
von Wieland Mößner
25. November 2005
Zum Rückrundenauftakt empfing der SV Germania Weingarten den südbadischen TuS Adelhausen in der heimischen Germaniahalle. Der Gastgeber nahm diese Aufgabe keineswegs auf die leichte Schulter, weshalb man nahezu in Bestbesetzung gegen jene Mannschaft antrat, gegen die man zum Saisonauftakt eine unliebsame Niederlage hatte hinnehmen müssen. Verantwortliche und Fans beider Mannschaften waren gespannt darauf, wie sich der nach der Hinrunde traditionsgemäß vorgenommene Stilartwechsel auswirken würde. Der TuS Adelhausen rechnete sich in diesem Vergleich allerdings nur geringe Siegchancen aus und verzichtete seinerseits auf den amtierenden Vize-Weltmeister von Budapest, den Ungarn Arpad Ritter, sowie auf die beiden Ex-Germanen Dominik Groß und Marek Henne.
Im Auftaktkampf feierte der in dieser Saison bislang mit sehr viel Selbstvertrauen ausgestattete Rumäne Florin Gavrila einen grandiosen Schultersieg gegen den für Adelhausen antretenden Italiener Igor Chessa, gegen den er sich in der vergangenen Saison noch zu einem knappen Punktsieg mühte. Zum Zeitpunkt des vorzeitigen Kampfendes stand es bereits 6:0 und 5:1 für Gavrila. Sein Debüt im Trikot der Germania gab der türkische Schwergewichtler Sükrü Kazan. Der von einer vor 6 Wochen erlittenen Meniskusverletzung genesene, aber noch etwas gehandicapt wirkende Modellathlet hatte in seinem Kampf gegen Markus Eichin große konditionelle Schwierigkeiten und lag bereits mit 1:2 Runden zurück, bevor sein Kampfgeist erwachte und er die Runden 4 und 5 noch zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Lohn für die gute Moral war ein 3:2 Arbeitssieg für den türkischen Gastringer, der sich im Laufe der Saison sicherlich noch steigern wird.
Seine Saisonpremiere gab der moldawische Ausnahmeringer Ghenadie Tulbea, der den Jugendlichen Simon Gerwig nach allen Regeln der Ringerkunst beherrschte, ohne seinen Gegner jedoch allzu sehr vorzuführen. Der für den erkrankten ungarischen Halbschwergewichtler Bela Kalo kurzfristig eingesprungene Stefan Kraft stellte sich abermals in den Dienst der Mannschaft und ersparte dem Verein eine Ordnungsstrafe, die vom Deutschen Ringer-Bund für das Nichtbesetzen einer Gewichtsklasse verhängt wird. Zum Kampf gegen den zur erweiterten Weltklasse zählenden Esten Toomas Proovel trat er aufgrund der bestehenden Verletzungsgefahr bei einem Gewichtsunterschied von 16 kg in der für ihn ungewohnten griechisch-römischen Stilart dann selbstverständlich nicht an. Anschließend gewann Michael Böh gegen den Türken Ferhat Gül ungefährdet mit 3:0 Runden und erhöhte seine eindrucksvolle Saisonbilanz auf 8 Siege in 9 Kämpfen. Zur Halbzeit stand es somit 13:6 für den Gastgeber.
Nach der Pause trat der Grippegeschwächte Dennis Blum gegen den amtierenden Deutschen Juniorenmeister Michael Kaufmehl an, gegen den er sich in 4 Runden geschlagen geben musste. Im anschließenden Freistil-Kampf im Leichtgewicht zwischen dem Polen Adrian Mazan und dem Türken Rafet Ilden kam es zum einzigen Mal an diesem Abend zur Entscheidung nach Münzwurf des Referees. In der zähen Auseinandersetzung setzte sich der Gast dann knapp in 4 Runden durch und konnte dadurch etwas Ergebniskosmetik für den südbadischen Kontrahenten betreiben. Bei einem 15:12 Zwischenstand für den SV Germania Weingarten ging der noch unbesiegte Topscorer Sergios Solontkis auf die Matte. Nach einem 1:0 in Runde 1 lauerte der Grieche auf seine Chance auf eine hohe Wertung, die er sodann mit einem sehenswerten Kopf-Hüft-Schwung und anschließendem Schultersieg auch erzielte.
Im klassischen Weltergewicht traf der nach 3 Wochen erstmals wieder eingesetzte Andras Horvath auf den Schweizer Murat Argin, der im Hinkampf das Kunststück fertig brachte, René Zimmermann zu besiegen, womit er den damaligen Sieg von Adelhausen unter Dach und Fach bringen konnte. Der Ungar war ob dieses Ergebnisses gewarnt und ging dementsprechend engagiert und konzentriert zu Werke. Bei seinem klaren 3:0 Punktsieg zeigte er viele sehenswerte Aktionen und bewies wiederum eindrucksvoll, daß er gerade im Hinblick auf die Endrundenambitionen der Walzbachstaffel unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft ist. Im Abschlusskampf gegen den Adelhausener Ersatzringer Sven Hohler zeigte der 3. Olympiasieger von Sydney 2000, Adem Bereket, sein technisches Können und gewann nach überlegen geführtem Kampf per Schultersieg in der 2. Runde.
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, daß die Zuschauer beim standesgemäßen 26:12 Sieg gegen den derzeitigen Tabellen-Siebten Werbung für den Ringersport erleben konnten und viele sehenswerte Aktionen sowie 3 Schultersiege zu sehen bekamen. Darüber hinaus kam die sowohl bei Zuschauern als auch Ringern ungeliebte Zwigriffregel - wie bereits oben erwähnt - an diesem Kampfabend nur selten zur Anwendung.
In den weiteren Begegnungen des 1. Rückrundenkampftages besiegte u. a. der KSV Köllerbach den KSV Aalen 05 mit 29:10 Punkten und unterstrich damit seine Ambitionen auf den angestrebten 1. Platz in der Südgruppe zum Ende der normalen Punkterunde. Die in derzeitiger Bestformation angetretene Mannschaft vom Köllertal ließ lediglich 2 Einzelsiege des Gegners durch den Greco-Leichtgewichtler Lucjan Kwit und durch den Halbschwer-gewichtler Jimmy Lidberg zu, die ihre Widersacher Ismail Baygus bzw. Vladislav Metodiev jeweils knapp in 5 Runden besiegen konnten. Im bayerischen Derby zwischen dem SC Anger und dem SV Wacker Burghausen fiel die Entscheidung zugunsten des Gastes im Abschlusskampf, als sich der der deutsche Juniorenmeister Stefan Koch nach 2:0 Führung dem Burghausener Mahmoud Karimi noch mit 2:3 Runden geschlagen geben musste, womit der 18:19 Endstand aus Sicht des SC Anger besiegelt war.
Der Spitzenkampf des 10. Kampftages fand in Hallbergmoos statt, wo der Gastgeber auf den Meister der vergangenen 3 Jahre, den VfK Schifferstadt, traf. Der pfälzische Traditionsverein, um den seit Beginn der Saison Gerüchte um finanzielle Probleme kursieren, trat entgegen anders lautender Prognosen und Erwartungen von Experten mit seiner nahezu stärksten Mannschaft an, in der lediglich der zweimalige schwedische Weltmeister Ara Abrahamian fehlte, dessen erstmaliger Einsatz in der Endrunde erwartet wird. Der VfK Schifferstadt stellte durch 5 Siege in den ersten 5 Kämpfen bereits frühzeitig die Weichen auf Sieg und führte zur Pause bereits mit 15:5 Punkten. Der 10malige deutsche Meister ließ sich auch durch 3 Siege der Bayern nach der Pause nicht mehr vom Erfolgsweg abbringen und siegte letztendlich sicher und auch in dieser Höhe verdient mit 24:14 Punkten.
Nach diesem Kampftag stehen der KSV Köllerbach und der VfK Schifferstadt mit lediglich 2 Minuspunkten gemeinsam an der Tabellenspitze. Die beiden genannten Mannschaften kämpfen somit um den begehrten Gruppensieg, womit man bis zum möglichen Finale dem diesjährigen Meisterschaftsfavoriten 1. Luckenwalder SC aus dem Wege gehen würde.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.