt mit 0:3 Runden chancenlos geschlagen geben, ohne dabei allerdings enttäuscht zu haben. Die Überraschung des Abends gelang dem ansonsten im Fliegengewicht antretenden Marcel Ewald, der im Limit bis 66 kg gegen Fathi Aydogan mit 3:1 Runden deutlich die Oberhand behielt und den Germanen mit diesem Sieg beim Stand von 12:13 plötzlich die Chance auf ein Unentschieden oder eine knappe Niederlage eröffnete.
Der Ausnahmeringer Sergios Solontkis hatte mit einem Sieg gegen Manuel Fix die Chance, die Staffel von Trainer Frank Heinzelbecker erstmals an diesem Abend in Führung zu bringen. Der Ukrainer mit griechischem Pass fand jedoch keine Einstellung zu seinem Kontrahenten und musste den anstrengenden letzten Wochen, in denen er zweimal ins klassische Weltergewicht abtrainiert hatte, Tribut zollen. Manuel Fix landete somit einen auch für ihn völlig unerwarteten 3:1 Punktsieg gegen den bisherigen Weingartener Topscorer. Der leicht an der Schulter verletzte Andras Horvath gab danach dem amtierenden deutschen Meister Adam Juretzko im Weltergewicht mit 3:1 Runden das Nachsehen und brachte die Walzbachstaffel nochmals auf 16:17 heran. Im Abschlusskampf überließ Feti Karakas, der wegen eines Achillessehenrisses voraussichtlich noch bis März oder April kommenden Jahres ausfällt, seinem Gegner Emanzarios Bedinidis kampflos die Punkte.
Die anwesenden Zuschauer konnten sich an diesem Abend an einigen sehenswerten Aktionen erfreuen und erlebten eine vom Kampfverlauf her spannende und ausgeglichene Auseinandersetzung. Die 16:21 Niederlage gegen den Pfälzer Traditionsverein, seines Zeichens 10facher deutscher Mannschaftsmeister, änderte dann auch nichts am positiven Gesamteindruck. Sofern es dem SV Germania Weingarten gelingt, seine drei in diesem Jahr noch ausstehenden Kämpfe gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte siegreich zu gestalten, würde man einen großen Schritt Richtung Endrunde tun. Am kommenden Samstag bietet sich dem SVG Weingarten im Auswärtskampf bei der RKG Freiburg 2000 die Gelegenheit, sein Punktekonto um zwei Zähler zu erhöhen.
Am 12. Kampftag ist insbesondere der Sieg des SC Anger gegen den ersatzgeschwächt angetretenen KSV Aalen als große Überraschung zu werten. Vorteile in den schweren Gewichtsklassen waren ausschlaggebend für den Erfolg der Bayern, die ohne ihren Siegringer Juha Lappalainen auflaufen mussten, wodurch einige Ringer in die nächst höhere Gewichtsklasse aufgerückt sind. Bei einem 19:13 Zwischenstand konnte die Ostalbstaffel durch die beiden abschließenden Siege in den Weltergewichtsvergleichen dann aber lediglich noch Ergebniskosmetik betreiben.
Während sich der KSV Köllerbach bei der RKG Freiburg erwartungsgemäß mit 23:10 Punkten durchsetzen konnte und somit weiterhin zusammen mit dem VfK Schifferstadt mit lediglich 2 Verlustpunkten an der Tabellenspitze steht, unterlag der TuS Adelhausen in seinem Heimkampf dem SV Wacker Burghausen knapp mit 19:20 Punkten. Vor dem letzten Kampf stand es in dieser spannenden Auseinandersetzung 17:17 Unentschieden. Der Ex-Germane Dominik Groß ging mit 2:0 Runden in Führung, verlor dann aber aufgrund konditioneller Defizite die nachfolgenden 3 Runden gegen Mahmoud Karimi, wodurch die Niederlage besiegelt war.
Nach zwei Siegen mit je einem Punkt Vorsprung im Saisoneröffnungskampf gegen den SVG Weingarten sowie im südbadischen Duell gegen die RKG Freiburg 2000 verlor der Verein vom Dinkelberg dieses Mal mit einem Punkt Unterschied.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.