Ringen 1. Bundesliga

Wielands letzte Worte - Die Bundesliga-Analyse

Wieland Mößner


Rückblick auf den 9. Kampftag in der Ringer-Bundesliga

von Wieland Mößner
18. November 2005


Am vergangenen Samstag standen sich der gastgebende KSV Aalen 05 und der SV Germania Weingarten im direkten Aufeinandertreffen der zwei Hauptkonkurrenten um Platz 4, der zum Einzug in die Endrunde berechtigt, in der Aalener Greuthalle gegenüber. Die Mannschaft von Trainer Frank Heinzelbecker trat in der gleichen Aufstellung wie in der Vorwoche an, als man sich im Heimkampf dem derzeitigen Tabellendritten SVS Hallbergmoos knapp geschlagen geben musste. Die Aalener boten zu diesem für beide Vereine bedeutsamen Vergleich ihre derzeit best mögliche Mannschaft auf und setzten erstmals den amtierenden bulgarischen Vize-Europameister Velin Marinov ein. Darüber hinaus ließen die Aalener Verantwortlichen den ehemaligen Weltklasseathleten, Aftandil Xanthopoulos, griechischer Neuzugang vom VfK Schifferstadt, ins Halbschwergewicht abtrainieren.

Der Kampf begann für den SVG Weingarten zunächst wenig verheißungsvoll. Im 1. Kampf des Abends gab Marcel Ewald alle drei Runden jeweils knapp an seinen bulgarischen Gegner Krasimir Krastanov ab, der vor der Saison vom 1. Luckenwalder SC an die Ostalb gewechselt war. Im anschließenden Schwergewichtsduell lief der ungarische Hüne, Gyula Branda, einem 0:2 Rückstand hinterher, bewies dann aber tolle Moral und kämpfte den ca. 20 kg leichteren schwedischen Vize-Europameister von 2005, Jimmy Lidberg, noch verdient mit 3:2 Runden nieder. In seinem 8. Kampf im Trikot der Germania konnte Branda somit seinen 7. Sieg erringen.

Dieses Kunststück gelang auch dem Punktesammler Michael Böh, der sich im Bantamgewicht gegen den für Griechenland startenden Olympia-Dritten von Athen im Fliegengewicht, Artjom Kiouregkian aus Griechenland, mit 3:1 Runden durchsetzen konnte. Der Topscorer besiegte mit dem Ex-Armenier nach seinen Erfolgen gegen den Weltmeister von 2003, Dariusz Jablonski vom VfK Schifferstadt, und gegen den rumänischen Ex-Europa-meister Marian Sandu von der RKG Freiburg 2000 bereits den dritten Weltklasseathleten in der laufenden Saison.

Die größte Überraschung des Abends vollbrachte der vormals gescholtene Freistil-Halbschwergewichtler Martin Siddiqui, der völlig überraschend, aber hochverdient gegen den konditionsschwachen und wenig austrainiert wirkenden Griechen Aftandil Xanthopoulos in 3 Runden mit insgesamt 9:5 Wertungspunkten gewann. Im Freistil-Federgewicht konnte der Pole Adrian Mazan voll überzeugen und behielt gegen den Griechen Valerios Kogouashvili klar in 3 Runden die Oberhand. Nach einem zwischenzeitlichen 0:5 Rückstand zu Beginn des Kampfes gelang es der Walzbachstaffel nach 4 Einzelsiegen in Folge noch, mit einem beruhigenden 12:6 Vorsprung in die Halbzeitpause zu gehen.

Nach dem Wiederanpfiff stellte René Zimmermann seine derzeit blendende Verfassung unter Beweis und gewann souverän in drei Runden gegen den einzigen deutschen Ringer in der Formation des KSV Aalen, Patric Nuding. Der ukrainische Neuzugang Oleg Boykov bewies in seinem 2. Kampf viel Übersicht und zeigte eindrucksvoll, daß er dem SVG Weingarten noch nützliche Dienste wird erweisen können. Gegen den ehemaligen Vize-Europameister Djamel Ainaoui aus Frankreich siegte er ungefährdet in 4 Runden und brachte seine Mannschaft somit mit 18:7 Punkten bereits vorentscheidend in Führung.

In der Auseinandersetzung im Freistil-Mittelgewicht musste sich Dennis Blum dem armenischen Weltklasseathleten Arayik Guevorkian, Weltmeister von 1997 und 1998 im Leichtgewicht, deutlich in 3 Runden geschlagen geben. Weitere Ergebniskosmetik betrieb der Bulgare Kyril Terziev, der sich überraschend in 3 Runden gegen Adem Bereket durchsetzen konnte, der einen rabenschwarzen Tag erwischte und keine Einstellung zu seinem Gegner fand. Dennoch hat der Türke im bisherigen Saisonverlauf überzeugt, zumal er in 8 Kämpfen bislang 6 Siege hat erringen können.

Im Abschlusskampf wies der ungeschlagen gebliebene Sergios Solontkis den diesjährigen Vize-Europameister Velin Marinov in dessen erstem Kampf für die Ostalbstaffel in 4 Runden in die Schranken. Nach seinen 5 Siegen in der Gewichtsklasse bis 84 kg Greco gewann der gebürtige Ukrainer nun auch seinen 2. Kampf im Weltergewicht in eindrucksvoller Manier. Seine bisherige Saisonbilanz mit 7 Siegen in 7 Kämpfen ist beeindruckend und lässt sicherlich keine Wünsche offen.

Nach 7 Einzelsiegen konnte sich der SVG Weingarten letztendlich deutlich und in dieser Höhe unerwartet beim 8fachen deutschen Meister durchsetzen. Mit diesem Erfolg hat der nordbadischen Bundesligist einen wichtigen Schritt Richtung Endrunde gesetzt, da bei Punktgleichheit am Ende der Verbandsrunde der direkte Vergleich zur Ermittlung der endgültigen Platzierungen herangezogen wird. Das Polster von 7 Punkten gegenüber dem KSV Aalen könnte sich daher im Endeffekt noch als sehr nützlich erweisen. Das Punktekonto des SVG Weingarten weist nach der Hinrunde 10:6 Zähler aus, womit man sich voll im Plansoll befindet.

In den weiteren Vergleichen des 9. Kampftages gab es durchweg Favoritensiege, wobei sich der SC Anger dem Meister der vergangenen drei Jahre, dem VfK Schifferstadt, deutlich mit 7:26 Punkten geschlagen geben musste. Lediglich Anders Nyblom, der überraschend gegen Dariusz Jablonski gewann, und Stefan Koch, der Fatih Aydogan bezwingen konnte, verließen die Matte als Sieger. Der TuS Adelhausen trat mit einer sogenannten „Sparmannschaft“ zu seinem Auswärtskampf beim SVS Hallbergmoos an, da man sich keinerlei Siegchancen ausgerechnet hatte und deshalb nicht in stärkster Besetzung auflief. Rafet Ilden gab im Freistil-Weltergewicht dem deutschen Meister Dominik Zeh das Nachsehen und Dominik Groß siegte im Mittelgewicht gegen den Hallbergmooser Ersatzmann Rainer Morasch, womit zumindest zwei Einzelsiege gelangen.

In einem Kampf zwischen 2 Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte besiegte die gastgebende RKG Freiburg 2000 den SV Wacker Burghausen mit 21:13 Punkten. 6:4 Einzelsiege waren ausschlaggebend für den Gesamtsieg der Freiburger, die damit die „rote Laterne“ wieder an den SC Anger abgaben. In der Nordgruppe zieht der Finalist der vergangenen Saison, der 1. Luckenwalder SC, einsam seine Kreise und steuert einem ungefährdeten Gruppensieg zu. Beim diesjährigen Aufsteiger SC Siegfried Kleinostheim setzte sich der Verein aus Brandenburg mit seiner Ersatzmannschaft deutlich mit 24:12 Punkten durch und behielt damit weiterhin seine weiße Weste. In einer wichtigen Begegnung um den begehrten Platz 4 in der Nordgruppe hielt der nordrhein-westfälische Traditionsverein KSV Witten den AC Auerbach/Chemnitz knapp mit 21:19 Zählern in Schach.


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