
von Wieland Mößner
11. November 2005
Zum Spitzenkampf in der 1. Bundesliga empfing der SV Germania Weingarten den Halbfinalisten der letzten beiden Jahre, den SVS Hallbergmoos, zu seinem vierten Heimkampf in der Germaniahalle. Beide Mannschaften waren bis in die Haarspitzen motiviert, ging es in diesem richtungsweisenden Vergleich doch immerhin darum, mit einem Sieg bereits die Weichen für einen möglichen Einzug in die lukrativen Play-Offs zu schaffen. Während der Gastgeber auf den an einem dreifachen Bänderriss laborierenden ungarischen Ausnahmeathleten Sandor Bardosi, Vizeolympiasieger von Sydney 2000 sowie diesjähriger WM-Dritter, verzichten musste, trat der Gast ohne das griechische Bewegungstalent Apostolos Taskoudis an, dem unterstellt wird, die Bodenhaftung aufgrund gestiegener finanzieller Forderungen verloren zu haben. Die Ausfälle konnten allerdings durch den jeweiligen Einsatz von René Zimmermann auf Seiten der Heimmannschaft und von Gergö Wöller auf Seiten der Bayern sehr gut kompensiert werden.
Im Auftaktkampf kam es zwischen Marcel Ewald und dem Georgier Gocha Kirkitadze zum Aufeinandertreffen zweier Weltmeisterschaftsteilnehmer von Budapest. Nach ausgeglichener 1. Runde musste sich der Ex-Ketscher seinem Gegner im angeordneten Clinch mit 0:1 Punkten geschlagen geben. Eine Unachtsamkeit des diesjährigen deutschen Meisters nutzte der ausgebuffte Georgier zum entscheidenden Schultersieg in der 2. Runde, der seiner Mannschaft überraschend 4 Punkte bescherte.
Im Kampf der beiden in dieser Saison bis dato noch ungeschlagenen Schwergewichtler Gyula Branda und dem Litauer Mindaugas Mizgaitis unterlag der Ungar seinem Widersacher nach einer 2:1 Führung letztlich noch mit 2:3 Runden, wobei die Entscheidung viermal im Clinch fiel, in welchem der Gast das Losglück mehrfach auf seiner Seite hatte. Im anschließenden Bantamgewichtsduell mit dem Dänen Hakan Nyblom musste auch Michael Böh seine erste Saisonniederlage hinnehmen, wobei er mit den zum Teil etwas unglücklichen Entscheidungen des Mattenleiters haderte und dadurch etwas von seiner ringerischen Linie abkam. Der Däne setzte sich in 4 zähen Runden durch und brachte seine Mannschaft damit bereits vorentscheidend mit 10:3 Punkten in Führung.
Der chancenlose Martin Siddiqui wurde von dem international erfahrenen Franzosen Vincent Aka in seine Schranken verwiesen und gab alle 3 Runden jeweils deutlich ab. Der polnische Neuzugang Adrian Mazan gewann die ersten beiden Runden mit viel Übersicht und einigen sehenswerten Aktionen gegen den Ungarn Gergö Wöller, hatte danach aber sein Pulver verschossen und musste aufgrund aufgetretener konditioneller Probleme den Kampf noch mit 2:3 Runden abgeben. Nach 5 Einzelsiegen konnte sich der SVS Hallbergmoos über eine beruhigend aussehende 16:5 Pausenführung erfreuen.
In der 2. Hälfte bewies die Mannschaft eine tolle Moral und bäumte sich vehement gegen die drohende Niederlage auf. Zunächst gab der Luckenwalder Neuzugang René Zimmermann seinem finnischen Kontrahenten, Kim-Jussi Nurmela, mit 3:0 Runden deutlicher als einkalkuliert das Nachsehen. Bei seinem 1. Einsatz im Trikot des SV Germania Weingarten besiegte der ukrainische Neuzugang Oleg Boykov den Finnen Jarkko Ala-Huikku nach sichtlich nervösem Beginn in 5 Runden und ließ dabei bereits teilweise sein technisches Können aufblitzen.
Im interessantesten Kampf des Abends standen sich Dennis Blum und der Grieche Felix Polianidis gegenüber. Dennis zeigte eine hervorragende Leistung und konnte die ersten beiden Runden einigermaßen überraschend für sich entscheiden. In einem Kampf mit Haken und Ösen gingen beide Ringer bis ans Limit und boten dem Publikum einen offenen Schlagabtausch, wie man ihn ansonsten nur vom Boxen her kennt. Der international erfahrene Grieche setzte sich am Ende dann aber doch in 5 Runden durch und sorgte für einen 21:13 Zwischenstand für die bayerischen Gäste.
Im Freistil-Weltergewichtskampf bezwang der technisch beschlagene Adem Bereket nach einer 2:0 Führung und zwischenzeitlichem 2:2 Ausgleich trotz seiner Zahnschmerzen und daraus resultierender physischer Probleme dank seiner Routine noch die 5. Runde. Im Abschlusskampf stand dem technisch versierten Publikumsliebling Sergios Solontkis, der unter der Woche 6 kg Gewicht reduzierte, der französische WM-16. von Budapest, Christophe Guenot, gegenüber. Nach dem Verlust der 1. Runde, die er im Clinch abgab, holte er seinen Gegner mit einem sehenswerten Kopf-Hüft-Schwung von den Beinen und siegte durch den anschließenden Schultersieg vorentscheidend. Der Grieche blieb damit auch in seinem 6. Saisonkampf weiterhin unbesiegt und behielt seine makellose weiße Weste.
Der SV Germania Weingarten verlor den Kampf gegen den leicht favorisierten Gegner zwar mit 20:23 Punkten, die Mannschaft verlangte dem mit 9 Ausländern angetretenen Gast allerdings alles ab und bot dem Publikum insbesondere nach der Pause einen tollen Kampf mit einer grandiosen Aufholjagd, die letztendlich aber nicht mehr von Erfolg gekrönt war. Dennoch kann man resümierend festhalten, daß der beherzte und engagierte Auftritt Hoffnung für den bevorstehenden Auswärtskampf beim schwäbischen Traditionsverein KSV Aalen macht.
In den drei weiteren Begegnungen des 8. Kampftages kam es zu Favoritensiegen durch die beiden Spitzenreiter KSV Köllerbach und VfK Schifferstadt. Der KSV Köllerbach setzte sich beim Aufsteiger SV Wacker Burghausen erwartungsgemäß mit 26:6 Punkten durch und ließ lediglich 2 Einzelsiege der Gastgeber durch Matthias Maasch gegen Albert Nourov und Eugen Ponomartschuk gegen Jan Fischer zu. Der VfK Schifferstadt gewann seinen Heimkampf gegen die RKG Freiburg mit 31:5 Punkten auf der Matte, bekam aber zwischenzeitlich einen 40:0 Sieg zugesprochen, da die Südbadener lediglich mit 9 Ringern antraten, von denen überdies 2 Athleten mit Übergewicht über die Waage gingen.
Zu einem überraschenden 25:12 Auswärtssieg beim TuS Adelhausen kam der bislang noch sieglose SC Anger. Der TuS Adelhausen gab seinen beiden Ringern Dominik Groß und Marek Henne eine schöpferische Pause, die mit bislang unbefriedigenden Leistungen der Genannten begründet wurde und musste darüber hinaus auf den verletzten Weltergewichtler Murat Argin verzichten.
Momentan stehen keine Kämpfe bevor.